Kommentar

Ausschaffungs-Antrag ist verständlich

Der Gemeinderat Rothrist will einen jungen Eritreer ausschaffen lassen, der sich jahrelang renitent verhielt.

Der Gemeinderat Rothrist will einen jungen Eritreer ausschaffen lassen, der sich jahrelang renitent verhielt.

Am Dienstag warben junge Eritreer und Hilfswerk-Vertreter vor dem Grossratsgebäude um Unterstützung für jugendliche Asylbewerber. Im Kantonsparlament sind mehrere Vorstösse hängig, die den Entscheid von SVP-Regierungsrätin Franziska Roth korrigieren wollen, minderjährige Flüchtlinge aus Kostengründen nicht mehr in Pflegefamilien zu platzieren. Nur einen Tag später wird die Forderung des Gemeinderats Rothrist an den Kanton bekannt, den renitenten Eritreer R. F. auszuschaffen.

Dass die Kundgebung für mehr Unterstützung und der Antrag für die Ausschaffung nur einen Tag auseinanderliegen, ist reiner Zufall. Die zwei Ereignisse zeigen aber exemplarisch, wie breit das Spektrum bei der Integration ist. Hier die motivierten jungen Eritreer, die in gutem Deutsch den TV-Reportern und Zeitungsjournalisten Auskunft gaben – dort der renitente R. F. aus Rothrist, der nicht zur Schule geht, regelmässig Diebstähle begeht und auch in einem speziellen Heim untragbar ist.

Dass der junge Eritreer darum ausgeschafft wird, scheint unrealistisch und wäre auch unverhältnismässig. Doch der Antrag von Rothrist ist verständlich: Die Gemeinde hat viel versucht, den Eritreer unterstützt, doch gebracht hat es nichts. Ob und wie der Kanton bei diesem Problemfall helfen kann, ist offen. Prinzipiell sind für vorläufig Aufgenommene wie R. F. die Gemeinden zuständig. Diese leisten viel, wenn es um die Integration geht. Und auch wenn R. F. ein Gegenbeispiel ist: Bei jungen Flüchtlingen sind die Chancen gut, dass die Bemühungen erfolgreich sind. Ob es sinnvoll ist, hier Mittel zu kürzen, ist deshalb fraglich.

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