Es sind Bilder, die einen nicht kalt lassen: Fünf Männer versuchen einen afrikanischen Asylbewerber, der aus der Schweiz ausgewiesen wurde, auf einen Sitz im Flugzeug zu setzen. Der Mann wehrt sich mit allen Kräften. Obwohl er einen Kopfschutz trägt, seine Hände gefesselt sind und er sich kaum bewegen kann, windet er sich, so stark er kann. Er schreit, stösst unverständliche Laute aus und spuckt umher. Doch er hat keine Chance. Die fünf Beamten drücken den renitenten Asylbewerber in seinen Sitz und binden ihn dort fest.

«Einer hat einmal kurz vor der Rückführung brühend heisses Wasser aus dem Wasserkocher über sich geschüttet», erzählt André Zumsteg, Abteilungschef der Kantonspolizei West, aus dem Nähkästchen. Er sagt, es gebe ausgewiesene Asylbewerber, die alles versuchten, um länger in der Schweiz zu bleiben: «Einige verletzen sich selbst, indem sie sich zum Beispiel mit Rasierklingen zentimetertief in die Arme schneiden. In diesem Zustand können wir sie nicht ausschaffen und sie bleiben noch für eine Weile in der Schweiz.»

16 Personen aus dem Aargau

Solche Asylbewerber werden in das Rückführungslevel 4 eingestuft. Dies ist die höchste Stufe und bedeutet, dass die Personen mehrmals aufgefordert wurden, das Land zu verlassen. Sie wehrten sich aber mit Händen und Füssen. «Asylbewerber mit Level 4 müssen zu ihrem eigenen und zum Schutz der Beamten gefesselt werden», wiederholt Zumsteg.

Sie werden mit einem Sonderflug, auf dem sich keine Passagiere – ausser andere abgewiesene Asylsuchende und Beamte – befinden, ausgeschafft. Im letzten Jahr wurden 165 Level-4-Fälle ausgeflogen. Darunter waren 16 Personen, die einst im Aargau untergebracht waren. Sie wurden in ihre Heimatländer, darunter mehrere afrikanische Länder wie Nigeria oder Gambia, aber auch Italien oder Russland zurückgeflogen.

Immer wieder durchsucht

Wenn ein Asylbewerber mit Level 4 ausgeschafft wird, sind im Ganzen rund 15 Mitarbeitende der Polizei beteiligt. «Der Zugriff erfolgt meistens überraschend und in der Nacht», sagt Zumsteg. Die Personen werden mehrere Male gefilzt, dass sie sich nicht mit Gegenständen verletzen können. Für die Fesselung sind Spezialisten im Einsatz, die genau dafür ausgebildet wurden.

«Wir wollen keinen Erstickungstod», gibt Zumsteg zu bedenken. Bei diesen Sonderflügen ist immer ein Arzt und eine Person der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter NKVF anwesend. «Credo bei diesen Transporten ist jeweils: alles muss verhältnismässig sein. Wenn sich einer so wehrt, dass eine Rückführung unmöglich ist, wird abgebrochen», zählt Zumsteg die allerletzte Option auf.