Asylunterkünfte

Ausgerechnet Aargauer SVP-Mitglied fordert mehr Solidarität im Asylwesen

Der ehemalige SVP-Grossrat Jörg Hunn fordert, dass die Aargauer Gemeinden mehr Solidarität für die Asylbewerber zeigen.

Der ehemalige SVP-Grossrat Jörg Hunn fordert, dass die Aargauer Gemeinden mehr Solidarität für die Asylbewerber zeigen.

Der Aargauer ex-SVP-Grossrat Jörg Hunn möchte, dass alle Gemeinden ihre Aufnahmepflicht erfüllen – sein Dorf, in dem er jahrelang Gemeindeschreiber war, geht mit gutem Beispiel voran.

Mit einem Schmunzeln habe er die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass die Gemeinde Mettauertal im Fricktal neu Asylbewerber aufnehmen wolle, anstatt Ersatzabgaben an den Kanton zu bezahlen, sagt Jörg Hunn, der während 38 Jahren als Gemeindeschreiber in Riniken wirkte und als ehemaliger Grossrat Mitglied der SVP ist.

Ausgerechnet die Fusionsgemeinde, die für den Zusammenschluss der Gemeinden Etzgen, Hottwil, Mettau, Oberhofen und Wil vor vier Jahren einen stattlichen Solidaritätsbeitrag vom Kanton erhielt, habe sich bisher geweigert, Asylsuchende zu beherbergen und damit die Aufnahmeverpflichtung zu erfüllen. «Das ärgert mich», so Hunn. Er stelle nämlich fest, dass die Solidarität unter den Gemeinden bei dieser Aufgabenerfüllung nicht mehr so gut spiele wie noch zur Zeit des Kalten Kriegs.

Kanton übte ab 1989 Druck aus

Als ehemaliger Gemeindeschreiber hat Hunn viele Asylsuchende in Riniken begleitet und dabei nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Er erlebte mit, wie mit dem Umsturz in Rumänien und der Balkankrise die vielen Flüchtlinge ab 1989 vom Kanton auf die Gemeinden verteilt wurden. Ähnlich wie heute habe der Kanton Druck auf die Gemeinde ausgeübt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Zunächst ging es um ein Kontingent, das 0,5 Prozent der Bevölkerung – später 0,75 Prozent – entsprach. Für Riniken bedeutete das sieben beziehungsweise elf Asylsuchende. Wer nicht mitmachte, hatte aber keine finanziellen Konsequenzen zu befürchten. Trotzdem versuchte die 1500-Seelen-Gemeinde immer, ihren Teil beizutragen.

Nach Diebstahl sofort gehandelt

Der Riniker Gemeinderat entschied sich 1989, eine Wohnbaracke zu leasen und hinter dem Gemeindehaus aufzustellen. Weil die Unterkunft auf dem Land für öffentliche Bauten und Anlagen zu stehen kam, konnte nur eine befristete provisorische Baubewilligung erteilt werden. Zwei Familien wurden sofort darin untergebracht. Weitere folgten. Seit 1997 dient die Baracke den Kirchgemeinden als Jugendlokal und ist neben dem Schulhaus Lee stationiert.

Die Gemeinde mietete danach als neue Asylunterkunft eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Ab 1991 liess Riniken zusätzlich die alte Wohnung der Milchgenossenschaft im Milchhüsli für 30'000 Franken notdürftig instand stellen. Bis vor kurzem diente sie als Unterkunft für Asylsuchende aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Bulgarien. Eine Familie, die wegen Diebstählen im Dorf für Unmut sorgte, liess Jörg Hunn damals kurzerhand vom Kanton umplatzieren.

Riniken hilft Nachbargemeinde

Das leer stehende Restaurant Hirschen im Dorfzentrum wird seit 1999 bis heute als Asylunterkunft genutzt. Drei Frauen aus Afrika mit je einem Kind wohnen aktuell darin. Damit kommt die Gemeinde Riniken der Aufnahmepflicht des Kantons hinreichend nach. Aufgrund einer Vereinbarung kann sie seit 2010 sogar der Nachbargemeinde Rüfenach helfen, deren Aufnahmepflicht zu erfüllen.

Auch wenn Hunn froh ist, dass sich seine Gemeinde solidarisch zeigt und die Aufnahmepflicht erfüllt, wünscht sich der ehemalige SVP-Grossrat mittelfristig zentrale Unterkünfte und schnellere Asylverfahren. Er weiss, was es bedeutet, wenn im Dorf gut integrierte Familien nach Jahren der Ungewissheit plötzlich ausreisen müssen. Aus diesem Grund fände er es besser, wenn die Personen erst auf die einzelnen Gemeinden verteilt würden, wenn der Aufenthaltsstatus geklärt ist.

Langes Warten auf Entscheid

Mit der Erfüllung der Aufnahmepflicht ist Riniken kein Einzelfall. Häufig sind es einheimische Frauen und Männer, die für die Betreuung der Asylbewerber zuständig sind und ihnen zeigen, wie man den Bus benutzt und wo man einkaufen kann.

«Die Leute sind oft sehr genügsam und dankbar für alles, was sie von der Gemeinde bekommen», stellte Hunn immer wieder fest. «Es gibt aber auch solche, die sofort denselben Lebensstandard haben möchten wie wir Schweizer.»

Der ehemalige «Hirschen» hat sich als Unterkunft bewährt. Die aktuellen Bewohner warten seit Jahren auf einen Entscheid. In den nächsten Monaten wird ein neuer Flüchtlingsstrom erwartet. Könnte Riniken auch noch mehr Asylsuchende aufnehmen? «Das ist nicht vorgesehen. Es dürfte schwierig werden, eine neue Liegenschaft zu finden», sagt der neue Gemeindeschreiber Martin Maumary.

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