Starkes Wachstum
Ausgaben über 4 Milliarden – doch die Bauwut deckt nur den Bedarf

Der Kanton Aargau begründet das starke Wachstum mit mehr Wohnbedarf und der starken Zuwanderung. Vor allem im öffentlichen Bau wächst der Kanton drastisch. Einer «Überhitzung» wird aber nicht befürchtet

Hans Lüthi
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Der Hang über dem See und der Limmat in Nussbaumen bei Baden ist stark überbaut worden. Wal

Der Hang über dem See und der Limmat in Nussbaumen bei Baden ist stark überbaut worden. Wal

Im Aargau wird gebaut, als würde es verboten. Das ist zwar nicht geplant, aber bei neuen Einzonungen gibt es ein Moratorium, bis der Bundesrat die Aargauer Siedlungspläne Ende 2015 genehmigt. Unabhängig davon stiegen im vorletzten Jahr alle Bauausgaben um 151 Millionen auf rund 4 Milliarden Franken.

Am meisten schnellte der öffentliche Bau mit plus 16,5 Prozent in die Höhe, der private Bau stagnierte nahezu. Daraus ergab sich ein mittleres Wachstum von 3,9 Prozent. Die Statistik für 2013 stützt sich auf die gemeldeten Bauvorhaben.

Deren Wert liegt erneut um 7 Prozent höher. «Aber weil nicht alles gebaut worden ist, sind 4 bis 5 Prozent für 2013 realistisch», erklärt Ruedi Steiner, Leiter der Fachstelle Bevölkerung und Bauwesen bei Statistik Aargau.

Keine Überhitzung in Sicht

Ob die ganze Entwicklung auf eine Immobilienblase hindeutet? «Nein, davon kann überhaupt keine Rede sein», versichert Steiner. Denn erstens stagniert der Wohnungsbau bei knapp 4600 Einheiten.

Zweitens steigt der Wohnbedarf pro Person und die Aargauer Bevölkerung wächst stark – um 6000 bis 7000 Zuwanderer im Jahr. «Bei tiefen Zinsen könnte sich der Bau 2014 ähnlich entwickeln – aber das ist jetzt Spekulation», sagt Steiner vorsichtig.

Eine echte Überhitzung gab es vor 40 Jahren: 1973 und 1974 wurden 6342 und 6520 Wohnungen gebaut. Dann kamen die Kreditrestriktionen, die Zahl sackte auf 2700 bis 2100.

Interessant ist ein starker Sprung bei den Einfamilienhäusern: Deren Anteil stieg 2012 auf über 24 Prozent aller Neuwohnungen.

In den Randbezirken Laufenburg und Zurzach sowie in Lenzburg und Zofingen ist das Häuschenbauen aktuell noch viel beliebter, mit 32 bis 43 Prozent. Bei total 291 000 Wohnungen macht der Anteil der Einfamilienhäuser im Kanton wie bisher 34 Prozent aus.

Öffentliche Hand investiert viel

Bei den öffentlichen Bauten sind die Investitionen beim Tiefbau überdurchschnittlich stark gestiegen. Bund, Kanton und vor allem die Gemeinden haben viel zum Wachstum auf dem Bau beigetragen.

Die Immobiliengesellschaften haben 73 Millionen Franken zusätzlich investiert, die institutionellen Anleger 44 Millionen Franken mehr. Weniger Geld setzten die Wohnbaugenossenschaften ein, ebenso Elektrizitäts- und Gaswerke (siehe Grafik).

Privater und öffentlicher Bau 2013 im Aargau

Privater und öffentlicher Bau 2013 im Aargau

AZ

Übrigens: 52 Prozent der Wohnungen haben 3 bis 4 Zimmer, 36 Prozent 5 und mehr Zimmer, 12 Prozent 1 bis 2 Zimmer.

Bauboom im Speckgürtel

Bei einem Blick auf die elf Bezirke zeigt sich sofort, wo die Wachstumspost am schnellsten abgeht.

Im Bezirk Baden stieg das gesamte Bauvolumen von 2012 auf 2013 von 688 auf 845 Millionen Franken sehr stark, im Bezirk Aarau von 464 auf 482 Millionen, im Bezirk Bremgarten von 426 auf 472 Millionen, im Bezirk Lenzburg von 413 auf 483 Millionen und im Bezirk Zofingen von 334 auf 405 Millionen Franken.

Im Bezirk Zurzach gab es zwar noch ein Wachstum um 10 Prozent, allerdings auf tiefe 180 Millionen Franken. In den anderen Bezirken stagnierten die Bauausgaben 2013 oder gingen gegenüber dem Vorjahr zurück. Dies am stärksten im Bezirk Brugg, von 355 auf 302 Millionen Franken.