Verkehr
Ausbau des Hochrheins für die Schifffahrt lohnt sich nicht

SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht hat mit der Idee, den Rhein von Basel bis Rekingen als Transportweg zu nutzen, Schiffbruch erlitten. Eine Studie zeigt, dass die Kosten für ein solches Projekt viel höher wären als der Nutzen.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Für den Aargau lohnt sich der Güterverkehr auf dem Rhein nicht, sagt die Studie der FHNW, welche SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht in Auftrag gegeben hatte.

Für den Aargau lohnt sich der Güterverkehr auf dem Rhein nicht, sagt die Studie der FHNW, welche SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht in Auftrag gegeben hatte.

Juri Junkov/Keystone

Bereits heute ist der Raum Basel verkehrsmässig am Anschlag. Ein Grund dafür: Viele Güter kommen per Schiff im Basler Rheinhafen an und werden danach auf Schiene oder Strasse weitertransportiert. Insbesondere im Containerbereich wächst das Volumen stetig.

SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht wollte den Engpass in der Region Basel mit einer ungewöhnlichen Idee entschärfen: Er schlug vor, den Rhein bis hinauf zum Container-Eisenbahnterminal in Rekingen schiffbar zu machen. So könnten viele Container, die heute in Basel auf Bahn oder Lastwagen verladen werden, weiter auf der Wasserstrasse transportiert werden.

Kosten von 960 Millionen

Nun zeigt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz, in Auftrag gegeben und finanziert von Knecht und vom «Verein für Weiterführung der Rheinschifffahrt», dass sich ein Ausbau des Hochrheins nicht lohnt. Fünf Studenten haben die möglichen Einsparungen durch eine Verlängerung der schiffbaren Strecke bis Rekingen mit den Kosten des Ausbaus verglichen. Sie kamen zum Schluss, dass die Investitionen von 960 Millionen Franken die möglichen Einsparungen von 157 bis 367 Millionen Franken weit übertreffen. Ihr Fazit: «Die Zahlen zeigen, dass eine Weiterführung der Rheinschifffahrt im Moment aus volkswirtschaftlicher Sicht wenig Sinn machen würde.»

Widerstand wäre programmiert

Aufwendig wäre insbesondere der Bau von Schleusen für grosse Transportschiffe bei den Rheinkraftwerken, zudem wären gemäss der Studie auch grosse Eingriffe bei Naturschutzgebieten nötig. Ob sich diese zum Beispiel im Fall des Koblenzer Laufens, einem urtümlichen Flussabschnitt, mit dem Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung vereinbaren liessen, bezweifeln die Studenten.

Sie geben zudem zu bedenken, dass Widerstand gegen einen Ausbau des Hochrheins fast programmiert wäre. Einerseits habe sich der Kanton gegen die Schiffbarmachung des Flusses ausgesprochen, andererseits stünden mehrere befragte Naturschutzorganisationen einem solchen Projekt sehr kritisch gegenüber. «Allfällige Einsprachen können den Planungs- und Bauprozess in die Länge ziehen und zusätzliche Kosten verursachen», halten sie fest.

Hafenterminal in Rheinfelden?

Um die Verkehrssituation im Raum Basel zu entschärfen, bringen sie eine andere Lösung ins Spiel. Statt den Rhein für fast eine Milliarde Franken bis Rekingen schiffbar zu machen, schlagen sie ein neues Hafenterminal im Raum Rheinfelden oder Kaiseraugst vor. Bis dorthin ist der Rhein für Transportschiffe befahrbar, die Ausbaukosten wären deshalb viel geringer.

Obwohl die Studie seine Idee praktisch versenkt, ist Hansjörg Knecht nicht enttäuscht. «Den Vorschlag, in Rheinfelden oder Kaiseraugst ein neues Hafenterminal zu bauen, finde ich interessant», sagt er. Knecht kündigt an, er werde mit dem Bundesamt für Verkehr diskutieren, welche Möglichkeiten für einen neuen Hafen sich bieten. Realisiert werden könnte dieser wohl nur, wenn der Kanton auf die Änderung des Richtplans verzichtet. Diese sieht nämlich vor, dass die Freihaltestrecke für die Schifffahrt auf dem Rheinabschnitt im Aargau entfallen soll. Knecht lehnt dies ab: «Wir sollten uns grundsätzlich keine Varianten für die Zukunft verbauen.»