Von Transportschiffen auf dem Hochrhein bis zur Aaremündung oder zum Bielersee und zum Bodensee träumten im letzten Jahrhundert viele. Ein letztes generelles Projekt von 1983 sieht einen Umschlagplatz im Fullerfeld im Zurzibiet (siehe Plan).

Dann versandete das Thema – bis es jetzt SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht aus Leibstadt mit einer Interpellation an den Bundesrat wieder neu aufnimmt. Warum geht er das Risiko ein, Fischer und Naturfreunde zu verärgern? «Der Verkehr nimmt zu, Strassen und Bahnen sind überlastet. Und der Gütertransport von Rotterdam in die Schweiz von heute fünf Millionen Tonnen jährlich wird sich in 15 Jahren verdoppeln», argumentiert Knecht. «Das grosse Echo hat mich aber schon überrascht», sagt er.

Nationalrat will Ausbau der Rheinschifffahrt prüfen lassen

Rheintransportschiffe im ganzen Aargau

Täglich 452 Lastwagen weniger

Das Thema hat Knecht schon früh mitbekommen. Sein Vater war Mitglied im Verein für die Weiterführung der Rheinschifffahrt, den es noch immer gibt. Der Aargauer Nationalrat und Unternehmer findet, der Transport auf dem Wasser sei ökologischer, brauche am wenigsten Energie pro transportierte Tonne, mache keinen Lärm und verursache keine Bauten – abgesehen von den Schleusen bei den Wasserkraftwerken.

Die Freihaltung des Platzes dafür wird vom Bund verlangt: nämlich von Basel bis zum Klingnauer Stausee und Weiach. Vom Bundesrat will Hansjörg Knecht jetzt wissen, was dieser zur Schifffahrt sagt, ebenso zur Ausbauzeit, zu den Kosten und zum Volumen. Selber erwähnt Knecht Investitionen von rund 400 Millionen Franken.

Für drei Millionen Tonnen Güter im Jahr müssten täglich acht Schiffe zwischen Augst BL und Full verkehren. «Diese Gütermenge ersetzt 282 volle Eisenbahnwagen täglich oder 75 000 pro Jahr», schreibt Knecht. Auf der Strasse wären es 452 Lastwagen täglich oder 120 000 Fahrten im Jahr.

Die 1983 geplante Umladestation im Fullerfeld. Quelle: Agis/ssa

Die 1983 geplante Umladestation im Fullerfeld. Quelle: Agis/ssa

Neben positiven Stimmen hat Knecht bereits erfahren, «dass Fischer und Ökologen solche Pläne unmöglich bis wahnsinnig finden.» Bis weit in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts liebäugelten viele Kantonsregierungen und die Wirtschaftskreise mit der Schifffahrt.

Doch mit der Bedeutung des Natur- und Umweltschutzes kippte die Stimmung auf die andere Seite. Im Aargauer Richtplan steht der Grundsatz, auf einen Ausbau der Grossschifffahrt «auf Aare und Rhein wird verzichtet». Wörtlich heisst es: «Ökologische, raumplanerische und verkehrspolitische Gründe sprechen dagegen.»

Unglaubliche Projekte für Schiffe

Ziemlich entsetzt reagiert der Aargauische Fischereiverband: «Wir würden uns sicher dagegen wehren. Das steht doch im krassen Widerspruch zu den Aufwertungen des Lebensraumes», sagt Präsident Hans Brauchli aus Rekingen. Man müsste eine Rinne ausbaggern, das Lachsprojekt wäre sinnlos und die Gefahr vom Einschleppen fremder Tierarten nähme drastisch zu.

In der Euphorie des Wirtschaftsaufschwungs gab es unglaubliche Projekte: Die Verlängerung der Schifffahrt von Basel zur Aare und quer durch den Aargau bis zum Bielersee und von dort weiter zum Genfersee und mit Anschluss bis zur Rhone. Auf dem Rhein bis zum Bodensee, mit zusätzlichen Staustufen im Aargau – und einer Umfahrung des Rheinfalls. Je nach Variante mit einem kilometerlangen Schifftunnel oder mit Tunnel und Kanal, wo man die Schiffe um 47 Meter hätte anheben müssen.

Ein Hafen im Klingnauer Stausee

Die Pläne mit Tankanlagen und einem Hafen im Klingnauer Stausee und auf den Feldern daneben lösten vor über 30 Jahren eine Protestwelle und viel Widerstand aus. Das spätere generelle Projekt von 1983 sah nur noch einen Umschlagplatz auf dem Fullerfeld vor.

Auch diese Pläne verschwanden in den Schubladen. Und bei den Kraftwerken entstanden in Leibstadt und Rheinfelden Öko-Ausgleichsflächen für viele Millionen Franken. Im Weg wären den Schiffen auch viele Brücken, «so auch jene in Säckingen als längste Holzbrücke Europas», sagt Urs Egloff von der Abteilung Landschaft und Gewässer.