Kirschessigfliege

Aus Japan eingeschleppte Kirschessigfliege wütet jetzt in den Rebbergen

Die Kirschessigfliege wütet in der ganzen Deutschschweiz. (Symbolbild)

Die Kirschessigfliege wütet in der ganzen Deutschschweiz. (Symbolbild)

Im Fricktal sind die Schäden am grössten. Der Kanton erlaubt nun flächendeckend den Einsatz von Spritzmitteln. Auch das Steinobst ist betroffen, Kirschen und Zwetschgen gelten als beliebteste Brutstätten des Schädlings.

Was vor zwei Wochen befürchtet wurde, ist jetzt vielerorts im Aargau bittere Realität: Die aus Japan eingeschleppte Kirschessigfliege wütet in den Rebbergen. Ganz klein sind die Schädlinge, aber die Population hat sich heuer gigantisch vermehrt. Bei den Trauben stechen sie in die Beeren, legen ein Ei ab. In den verletzten Beeren bildet sich Essig und Fäulnis droht.

Die Rebberater des Kantons haben 73 Beerenproben auf Larven untersucht. Das Ergebnis der Zentralstelle für Weinbau am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg sieht dabei so aus: Die Drosophila Suzukii sind überall zu finden. Der im Rebbau neue Schädling wütet in der ganzen Deutschschweiz, bisher vor allem bei den frühen blauen Sorten, bei starkem Befall sogar an den Riesling-Sylvaner-Trauben. «Der Reifestand spielt eine grosse Rolle, frühe Lagen und Sorten sind stärker gefährdet», heisst es in einem Rundschreiben an die Aargauer Weinbauern.

Regional starke Unterschiede

Die nur gerade zwei bis drei Millimeter kleinen Schädlinge wüten allerdings im Aargau nicht überall gleich stark. Besonders betroffen sind das untere Fricktal, dann das obere Fricktal und das Schenkenbergertal. Bisher noch weniger heimgesucht werden die Rebberge im Surbtal, Seetal und im unteren Aaretal. «Mein Mann spritzt gerade die blauen Sorten», sagt Monika Keller vom Qualitäts-Weingut Meinrad Keller in Döttingen.

Einen starken Befall der roten Sorten gibt es im Schenkenbergertal. «Ohne Spritzmittel geht es nicht, aber wir verwenden ein biologisches Insektizid», betont Heinz Simmen, Kellermeister bei der Weinbaugenossenschaft Schinznach.

Hundert Fachleute haben das Thema diskutiert, «aber niemand weiss, wie es weitergeht», sagt der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey. Klar ist derzeit nur so viel: Befallene Beeren oder Trauben müssen bei der Ernte weg, der Ertrag wird sicher geschmälert werden.

Das Steinobst als Brutstätte

Begünstigt durch einen milden Winter hat die Kirschessigfliege ihren Feldzug bei den späten Kirschensorten begonnen. «Jetzt ist die Lage bei den Zwetschgen dramatisch, ganze Sortenblöcke müssen entsorgt werden», sagt Othmar Eicher von der Zentralstelle für Obstbau. Weil viele Kirschen an den Bäumen blieben, hätten sich die Populationen hochgeschaukelt. Chriesi und Zwetschgen gelten als die grossen Brutstätten der Suzukii-Fliegen.

Das ist wohl der Grund, weshalb Weinbau-Präsident Peter Wehrli für den eigenen Betrieb in Küttigen noch optimistisch ist: «Zum Glück gibt es keine Kirschbäume in der Nähe.» Wehrli freut sich: «Hier in Küttigen haben wir bisher keinen Fliegenbefall, in Erlinsbach und am Hallwilersee auch nicht.» Aber in Biberstein mussten die Wehrli-Rebstöcke gespritzt werden.

«Das jüngste Rundschreiben gilt als flächendeckende Sonderbewilligung für Spritzmittel», betont Peter Rey. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat zwei Stoffe und insgesamt vier Einsätze erlaubt.

Die Kirschessigfliege ist übrigens der einheimischen Essigfliege zum Verwechseln ähnlich. Diese schwirrt einem in der Küche um den Kopf, wenn ein paar Früchte oder Esswaren herumstehen. Auch private Komposthaufen sind Brutstätten für beide Arten. Darum rät der Fachmann dazu, faulige Früchte in einem schwarzen Plastiksack ein paar Tage an die Sonne zu legen. Damit werden Fliegen, Larven und Eier abgetötet oder - schöner ausgedrückt – solarisiert. Die gute Nachricht: Äpfel und Birnen hat die Kirschessigfliege bisher verschont.

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