Tegerfelden

Auftakt zum AZ-Jasskönig mit Nationalrat Thierry Burkart: «Zu viele Tipps machen nur nervös»

Die ersten zehn Finalisten für den AZ-Jasskönig 2018 stehen fest, sie wurden im Weinbaumuseum in Tegerfelden ausgejasst. Nationalrat Thierry Burkart hat es nicht unter die Besten geschafft – Spass hatte er trotzdem.

Zu Beginn jeder neuen Jassrunde, der Kenner spricht von einer Passe, ist die Atmosphäre leicht angespannt, wie damals in der Schule, wenn der Lehrer die Prüfungsbögen verteilte. Ein Herr mit weissem Dreitagebart nimmt ein kleines Sackmesser aus der Brusttasche und schneidet den Papierbändel ab, der allen Teilnehmern bei der Überprüfung der Anmeldung ans Handgelenk gemacht wurde.

«Willst du auch? Stört es dich nicht?», fragt er sein Gegenüber und schüttelt das nun befreite Handgelenk, als hätte man ihm Handschellen abgenommen. Sein Partner schüttelt den Kopf: «Sonst werde ich noch disqualifiziert.» Kurt Röllin ergreift das Mikrofon und erklärt die Regeln. «Wir spielen Schieber mit zugelostem Partner, alles zählt einfach, ohne Wiis, ohne Stöck, ohne Matchbonus», verkündet er.

Nebst sehr ambitionierten Jassern gibt es auch solche, die «nur zum Plausch» mitmachen. Einer, der sein Jasstalent mit «sehr durchschnittlich» beschreibt, ist FDP-Nationalrat Thierry Burkart. «Ich jasse gerne, aber für alle, die gewinnen wollen, hoffe ich, dass ich ihnen nicht zugelost werde», sagt er beim Apéro. Schon letztes Jahr habe er beim AZ-Jasskönig mitgemacht, in der Zwischenzeit habe er ein paar Mal mit Freunden gespielt, er komme aber nicht sehr oft dazu. Ob mit französischen oder mit deutschen Karten, das mache für ihn keinen Unterschied. «Beim Jassen bin ich bilingue, sonst leider nicht», sagt er schmunzelnd.

«Man kann ihn brauchen»

Die erste Passe läuft, 12 Mal werden die Karten ausgeteilt, je mehr Tische fertig sind, desto höher der Geräuschpegel. In der Pause werden erste Bilanzen gezogen. «980 Punkte», sagt einer und zieht an der Zigarette. «Aber wenn du ins Final kommen willst, brauchst du über 1000 Punkte pro Passe.» Er sollte Recht behalten. Unzufrieden ist er aber nicht, drei Mal ist ihm ein Match gelungen. «Wir hatten gute Gegner, die eine spielte oft Turniere. Ihre Partnerin hats versaut, sie hätten einen Match machen können, mein Mitspieler hat sie abgeklemmt. Das hätte ihr nicht passieren dürfen – aber ihre Mitspielerin ist nicht wütend geworden», erzählt der Jasser. «Abgerechnet wird am Schluss», sagt er und wirft den Stummel in den Aschenbecher.

Das trinken Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Jassen am liebsten:

Für Thierry Burkart verlief die erste Runde nicht nach Wunsch. Und in der zweiten sitzt er mit drei sehr geübten Jasserinnen und Jassern am Tisch. «Ihr spielt ja wie s'Bisiwätter», konstatiert er. «Isabelle wartet, sie ist schon ganz ungeduldig», bemerkt er mit einem schelmischen Grinsen zu seiner Gegnerin, während er überlegt, welche Karte er ausspielen soll. Sein Partner Herbert ist die Ruhe selbst, erklärt nur auf Burkarts Nachfrage, warum er diese und nicht jene Karte gespielt hat. Wie hat sich der Nationalrat geschlagen? «Man kann ihn brauchen.» Hat er ihm Tipps geben können? «Es ist besser, wenn man nicht zuviel sagt, das macht nur nervös», sagt Herbert diplomatisch.

Der olympische Gedanke

Nachdem die Spiele beendet sind, verpflegen sich die Jasser mit Kaffee und hausgemachtem Kuchen, der wie alle Köstlichkeiten an diesem Abend aus der Apéro-Chuchi Freiamt kommt. Und so nähert sich ein Abend seinem Ende, der nebst 792 Jasspartien auch abseits der Jassteppiche einiges bot: Auf der Führung durch das Weinbaumuseum Tegerfelden vor dem Turnier erfuhren die Teilnehmer, wie Weinfässer hergestellt werden und welche Arbeitsgeräte und -Methoden in früheren Epochen in der Weinherstellung zum Einsatz kamen. Und das Schwyzerörgeli-Duo Zumbrunn-Blättler sorgte beim Apéro für die richtige Stimmung.

Bleibt die Frage nach den Gewinnern. Zwischen dem ersten und dem 88. und somit letzten Platz lagen 958 Punkte. Für ein Finalticket brauchte es 3106 Punkte, bei 36 Spielen also einen Schnitt von gut 86 Punkten. Gewonnen hat Urs Pfister mit 3265 Punkten, Thierry Burkart schaffte es mit seinen 2620 Punkten nur auf Rang 77, mit dem Abend war er trotzdem zufrieden: «Ich halte mich da an den berühmten olympischen Gedanken: Dabeisein ist alles.»

Willy Haller (9. Rang), Bruno Lüscher (4. Rang), Karl Städler (6. Rang), Roman Spiess (2. Rang), Kurt Müller (5. Rang), Karl Schollenberger (8. Rang), Urs Pfister (1. Rang), Dora Wyser (7. Rang), Gerda Beeler (10. Rang), Kurt Wendel (3. Rang).

Die 10 Finalisten (von links)

Willy Haller (9. Rang), Bruno Lüscher (4. Rang), Karl Städler (6. Rang), Roman Spiess (2. Rang), Kurt Müller (5. Rang), Karl Schollenberger (8. Rang), Urs Pfister (1. Rang), Dora Wyser (7. Rang), Gerda Beeler (10. Rang), Kurt Wendel (3. Rang).

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