Bremgarten
Aufsichtspflicht bei Schulausflügen: Keine starren Vorgaben für Lehrer

Es ist eine der grossen Fragen nach der Schulausflug-Tragödie im August 2012 in Bremgarten: Wie weit geht die Verantwortung einer Lehrkraft, wenn ein Schüler im Schwimmunterricht oder auf einem Schulausflug verunfallt?

Urs Moser
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Die Armee suchte bei der Einstiegsstelle, wo der Bub nach ersten Ermittlungen ins Wasser stieg, nach dem Schüler Der Bub wurde später tot aufgefunden
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Hier an dieser Stelle in Bremgarten ging die Schulklasse ins Wasser. Es ist ein beliebter Ort zum Baden.
Auch 24 Stunden nach dem tragischen Badeunglück von Bremgarten fehlt jede Spur des vermissten Schülers
Die Polizei wurde bei der Suche von der Armee unterstützt.
Ein Armeetaucher macht sich auf die Suche nach dem vermissten Jugendlichen
Die Polizei stand mit mehreren Patrouillen im Einsatz.

Die Armee suchte bei der Einstiegsstelle, wo der Bub nach ersten Ermittlungen ins Wasser stieg, nach dem Schüler Der Bub wurde später tot aufgefunden

mzm

Praxisnaher Unterricht im Freien, dazu ein bisschen grillieren und im Wasser planschen. Es hätte ein herrlicher Tag werden können im August 2012, doch es wurde eine Tragödie: Ein Realschüler ertrank in der Reuss bei Bremgarten.

Sein Lehrer wurde zwar vom Vorwurf der verletzten Sorgfaltspflicht und fahrlässigen Tötung freigesprochen, aber das Gerichtsverfahren war abgesehen vom traumatischen Erlebnis eine enorme zusätzliche Belastung.

Die Lehrer fordern darum schon lange klare Regeln dafür, wie die Aufsicht insbesondere im Schwimmunterricht organisiert sein muss und wie weit die Verantwortung einer Lehrkraft genau geht.

Ansonsten stehe man permanent mit einem Bein im Gefängnis und traue sich nicht mehr, Schwimmunterricht zu erteilen oder einen Schulausflug zu unternehmen.

Kein Schutz vor Strafverfahren

Die Forderung nahm die SP-Grossratsfraktion in einer Motion auf. Der Regierungsrat will aber nichts davon wissen, verbindliche Richtlinien für den «Unterricht im und am Wasser» zu erlassen.

In der am Freitag veröffentlichten Stellungnahme macht er vor allem juristische Argumente geltend.

Kantonale Vorgaben könnten nicht verhindern, dass bei einem gravierenden Unfall oder im Todesfall ein Strafverfahren eröffnet wird.

Gemäss Strafprozessordnung ist die Strafverfolgungsbehörde verpflichtet ein Verfahren zu eröffnen, wenn ein ausreichender Anfangsverdacht besteht, dass Sorgfaltspflichten nicht eingehalten worden sein könnten.

Dabei kommt es auch, aber nicht nur auf allfällige Reglemente an. Auch die Oberstaatsanwaltschaft betone, so der Regierungsrat, dass mit dem Erlass kantonaler Vorschriften zum Schwimmunterricht die Situation der Lehrpersonen «unter strafrechtlichen Gesichtspunkten nicht wesentlich verbessert» werden könne.

Abgesehen vom juristischen Aspekt bezweifelt der Regierungsrat, dass starre Vorgaben zu Gruppengrössen und Anzahl Aufsichtspersonen effektiv die Sicherheit verbessert, sie könnten sogar eine Scheinsicherheit suggerieren.

Es gehöre zum Berufsauftrag der Lehrkräfte, bei besonderen schulischen Anlässen die Gefahrenpotenziale zu identifizieren und bewerten und die richtigen Vorkehrungen zu treffen.

Dabei helfen Empfehlungen, aber sie entbinden nicht von einer eigenverantwortlichen Situationsanalyse, unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter der Schüler, Zusammensetzung der Klassen oder Art eines Gewässers.