Revier-Einteilung
Aufgebrachte Aargauer Jäger machen mobil gegen neue Reviere – gibt Regierung nach?

2019 steht die Neuverpachtung der Aargauer Jagdreviere an. Statt 201 sollte es nur noch 170 Jagdreviere geben. Das sorgte für Aufruhr. Eine Petition wurde eingereicht. Nun scheinen die Wogen geglättet.

Louis Probst und Urs Moser
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Die Ankündigung der Anpassung von Reviergrenzen versetzte die Aargauer Jäger in Alarmstimmung.

Die Ankündigung der Anpassung von Reviergrenzen versetzte die Aargauer Jäger in Alarmstimmung.

AZ

2019 steht nach acht Jahren die Neuverpachtung der Aargauer Jagdreviere an. Der Kanton will das zum Anlass nehmen, die Reviergrenzen «nach jagdlichen und wildbiologischen Kriterien» anzupassen. Das gab die Verwaltung im Februar bekannt, und es sorgte für Aufruhr in Jägerkreisen. Denn statt 210 sollte es demnach nur noch 170 Jagdreviere geben – Jagdgesellschaften würden gezwungen, ihr Revier aufzugeben bzw. mit anderen Gesellschaften zu fusionieren. Für Rainer Klöti, Präsident des kantonalen Jagdschutzvereins Jagd Aargau, war klar: Eine so einschneidende und von oben herab verordnete Gebietsanpassung kann die Jägerschaft nicht akzeptieren.

Jagd Aargau

Verdiente Waidmänner

An der von den Badener Jägern organisierten und der Bläsergruppe «Goldwand» begleiteten Generalversammlung wurden vier Waidmänner zu Ehrenmitgliedern ernannt: Rolf Allemann (Zofingen), Rolf Arber (Gränichen), Dominik Kägi (Mumpf) und Josef Griffel (Baar). Geehrt wurden Walter Gassler (Klingnau), Anton Herzog (Hornussen), Guido Jetzer (Mellikon), Roger Leuenberger (Hunzenschwil) und Josef Stirnemann (Gränichen) für 25 sowie Max Buchser (Erlinsbach) und Max Walde (Klingnau) für 50 Jahre Einsatz als Jagdaufseher.

Somit zeichnete sich ab: Der Gang zur Generalversammlung von Jagd Aargau am vergangenen Sonntag würde für Regierungsrat Stephan Attiger zum Spiessrutenlauf werden. Traktandiert war eine Petition, in der vom Kanton verlangt wird, auf seinen Entscheid zurückzukommen. Und der Bezirksverein Baden wollte dazu ein Protestschreiben traktandiert haben, in dem sich die Jägerschaft irritiert zeigt «über das Vorgehen und die Art und Weise der Kommunikation der Abteilung Wald» in Attigers Baudepartement und sich darüber beschwert, dass dies «in keiner Art und Weise die bisherige, gute Zusammenarbeit mit den betroffenen Jagdgesellschaften würdigt».
«Ist grösser auch besser?», fragte Rainer Klöti an der Generalversammlung. Die Zerschlagung bewährter Strukturen würde zu einer «Vergrämung» von Dutzenden von Leuten führen, die über lange Jahre ihre jagdlichen Verpflichtungen hervorragend erfüllt und die zudem Tausende von Franken an Pachtzinsen entrichtet haben. Jagd Aargau sage daher klar Nein zur geplanten grossräumigen Arrondierung der Jagdreviere. Zudem, so Klöti, sei der Prozess ungenügend kommuniziert worden. «Jagd Aargau hat keine Vorbehalte gegenüber einer Zusammenlegung von Revieren, die im Konsens erfolgt», betonte er. «Jagd Aargau ist aber strikte gegen eine Änderung, die stur unklare Kriterien anwendet. Wir vertrauen darauf, dass im Gespräch eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann.»
Wogen geglättet
Selbstredend stellte sich die Versammlung einstimmig hinter die Petition, die unter anderem verlangt, dass «die Bestimmungen der aargauischen Jagdverordnung bezüglich der Reviergrösse von 200 Hektaren für die kommende Verpachtung unverändert zu belassen» seien. Doch die Wogen sind schon wieder geglättet. Regierungsrat Stephan Attiger erklärte nämlich vor der Versammlung der aufgebrachten Jäger, die Jagdkommission sei auf ihren Entscheid für generelle Arrondierungen zurückgekommen und die Regierung nehme die Petition zustimmend entgegen. «Ich hoffe, dass damit wesentliche Differenzen aus der Welt geschafft sind», sagte Attiger.
Das dürften sie tatsächlich sein. Wohl würden einzelne Streitfragen um Gebietsarrondierungen offen bleiben, aber das von Regierungsrat Stephan Attiger gesetzte Zeichen sei gut angekommen, sagt Jagd-Aargau-Geschäftsführer Erich Schmid. Bei diesem Zeichen geht es um Folgendes: Die kantonale Jagdkommission hatte sich letztes Jahr auf den Standpunkt gestellt, dass die in der Jagdverordnung festgelegte Mindestfläche von 200 Hektaren für ein Revier nicht als Gesamt-, sondern als «bejagbare» Fläche zu interpretieren sei. Und das hätte bedeutet, dass von den heutigen 210 Revieren nicht weniger als 23 zu klein sind und mit einem anderen Revier zusammengelegt werden müssen.
Auf diesen Entscheid sei man nun zurückgekommen und gehe wieder von 200 Hektaren Gesamtfläche aus, erläutert Alain Morier, Leiter der Abteilung Wald im Baudepartement. Und das heisst: Nur sechs Reviere erreichen die geforderte Mindestgrösse nicht. Dass der Regierungsrat auf eine zweite Forderung nicht eingehen konnte, dürfte für die Jäger verschmerzbar sein: Ihre Petition verlangt auch, dass bei Uneinigkeit über die anstehende Arrondierung der Reviergrenzen eine Mediationskommission eingesetzt werden soll.
In einem solchen Fall würde der Kanton aber ohnehin direkt auf die betroffenen Jagdgesellschaften und Gemeinden zugehen, um verträgliche Lösungen zu finden, erklärte Stephan Attiger an der Generalversammlung der Jäger. Die Anhörung zur Neuverpachtung der Reviere werde jetzt bis Ende April weiterlaufen. Anschliessend würden eine Auswertung vorgenommen und die Resultate zusammen mit einer Delegation von Jagd Aargau angeschaut. Attiger betonte: «Wir wollen gute Rahmenbedingungen, damit die Jägerinnen und Jäger ihre Aufgaben weiterhin vorbildlich erfüllen können.»

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