«Steini, wo ist der Kabelbinder?» Beim Interview mit Beizlibetreuer Thomas «Steini» Steinhauer werden wir immer wieder unterbrochen. Die Aufbauarbeiten fürs «Argovia Fäscht» sind in die heisse Phase übergegangen. Um uns herrscht geschäftiges Treiben. Steinis Zelt steht bereits, jetzt müssen die Lichter installiert werden.

Steini und sein Team Gummibärli betreiben seit 1996 ein Beizli mit Bar und Grill am «Argovia Fäscht». Seit damals, als das Geburtstagsfest seinen Namen erhalten hat. Gemeinsam mit einigen Mitgliedern einer Brugger Guggenmusik hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt – und ist seither immer wieder zurückgekehrt, ob in den Steiger, den Schachen oder aufs Birrfeld.

«Uns geht es um die Geselligkeit», sagt er. Das Schönste sei, jedes Jahr altbekannte Gesichter anzutreffen. Aber auch auf neue freut sich Steini. «Wir waren die ersten, die immer mit einer Beiz vor Ort waren. Das rote Zelt ist einfach legendär.»

Argovia Fäscht: Aufbauarbeiten auf dem Birrfeld

Argovia Fäscht: Aufbauarbeiten auf dem Birrfeld

Gute Aufbaubedingungen

Die Vorbereitungen dafür haben bereits am Samstag begonnen. Am Montag hat Steini das erste Mal Material aufs Birrfeld transportiert. «Wir sind gut in der Zeit», ist der Brugger überzeugt. Zufrieden mit dem Fortschritt der Aufbauarbeiten ist auch Marco Kugel, seit neun Jahren Marketingleiter bei Radio Argovia und Gesamtleiter des «Argovia Fäscht».

«Das gute Wetter der letzten Woche hat uns geholfen», sagt er und spricht auf die mühsamen Bedingungen des vergangenen Jahres an: Schlamm und heftige Regenfälle haben die Aufbauarbeiten immens erschwert. Die grösste Herausforderung zurzeit sei die Koordination zwischen Lieferanten, Bar- und Standbetreibern. 

Die Grobplanung – Sponsoringsuche und Reservation von Material – hat für Kugel bereits im August begonnen. Richtig durchatmen kann er aber erst «Samstagnacht, um 12 Uhr nach dem Hauptact».

Für Steini fällt der grösste Teil der Anspannung kurz vor dem Beginn des Beizlifäschts am Freitag ab. «Wenn alles fein verteilt und eingerichtet ist und die Spiessli bereitstehen.» Seine hellblauen Augen strahlen beim Gedanken ans Argovia Fäscht – obwohl er nicht immer positive Erfahrungen gesammelt hat: «Einmal hat man mir Material gestohlen, das ich für die Abbauarbeiten benötigt hätte.»

Platzchefin übernachtet auf Birrfeld

Auch Gewinn konnte er nicht jedesmal generieren: «Die Konkurrenz hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen und das Wetter hat einen enormen Einfluss auf unsere Zahlen.» Wenn aber etwas herausschaut, wird ein Teil davon gespendet, etwa an das Wohnheim für Behinderte in Hausen. «Zudem organisieren wir ein riesiges Grillfest oder machen gemeinsam einen Ausflug.» Wie 2013, als das Team an der Kirschsteinweitspuck-WM bei Düren in Köln teilgenommen hat.

Gar nicht angespannt wirkt Maya Hauri. Die Aarauerin weist als Platzchefin die restlichen Beizlibetreuer ein. Ihre Autoscooter-Anlage «Grand Prix Hauri» gehört mittlerweile – genau wie Steinis rotes Zelt – zum Fixbestand des «Argovia Fäscht» dazu. Zudem ist sie auch mit drei Confiserien und einer Bar auf dem Birrfeld zugegen.

«Mir gefällt die ganze Atmosphäre am besten, wenn so viele Leute auf einmal auf den Platz strömen», sagt sie. Hauri, die auch am Maienzug oder anderen Jugendfesten der Region teilnimmt, ist am «Argovia Fäscht» richtig engagiert: Sie schläft sogar mit einem Wohnwagen hinter ihren Autoscootern.

Heiratsantrag im Autoscooter

Das schönste Erlebnis war für sie im Jahr 2012. «Ein junger Mann hat mich angefragt, ob er im Autoscooter einen Heiratsantrag machen dürfe.» Hauri liess daraufhin die anderen Gäste aus den «Putschiautos» unter dem Vorwand, etwas kontrollieren zu müssen, aussteigen. «Dann hat sich der zukünftige Bräutigam das Mikrofon geschnappt und vor versammelter Menge um ihre Hand angehalten.»

Und für Marco Kugel? «Der Auftritt von Gotthard war für mich sehr eindrücklich. Es war eines der letzten Konzerte, bevor Sänger Steve Lee im Oktober 2010 tödlich verunglückte.»

Steinis liebste Anekdote hingegen stammt aus der Zeit, als das Argovia Fäscht noch im Schachen in Brugg stattfand: «Ich musste den Metzger immer wieder aus dem Bett klingeln, weil uns das Fleisch ausgegangen ist.» Man habe schliesslich im Voraus auch nicht zu viel bestellen wollen. «Beim vierten Anruf hatte er genug und sagte: «Jetzt komm ich auch ans Argovia Fäscht!»