Durch unverschlossene Haus-, Keller- oder Garagentüren schlich der 31-Jährige nachts in die Häuser. Während die Bewohner schliefen, suchte er in den Wohnungen nach Bargeld und anderen verwertbaren Gegenständen. In jener Dezembernacht im Jahr 2014 soll der Schweizer, so warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, in je zwei Einfamilienhäuser in Oftringen und Rothrist eingebrochen sein. Ausserdem soll der Beschuldigte bei einem der Einbrüche ein Auto gestohlen haben. Mit diesem habe er später versucht vor der Polizei zu fliehen. Das Fluchtauto soll er dann auf einer Waldstrasse angezündet haben.

Er zog zuerst die Schuhe aus

Der Beschuldigte gab vor dem Bezirksgericht an, dass nur die beiden Einbrüche in Rothrist auf sein Konto gingen. Alle anderen Taten wies er von sich. Er sei mit dem Taxi von Zürich nach Rothrist gefahren. Unterwegs habe er viel Alkohol getrunken. In Rothrist angekommen, habe er sogleich bei zehn bis fünfzehn Einfamilienhäusern nach unverschlossenen Türen gesucht. Bevor er die Gebäude betrat, habe er die Schuhe ausgezogen. Um nicht zu viel Lärm zu verursachen, wie er erklärte. Ging beim ersten Einbruch an diesem Abend noch alles glatt, wurde er beim zweiten Versuch von den Hausbewohnern ertappt. Er sei davongerannt – wohlgemerkt ohne Schuhe. Andere Quartierbewohner wurden auf den Mann aufmerksam und verfolgten ihn. Er versteckte sich zwischen Mehrfamilienhäusern und wartete, dass seine Verfolger aufgaben. Bevor er seine Flucht fortsetzte, bediente er sich in einem Schuhschrank vor einem Haus - er klaut ein Paar Adiletten. Einige Stunden später – er sei zwischenzeitlich in einem Versteck auf einer Baustelle eingeschlafen – wurde er von der Polizei verhaftet.

Er sitzt in geschlossener Einrichtung

Die Einbrüche in Rothrist verübte der Beschuldigte, während er sich in einer gerichtlich angeordneten therapeutischen Massnahme befand. Am Tatabend hatte er Urlaub. Seit zehn Jahren ist der Schweizer den Behörden bekannt. Gerichte von Weinfelden bis Baden hatten sich mit dem aus dem Kanton Zürich stammenden Mann bereits zu befassen. Die Liste seiner Vorstrafen ist lang. Dabei handelt es sich meist um die gleichen Delikte: Einschleichdiebstähle oder Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Zuletzt hatte er sich im Januar 2014 vor dem Bezirksgericht Baden zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihm damals unter anderem 111 Einschleichdiebstähle zur Last. Mittlerweile wurde die therapeutische Massnahme aufgehoben, zu Gunsten einer sogenannten kleinen Verwahrung (siehe Box).

Der Mann sitzt derzeit in einer geschlossenen Einrichtung. Für ihn eine belastende Situation, wie er vor Gericht erklärte. «Ich bin seit bald sechs Jahren inhaftiert und es ist kein Ende in Sicht», sagte er. Die Perspektivenlosigkeit und die Ungewissheit, wie lange er noch eingesperrt bleibe, nage an ihm. «Ich bin ein guter Mensch. Aber ich habe viele Fehler gemacht», gestand er ein. «Ich möchte endlich eine Chance erhalten, das alles wiedergutzumachen.» Derzeit ist eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht hängig, die über seine bedingte Entlassung aus dem Massnahmenvollzug entscheidet.

Das Bezirksgericht Zofingen bekannte den Mann für die beiden Einschleichdiebstähle, die er zugegeben hatte, für schuldig. Von den anderen Anklagepunkten, unter anderem dem Diebstahl des Personenwagens, sprach ihn das Gericht mangels Beweisen frei. Der Schweizer wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.