Corona-Alltag im Aargau

Auf der Baustelle ist Abstandhalten nicht immer möglich: «Positiv ist, dass wir überhaupt arbeiten können»

In Umiken ist Beat Portmann seit dem 23. März am Bauen.

In Umiken ist Beat Portmann seit dem 23. März am Bauen.

Polier Beat Portmann baut mit seinem Team in Umiken hinter dem ehemaligen Restaurant Löwen ein Mehrfamilienhaus. Den nötigen Abstand können die Bauarbeiter nicht immer einhalten.

Das Ziel war, bis an Ostern eine Bodenplatte erstellt zu haben. Nun sind sogar schon beide fertig. Auch Wände sind bereits geschalt. Polier Beat Portmann ist sehr zufrieden mit dem Baufortschritt des Mehrfamilienhauses, das in Umiken mit über einem Dutzend Wohnungen zwischen Bahndamm und leer stehendem Restaurant Löwen bis Ende August entstehen wird.

Als am 20. März der Kran an der Baslerstrasse gestellt wurde, war die Schweiz schon im Lockdown-Modus. Angehörige von Risikogruppen dürfen seither nicht mehr arbeiten. In Portmanns Team ist ein Diabetiker von dieser Massnahme betroffen. Das heisst: Das Team der Schmid Bauunternehmung AG, Zweigniederlassung Wiggertal, ist zu fünft anstatt zu sechst auf der Baustelle in Umiken. Zusätzlich sind noch fünf Eisenleger-Akkordanten vor Ort.

«Positiv für uns ist, dass wir überhaupt arbeiten dürfen. Wenn die Baubranche ruhen müsste, würde der wirtschaftliche Schaden um ein Vielfaches grösser, als er eh schon ausfallen wird», sagt Beat Portmann. Dem 42-Jährigen ist es wichtig, dass die Stimmung auf der Baustelle gut ist und die Männer auch Spass bei der Arbeit haben: «Dazu gehört der eine oder andere Spruch, momentan natürlich besonders häufig über das Hauptthema Corona.»

Die Bausitzungen finden jeweils im ehemaligen Restaurant Löwen statt. Mit der Bauleitung konnte Portmann vereinbaren, dass die Arbeiter die Toiletten im «Löwen» benützen dürfen. «Dort haben wir neben fliessendem Wasser genügend Seife sowie Desinfektionsmittel und Papier-Handtücher, was alle sehr schätzen.» Schutzmasken sind ebenfalls vorhanden. Diese werden derzeit nur bei staubintensiven Arbeiten und nicht als Schutz vor dem Coronavirus getragen. Ab und zu muss Beat Portmann die Arbeiter ermahnen, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Der Profi weiss aber auch, dass dies beispielsweise beim Eisenverlegen gar nicht immer möglich ist.

Portugiesen können über Ostern nicht nach Hause

Nächste Woche hat der Vater von zwei Töchtern Ferien. Auf dem Programm stand unter anderem ein Ausflug mit Kollegen nach Erding in Bayern mit Brauereibesuch. Wegen der Coronakrise wird daraus nichts. «Das ist nicht so schlimm. Dann gehen wir halt im Sommer oder nächstes Jahr», sagt Beat Portmann. Auch die portugiesischen Bauarbeiter müssen ihre eingegebenen Ferien beziehen, obwohl sie momentan nicht nach Portugal reisen können. «Wir können die Ferien nicht aufschieben. Sonst sind wir von Juni bis August zu wenig Leute und kommen mit der Arbeit in Verzug», hält der Polier fest. So werde etwa die Arbeit am Treppenhaus mit Sichtbeton besonders anspruchsvoll. Beat Portmann hofft bei allen Beteiligten auf Verständnis zu stossen, sollte es aufgrund der Coronakrise Terminverschiebungen geben. Zu Lieferengpässen kann es überall kommen. Auf der Baustelle war zu Beginn nur das WC-Papier etwas knapp.

Mit seiner Familie lebt Beat Portmann im luzernischen Ohmstal. Da seine Ehefrau in einem Treuhandbüro vor Ort arbeitet, müssen sich die beiden Kinder (7 und 13 Jahre alt) manchmal selber beschäftigen. «Das machen sie sehr gut», sagt der Familienvater, der schon vor der Coronakrise Wert darauf gelegt hat, dass alle an zwei Abenden pro Woche für ein Gesellschaftsspiel zusammenkommen oder draussen Federball spielen.

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