Kontingente
Auf dem Bau und in der Gesundheit fürchtet man um seine Grenzgänger

Vertreter von Gesundheitswesen und Bauunternehmern befürchten Personalmangel, wenn die Grenzgänger kontingentiert werden. Bei den Bürgern aus der EU, welche im Kanton arbeiten, weiss man noch nicht einmal um wie viele es sich handelt.

Fabian Hägler
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Zur Arbeit täglich ins Ausland: Der Anteil der Grenzgänger unter Schweizer Arbeitnehmern ist gestiegen (Symbolbild)

Zur Arbeit täglich ins Ausland: Der Anteil der Grenzgänger unter Schweizer Arbeitnehmern ist gestiegen (Symbolbild)

Keystone

Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative müssen nicht nur Kontingente für Arbeitnehmer aus dem EU-Raum eingeführt werden, die in der Schweiz wohnen. Zum ersten Mal sollen auch die Grenzgänger kontingentiert werden.

Im Aargau ist diese Gruppe – also jene Arbeitnehmer, die im Ausland wohnen, aber im Kanton arbeiten – in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Die aktuellsten Zahlen aus dem dritten Quartal 2013 zeigen: Im Aargau waren im letzten Jahr 12 757 Grenzgänger registriert. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2007, direkt vor der Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU, ist dies eine klare Zunahme. Damals gab es im Aargau erst 9483 Grenzgänger.

Wie viele es künftig sein werden, ist heute völlig offen. Auch das kantonale Amt für Migration und Integration (Mika) hängt in der Luft.

«Für die konkrete Umsetzung der Initiative wird auch von Bedeutung sein wird, welche Regelung für die Grenzgänger getroffen wird», hält Samuel Helbling, Leiter Kommunikation im Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI), dazu fest.

Verbände kennen Bedarf nicht

Grenzgänger sind für einige Branchen im Aargau wichtig, besonders viele arbeiten im Gesundheitswesen (1119) und auf dem Bau (1247).

Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative machen sich beim Verband der Aargauer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (Vaka) Sorgen über einen drohenden Arbeitskräftemangel breit.

«Viele Firmen beschäftigen Ausländerinnen und Ausländer, weil sie auf dem Schweizer Arbeitsmarkt kein entsprechendes Personal finden können», sagt Vaka-Geschäftsführer Beat Huwiler.

Für Huwiler ist klar: «Der Kanton Aargau braucht eine vernünftige Lösung für Vaka-Mitglieder, weil sie dringend auf ausländisches Fachpersonal angewiesen sind.» Wie hoch dieser Bedarf ist, kann Huwiler aber nicht beziffern.

Ähnlich tönt es beim Aargauer Baumeisterverband: «Wir beobachten die Umsetzung der Initiative interessiert und verlangen eine verkraftbare Lösung», sagt Geschäftsführer Pascal Johner.

Schätzungen, wie hoch die Kontingente für Aargauer Bauunternehmer liegen könnten, gebe es bisher nicht. Klar ist: Der Verband ist gegen eine Versteigerung der Kontingente. «Die Bewilligungen sind nach wirtschaftlichen Anhaltspunkten zu verteilen, nicht nach den fleissigsten Branchen-Lobbyisten», sagt Johner.

Zahl der EU-Arbeiter unbekannt

Angaben, wie viele EU-Bürger bei ihren Mitgliedsfirmen angestellt sind, können weder Huwiler noch Johner liefern.

Auch eine Nachfrage beim Kanton bringt keine Klarheit: «Es wird bei uns nirgends statistisch erfasst, welche Arbeitnehmenden aus dem EU-Raum im Aargau beschäftigt sind, da diese Personen den Arbeitgeber nicht bekannt geben müssen und ihn ohne Bewilligung wechseln können», sagt DVI-Sprecher Helbling.

Wie viele EU-Bürger im Aargau tätig waren, lässt sich teilweise für die letzte Kontingentsperiode vor dem Start zur Personenfreizügigkeit am 1. Juli 2007 angeben.

Laut einer Mika-Statistik wurden damals insgesamt 2894 Bewilligungen für Daueraufenthalter aus der EU erteilt. 200 arbeiteten im Gesundheitswesen, 332 im Baugewerbe. Zählt man die Grenzgänger dazu, kommt man auf 953 EU-Bürger im Gesundheitsbereich und 1236 in der Baubranche.

Keine Angaben gibt es hingegen für die Kurzaufenthalter. «Die Kontingente wurden damals gesamtschweizerisch jeweils quartalsweise vom Bund freigegeben», sagt Helbling.

Es habe keine Verteilung auf die einzelnen Kantone stattgefunden. «Wir haben keine Statistiken, die aufzeigen, wie viele Bewilligungen für welchen Kanton und für welche Branchen abgebucht wurden.»