Der Aargau ist ein sehr wald- und wildreicher Kanton. Viele Wildkorridore queren seine Strassen. Ein hohes Risiko für Verkehrsteilnehmer und Wildtiere. Um dieses zu senken, werden seit Jahren verschiedene Massnahmen getestet.

So nahm der Aargau an einem Präventionsprojekt für weniger Wildunfälle teil. In 43 Jagdrevieren wurden 2010/12 an heiklen Strassenabschnitten 900 akustische Warngeräte montiert. Bis 2012 verbesserte sich die Situation an den meisten dieser Abschnitte.

Im Rückblick beurteilt man die Wirkung dieser und anderer Vergrämungsmassnahmen wie Verblendungen am Strassenrand mit CD allerdings deutlich zurückhaltender.

Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzverbandes: «Solche Massnahmen bringen kurz- und mittelfristig etwas, längerfristig zeigt sich keine signifikante Verbesserung. Es braucht andere Massnahmen.» Die Tiere gewöhnen sich nämlich an Veränderungen in der Landschaft.

Die eben publizierte Fallwildstatistik 2013 scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Im Jahr vor dem Start des Präventionsprojekts starben bei solchen Kollisionen 1220 Rehe, 2010/11 sank diese Zahl auf jeweils knapp unter 1000. Doch seither steigt sie wieder an. Letztes Jahr kamen auf den Strassen 1290 Rehe um.

Hoher Rehbestand trotz Jagd

Ganz nutzlos waren die Massnahmen nicht. Vor 30 Jahren wurden nämlich bis 1800 Rehe jährlich überfahren – und das bei deutlich geringerem Verkehr. Auch wurden damals ähnlich viele Rehe geschossen wie heute.

Genützt haben seither laut Klöti insbesondere gezielte Abschüsse entlang der Strassen. Zu den neusten Fallwildzahlen haben die Jäger Hinweise, «dass sich das Fallwild neu auch wegen vermehrter Hunderisse erhöht hat». Diesen Hinweisen werde man nachgehen, so Klöti.

Der Fachspezialist Jagd im kantonalen Baudepartement, Erwin Osterwalder, verweist zusätzlich auf den trotz Jagd hohen Rehbestand. Der Aargau biete ihnen sehr gute Lebensräume, auch nehme der Verkehr weiter zu.

Was könnte man also noch tun, um die Unfallzahlen zu senken? Massive Zäune wie entlang der Autobahnen kommen für Osterwalder nicht infrage. Das wäre unverhältnismässig. Zudem würde man so die Wildkorridore durchtrennen.

Durchschlagender Erfolg

Sehr wirksam sind hingegen elektronische Warntafeln für die Automobilisten, welche die zulässige Geschwindigkeit massiv senken, wenn Wild in der Nähe ist. Wildtiere ab Hasengrösse werden unmittelbar neben der Strasse mit Sensoren erfasst. Sofort blinkt das dreieckige Signal «Achtung Wildübergang».

Eine erste solche Anlage, die mehrere zehntausend Franken kostet, wurde erstmals zwischen Vordemwald und St. Urban installiert. Allein dort ereigneten sich jährlich 60 bis 70 Wildunfälle. Der Erfolg war durchschlagend. 2012 gab es noch einen einzigen Unfall, 2013 war laut Osterwalder ebenso erfolgreich.

Inzwischen gibt es auch eine solche Anlage im Fricktal, eine kommt zwischen Wohlen und Bremgarten dazu. Derzeit wird laut Osterwalder eine weitere Anlage in Seon evaluiert, einer weiteren Strecke mit vielen Wildunfällen. Bezahlt werden solche Anlagen aus dem Strassenfonds.

Wie Osterwalder setzt auch Klöti auf örtlich gezielte Massnahmen und nicht auf eine massive elektronische Aufrüstung. Er fordert, die Tiere vermehrt mit Wildübergängen und -brücken so zu lenken, dass sie weniger über die Strassen rennen. Klöti: «Das sind wir der Natur schuldig.»