Ein Abenteuer nannte Projektleiter Fredi Siegrist die Integrationsvorlehre, als er öffentlich nach Aargauer Landwirten als Lehrmeister suchte. Kurz vor Weihnachten startete der Bauernverband den Aufruf.

Nun, einen Monat später, kann Siegrist bereits eine erste Erfolgsmeldung verkünden: «Das Ziel von 20 Betrieben ist erreicht.» Er habe nicht damit gerechnet, dass es so einfach werden würde, räumt er ein. «Das Echo ist sehr erfreulich.» Vom Gemüsebauern bis zum Schweinemäster – sie alle meldeten sich, um ab dem kommenden Schuljahr Flüchtlinge auszubilden.

Suche nach Lehrlingen läuft

Mit dem Pilotprojekt will der Bund anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern. Am Ende der einjährigen Integrationsvorlehre sollen die Teilnehmer so weit sein, dass sie eine reguläre Lehre beginnen können. Die Landwirtschaft ist neben den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Gastronomie sowie Logistik eine der beteiligten Branchen, denen es an Fachkräften mangelt.

Pro Jahr sollen im Aargau rund 70 Personen eine Vorlehre absolvieren können. Derzeit sucht der Kanton nach geeigneten Kandidaten. Ob und wie viele Flüchtlinge die Landwirtschaft für ihre Ausbildung wählen, ist auch für Fredi Siegrist eine Wundertüte. Damit eine Klasse zustande kommt, braucht es mindestens zwölf Teilnehmer.

Um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn

Zwei Tage sollen die Flüchtlinge im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, drei Tage auf dem Bauernhof ausgebildet werden. Ihr Monatslohn darf maximal 360 Franken betragen. Doch wie wird sichergestellt, dass die Lehrlinge nicht als Billigarbeiter ausgenutzt werden? Kontrolliert würden die Betriebe durch das kantonale Berufsinspektorat, sagt Siegrist.

Dass der Kanton zuständig sei, bedeute aber nicht, dass nicht auch die Vertreter des Bauernverbands und der Liebegg das Projekt begleiten würden. «Und», fügt Siegrist an, «die meisten Betriebe, die sich beteiligen möchten, kenne ich persönlich.»

Von 7 bis 16.30 Uhr dauern die Arbeitstage auf den Bauernhöfen während der Integrationsvorlehre, danach kehren die Teilnehmer an ihren Wohnort zurück. Um den Arbeitsweg möglichst kurz zu halten, wären die Verantwortlichen beim Bauernverband froh um eine möglichst breite Verteilung der Betriebe über das gesamte Kantonsgebiet.

Besonders viele Bauern hätten sich aus dem Freiamt gemeldet, sagt Siegrist. Noch kaum vertreten seien hingegen das Fricktal und die Region Zofingen. «Über Angebote aus diesen Gegenden würden wir uns freuen.»