Rupperswil
Auenschutzpark: Das 10-Millionen-Projekt bei Rupperswil ist fertig

Der Auenschutzpark Aargau bei Rupperswil ist fertig. Das 10 Millionen Franken teure Umgehungsgewässer wurde eingeweiht – mit einer Vezögerung von zwei Jahren.

Hans Lüthi
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Im November 2009 wird mit dem Bau der dynamischen Flussaue begonnen
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Zwei Fussgängerstege werden gebaut
Die neue Flussaue zwischen Auenstein und Rupperswil
Schwere Bagger öffnen das neue Seitengewässer der alten Aare
Die untere Hälfte des neuen Seitengewässers ist über einen zweiten Einlass von der Aare her geflutet worden
Im November 2011 wird das neue Aare-Seitengewässer geflutet
So sieht die Auenlandschaft zwischen Auenstein und Rupperswil heute aus

Im November 2009 wird mit dem Bau der dynamischen Flussaue begonnen

AZ

Eine kleine Verspätung gibt es schon, aber das ist bedeutungslos, dem Volkswillen wird entsprochen. Vor 20 Jahren waren die enormen Probleme für die Realisierung des Auenschutzparks Aargau nicht absehbar.

Schon am 6. Juni 1993 hat das Stimmvolk mit grosser Mehrheit beschlossen, mindestens ein Prozent der Kantonsfläche als Auenlandschaften zu erhalten oder in solche zurückzuverwandeln.

Mit der Einweihung der dynamischen Flussaue in Rupperswil kommt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) diesem Ziel einen grossen Sprung näher. «Damit erreichen wir 0,94 Prozent von den geplanten 1600 Hektaren», sagt Auenpark-Projektleiter Bruno Schelbert von der Abteilung Landschaft und Gewässer.

Bau von neuen Nebenflüssen

Streng genommen besteht das Auenprojekt Rupperswil aus zwei Teilen, die sich auf mehr als zwei Kilometer erstrecken. Der erste neue Fluss – im Fachjargon Umgehungsgewässer – führt rechts der Aare am Kraftwerk Rupperswil-Auenstein vorbei und ist bereits im August 2006 geflutet worden.

Dieser bis zu 20 Meter breite Seitenarm überwindet auf 660 Meter Länge eine Höhendifferenz von neun Metern und ist schon stark zugewachsen. Noch im Baustellenkleid präsentiert sich der 1,5 Kilometer lange zweite und noch grössere Seitenfluss.

Von der Strassenbrücke aus sticht der riesige Flussteiler aus Kies ins Auge, der laut Fachleuten auch von Hochwasser nicht zerstört werden kann. Gestützt auf die neue Gefahrenkarte, «haben wir das Bauwerk auf 1700 Kubikmeter Hochwasser je Sekunde ausgelegt», betont Schelbert.

Das sind 300 Kubikmeter mehr als beim verheerenden August-Hochwasser von 2007. Der Flussteiler basiert nicht auf Kies, sondern auf massiven Steinblöcken und aus schweren Baumstämmen, die mit Drahtseilen verankert sind.

10 Millionen Franken Baukosten

Die Kubaturen und das Geld verraten die wirkliche Grössenordnung beim Herzstück des Auenschutzparks Aargau: 220000 Kubikmeter Kies mussten für die neue Flussaue ausgebaggert werden. «Fast die Hälfte konnten wir als guten Betonkies verwenden», erklärt der Projektleiter.

Im zweiten Teil hatte es zu viele Holzreste für eine Wiederverwertung, aber die Chapfgrueb in Rupperswil konnte damit aufgefüllt werden. Im Kredit von 16 Millionen Franken für das ganze Auenprogramm 2004 bis 2009 gehen zehn Millionen Franken auf das Konto des mit zwei Jahren Verzögerung fertiggestellten Teils.

Auf zwei Dinge ist Bruno Schelbert stolz: Der Auenpark liess sich bisher ohne eine einzige Enteignung realisieren und die Kosten sind im Budget. Obwohl 47 Prozent die Entschädigungen für Brücken, Strassen, Parkplätze, Feuerstellen und Erholungsprojekte verschlingen. «Das ist unheimlich viel», findet der Projektleiter – aber bei Rupperswil musste auch ein Fussballplatz dem Fluss weichen, mit dem Ersatz andernorts.

Eisvogel, Äschen und Auenwald

Die Menschen will man nicht aus der neuen Naturwelt ausschliessen, für sie gibt es Wege, Hängebrücken und schön gestaltete Infotafeln (siehe Kasten). Aber primär geht es um die Aufwertung der Flusslandschaft für Flora und Fauna.

«Der Eisvogel hat schon während der Bauzeit nur einen Meter neben der Lastwagenpiste gebrütet», erklärt Schelbert. Biber dürften auch ab und zu kommen, aber für sie ist die Flussaue nicht optimal, weil sie zum Nest einen Unterwasser-Zugang brauchen.

Dafür ist hier «der beste Laichplatz der Schweiz für die Äschen entstanden». Und der Auenwald mit vielen Föhren auf den trockenen Kiesbänken wird zum Reservat: Der Verzicht auf jede Nutzung ist für 50 Jahre vertraglich gesichert. Dank der dynamischen Flussaue kann die Aare verstärkt ausufern, aber für den Hochwasserschutz ist das kaum von Bedeutung.

Aargau ist Pionier

Zeitlich reicht es nicht mehr, den ganzen Auenpark Aargau bis 2014 in Arbeit oder fertig zu haben. Doch daran wird sich kaum jemand gross stören. «Den Verfassungsauftrag können wir erfüllen», versichert Schelbert zum Mindestziel von einem Prozent der Kantonsfläche.

Mit den schon aufgegleisten Projekten sind es am Schluss genau 1,014 Prozent, wobei man noch über die qualitative Definition streiten könnte. Aber statt einer kleinkrämerischen Detailkritik ist jetzt Grund zum Feiern: Als einziger Kanton baut der Aargau einen derartigen Auenschutzpark und nimmt seine Verantwortung als Wasserschloss der Schweiz damit wahr.