Polizei-Debatte im Aargau
Auch wegen Vierfachmord Rupperswil: «Die Situation ist sehr angespannt»

Nur der Kanton Thurgau hat im Verhältnis zur Bevölkerung weniger Polizisten als der Kanton Aargau. Kann man den Polizisten-Bestand trotzdem noch weiter senken? Darüber diskutierten im «Talk Täglich» Polizeidirektor Urs Hofmann und die beiden Grossräte Daniel Hölzle (Grünen) und Roland Vogt (SVP).

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Die Motion von Daniel Hölzle scheiterte am Dienstag im Grossen Rat klar. Der Politiker der Grünen hatte gefordert, die Bestimmung im Polizeigesetz zu streichen, die mindestens 1 Polizist pro 700 Einwohner verlangt.

Es sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass die Bürgerlichen die Motion ablehnen würden. «Es ging mir darum, die Folgen des Sparens aufzuzeigen», sagte Hölzle im Talk Täglich auf Tele M1. «Sparmassnahmen sind keine Selbstläufer, es geht dabei immer ums Eingemachte.»

Trotz Spardruck: Für die beiden weiteren Gäste der Talkrunde kommt eine Reduzierung der Anzahl Polizisten nicht in Frage. Sowohl Polizeidirektor Urs Hofmann wie auch SVP-Grossrat Roland Vogt betonten, dass ein Polizist pro 700 Einwohner unerlässlich sei. «Die Polizei braucht einen gewissen Bestand, um seine Aufgaben erfüllen zu können», sagt Vogt, der selber als Polizist arbeitet; bei der Stadtpolizei Zürich.

Polizeibestand im Kantonsvergleich: Im Aargau gibt es pro 694 Einwohner einen Polizisten.

Polizeibestand im Kantonsvergleich: Im Aargau gibt es pro 694 Einwohner einen Polizisten.

Tele M1

Im Vergleich mit dem Kanton Aargau hat der Kanton Zürich fast doppelt so viele Polizisten. Auf 366 Einwohner kommt einer. Schlusslicht im Kantonsranking ist der Kanton Thurgau.

Würde man die Mindestvorgabe aus dem Polizeigesetz streichen, würde der Aargau die Position bald übernehmen, ist Hofmann überzeugt. Wie früher, als der Mindestbestand noch nicht definiert war. «Hätten wir diese Vorgabe nicht, wären wir schlechter dran als der Kanton Thurgau.»

Bagatellfälle müssen zurückstehen

Besonders grosse Fälle wie der Vierfachmord in Rupperswil würden eine gewisse Zahl Polizisten vorraussetzen. «Gerade solche Ereignisse treffen unsere kleine Polizei unproportional mehr als beispielsweise den Kanton Zürich», sagte der Polizeidirektor.

Noch immer sind 30 bis 40 Polizisten mit dem Fall beschäftigt. «Es würde niemand verstehen, wenn man in diesem Fall nicht alles Menschenmögliche versuchen würde und allen Spuren nachginge.» In solchen Zeiten müssten die Aufklärungen von Bagatelldelikte zurückstehen.

Um 141 Polizisten ist die Kantonspolizei Aargau in den vergangenen sechs Jahren gewachsen.

Um 141 Polizisten ist die Kantonspolizei Aargau in den vergangenen sechs Jahren gewachsen.

Tele M1

Wenn nicht beim Bestand, wo könnte man bei der Polizei sonst sparen? SVP-Grossrat Vogt sieht Spielraum bei der Weiterbildung oder Material. Zum Beispiel nur alle zwei Jahre statt jährlich Wiederholungskurse für Polizisten durchzuführen. «Klar, auch das ist ein Leistungsabbau. Aber Massnahmen, die man durchziehen muss, wenn man sparen muss.»

Weiter stört sich Vogt am Verwaltungsapparat, der Jahr für Jahr wachse. Man müsse aufpassen, dass man im Hintergrund nicht eine Verwaltung aufbaue, die nur dazu da sei, um die Leistung des Polizisten zu überprüfen. «Das braucht es nicht, der Polizist muss frei arbeiten können.»

Von einem aufgeblähten Verwaltungsapparat will Polizeidirektor Urs Hofmann nichts wissen: «Der Kanton Aargau hat die schlankste Polizei, gerade in diesem Bereich.» Und ergänzt: «Wir kommen nur mit dem absoluten Minimum aus, weil jeder sich am Riemen reisst.» (fvo)