Es geht weiter mit den Protesten gegen das Bildungssparen. Im Visier diesmal: das Freifach Italienisch, das heute in der 3. und 4. Klasse der Bezirksschule mit je 3 Lektionen pro Woche angeboten wird. Die Regierung will das Angebot halbieren und Italienisch in der 3. Bez streichen.

Verstoss gegen Sprachfrieden

«Mit grossem Bedauern hat die Regierung des Kantons Graubünden zur Kenntnis genommen, dass im Aargau das Angebot im Fach Italienisch an der Oberstufe reduziert werden soll.» So beginnt ein von Regierungspräsident Hansjörg Trachsel unterzeichneter Brief der Bündner an die Aargauer Regierung. Im dreisprachigen Kanton Graubünden sprechen rund 10 Prozent der Bevölkerung Italienisch. Die vorgesehene Streichung bei der dritten Landessprache, so die Bündner, widerspreche den Zielen des Bundesgesetzes «über die Landessprachen und die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften». Der Brief mündet in der eindringlichen Bitte, die Aargauer möchten auf diese vorgesehene Streichung verzichten.

Auch aus dem Tessin erhielt der «hochgeehrte Regierungsrat des Kantons Aargau» einen Brief. Geschrieben hat ihn Diego Erba, Koordinator des «Forum per l’Italiano in Svizzera», einer Vereinigung von Behördenvertretern sowie Kultur- und Sprachorganisationen. Das Forum zeigt sich überzeugt, dass die Reduktion der Italienisch-Stunden «die Kenntnisse in der dritten Landessprache und der italienischen Kultur massiv verschlechtern, zum Schaden der betroffenen Schülerinnen und Schülern».

Auch Zeitungen reagieren

Verschiedene Tessiner Zeitungen – «La Regione», «Corriere del Ticino», «Giornale del Popolo» – haben das Thema aufgegriffen. Mit Genugtuung stellen sie fest, dass sich im Aargau der Widerstand gegen die Abbaupläne formiert hat.

«Eine Kürzung bedeutet, der Oberflächlichkeit Tür und Tor zu öffnen.»

Italienisch-Lehrer Hans-Paul Müller:

«Eine Kürzung bedeutet, der Oberflächlichkeit Tür und Tor zu öffnen.»

Der Widerstand – das ist vor allem eine Petition, welche die Fachschaft Italienisch des Bezirkslehrervereins lanciert hat. Nach Auskunft von Hans-Paul Müller, Italienischlehrer an der Bez Aarau, wurde diese Petition bereits von mehr als 2000 Personen unterschrieben. «Eine Kürzung bedeutet, der Oberflächlichkeit Tür und Tor zu öffnen», ist Müller überzeugt. Müller hat mit der Scuola Media von Riva San Vitale einen regen Kontakt aufgebaut und gegenseitige Besuche organisiert. «Für mich ist das gelebte Vielsprachigkeit der Schweiz – aber nur, wenn junge Menschen mehr als nur ein paar Brocken Italienisch können.»

An der Bez Aarau belegen jährlich 40 bis 50 Jugendliche Italienisch. Kantonsweit gibt es an der Oberstufe derzeit 36 Italienisch-Klassen.