Gebratener Truthahn, Fondue Chinoise oder Rehrücken - was sich die Schweizer über die Festtage zu Gemüte führen, stammt meist vom Tier. Nicht so bei den veganen Mitmenschen. Sie achten darauf, dass weder in ihrem Essen, noch in ihren Kleidern oder Hygieneartikeln tierische - respektive tierliche, wie die Veganer es bezeichnen - Produkte enthalten sind. Die Möglichkeiten dazu sind in den letzten Jahren gestiegen - und dennoch werden Veganer nach wie vor oft als Exoten belächelt, die sich das Leben anscheinend sinnlos schwer machen.

Dem Zofinger Claudio Furrer ist dies indes egal. Seit drei Jahren verzichtet er soweit es geht auf tierliche Produkte. «Zu 100 Prozent ist dies in unserer Gesellschaft leider nicht möglich», erklärt er in Anbetracht des Umstandes, dass heutzutage selbst Kleider, Weine oder Tees mit animalischen Zusätzen angereichert oder für die Produkte Tierversuche durchgeführt werden. Wer dagegen ankämpfen will, muss also rigoros die Augen offen halten. Und dennoch ist der 34-Jährige von seiner Lebensweise überzeugt, denn «man kann genauso viel, wenn nicht sogar mehr Spass haben, wenn man nach seiner persönlichen Überzeugung lebt.»

Die Freude am Essen nicht verloren

Bevor Furrer Veganer wurde, ernährte er sich zehn Jahre lang vegetarisch. «Es kann doch nicht sein, dass jemand zuerst getötet werden muss, bevor ich etwas auf dem Teller habe», so seine Gedanken. Doch merkte er, dass er damit nach wie vor viel Leid an den Tieren verursachte, sodass er konsequenterweise nochmals umstellte. «Der Schritt zum Veganer hat mehr Umstellung erfordert als der Schritt zum Vegetarier», blickt der zweifache Vater zurück. Denn ob Eierteigwaren, Kuhmilchjoghurt oder Kartoffelstock - all dies landete ab sofort nicht mehr auf seinem Tisch. Doch die Freude am Essen ging dabei keineswegs verloren. «Im Gegenteil, Convenience Food wurde mir zum Gräuel und ich bekam richtig Lust am Kochen», lacht Furrer.

Die Zutaten dazu sind nicht mehr schwer aufzutreiben, die Grossverteiler haben aufgerüstet und Bioshops wie das Zofinger portanatura bieten ein breites Sortiment an veganen Speisen an. Zudem sind vegane Kochrezepte - auch für Festtagsmenus - online in grosser Menge erhältlich (siehe Box).

Einsatz auch für den fairen Handel

«Wie kann ich zu Menschen fair sein, wenn ich es nicht einmal zu Tieren sein kann?» Diese Frage stellte sich Furrer immer wieder und war mit ein Grund für seine aktuelle Lebensweise. Aber auch dafür, dass sein kritisches Auge nicht bei der tierethischen Diskussion stoppt, sondern er sich auch für den fairen Handel - Stichwörter Lohnausbeutung und Kinderarbeit - einsetzt.

Nur die wenigsten aus seinem Umfeld denken gleich, doch seien die Reaktionen auf seine vegane Lebensweise «grundsätzlich recht gut». Wird er bei Kollegen zum Essen eingeladen, so nimmt er meist selbst etwas mit. Seltener machen sich die Gastgeber aber auch die Mühe, eine eigene vegane Kreation aufzutischen. Was Furrer wiederum auch tut, wenn er Gäste beherbergt. Nicht immer mit Erfolg, wie er lachend zugesteht: «Ich habe am Anfang doch auch Speisen aufgetischt, die nicht so der Hammer waren.» Doch dass einmal etwas missraten kann, sei schliesslich das Risiko eines jeden Kochs. «Es muss schliesslich auch nicht immer Gault-Millau-Qualität haben!»

Stammtisch als Vernetzung

Um die vegan lebenden Menschen in der Region besser zu vernetzen und den Austausch zu fördern, wurde im November in Zofingen der erste Vegan-Stammtisch abgehalten, an dem ungezwungen diskutiert und gefachsimpelt wurde. Ein weiterer Stammtisch wird im Januar in Olten stattfinden, wobei Termin und Ort zurzeit noch offen sind. Interessierte Personen dürfen sich gerne bei Claudio Furrer melden, der Zofinger freut sich über jede weitere Person, die sich für den sinnvollen Umgang mit den Tieren einsetzt.

verganzofingen@gmx.ch