Standortförderung
Auch ohne Steuerdeals: So weibelt der Aargau um Firmen

Der Carlsberg-Einkauf zieht vom Feldschlösschen in Rheinfelden ins glarnerische Ziegelbrücke. 50 Jobs gehen im wirtschaftlich attraktiveren Aargau verloren. Warum sollten sich Unternehmen überhaupt im Kanton ansiedeln?

Lea Durrer
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Die Zweigstelle Carlsberg Group Procurement AG ziehts aus der Feldschlösschen-Brauerei weg (Archiv)

Die Zweigstelle Carlsberg Group Procurement AG ziehts aus der Feldschlösschen-Brauerei weg (Archiv)

Keystone

«Wenn Arbeitsplätze verloren gehen, ist das immer bedauerlich», sagt Annelies Alig, die Leiterin Standortförderung Kanton Aargau, zum Abgang der Zweigstelle von Carlsberg. In solchen Fällen müssten andere Lösungen gesucht werden. «Die Mitarbeitenden müssen einen anderen Arbeitsplatz suchen», sagt Alig, die nicht annimmt, dass alle bisherigen Mitarbeiter nach Ziegelbrücke ziehen.

Wie hat die Standortförderung vom Wegzug der Zweigstelle erfahren? Darauf will Alig nicht konkret eingehen. «Über einzelne Unternehmen geben wir nicht Auskunft, denn bei der Standortförderung ist man immer eine Vertrauensperson.» Das sei man dem Unternehmen und den Mitarbeitenden gegenüber schuldig. Wie und was ein Unternehmen kommuniziere, hänge auch immer mit deren Kommunikationspolitik zusammen.

Steuerdeals nicht möglich

Carlsberg zieht 50 Stellen ab, obwohl der Kanton Aargau wirtschaftlich attraktiver als Glarus positioniert ist. Im Ranking der Standortqualität, das jährlich von der Credit Suisse durchgeführt wird, belegt der Aargau Platz 3 von allen 26 Schweizer Kantonen. Glarus rangiert auf dem achtletzten Platz.

Als attraktiver Wirtschaftsstandort hat der Kanton aber einen Nachteil: Er kann den Unternehmen keine Steuerdeals unterbreiten - Glarus schon. Ob dies der Grund für den Wegzug der Carlsberg Group Procurement AG von Rheinfelden nach Ziegelbrücke ist, ist derzeit nicht bestätigt, kommt aber durchaus in Frage.

Wenn der Aargau keine Steuererleichterungen anbieten kann: Was macht er für die Wirtschaftsförderung? Als Trümpfe bringt der Kanton die stabile Finanzlage, moderate Steuerbelastung, starke Wirtschaft, tiefe Arbeitslosenrate, günstige Lage und den hohen Lebensstandard vor.

Der Aargau weibelt

Besonders positiv hervorzuheben ist laut Alig der Standort. «Der Aargau ist von der Lage her einfach Top positioniert», sagt sie. Das kommt nicht von ungefähr: Die Kantone Basel, Zürich, Bern und Aargau bilden zusammen den stärksten Wirtschaftsraum schweizweit. Zentraler geht es wirtschaftlich gesehen nicht.

Auch haben die Unternehmen Zugang zu allem, sie brauchen: Zulieferer, Kunden und Arbeitskräfte. Letztere zu finden, ist heute beinahe die grösste Herausforderung für ein Unternehmen.

All diese «starken» Argumente sprechen laut der Leiterin der Standortförderung für den Aargau. Relevant seien eben nicht nur die Steuern, betont sie.

Weg- und Zuzüge sind natürlich

An der Standortqualität arbeitet die Standortförderung fortlaufend. «Es ist ein Dauerauftrag, dass man immer an der Qualität des Standorts arbeitet. Dass eine Firma kommt oder geht, ist natürlich.» Dies vor allem deshalb, weil die Unternehmen ihren Standortentscheid alle drei bis fünf Jahre überdenken würden. Nicht zu vergessen: «Es kommen ja auch viele Unternehmen in den Aargau», betont Alig.

Um Abgänge wie jenen von der Carlsberg-Zweigstelle zu verhindern, wird laufend an der Qualität des Standorts Aargau gearbeitet.