«Der Aargau setzt für die Betreuung der Asylbewerber in den kantonalen Unterkünften keine Fremdfirmen ein. Diese Aufgabe wird durchwegs durch unsere eigenen Leute wahrgenommen», erklärt Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales. Die ORS Service AG, die wegen Betreuungsmängeln in den Asylzentren Eigenthal (Schwarzenberg LU) und Tschorren (Hasliberg BE) in der «Sonntagszeitung» angeprangert worden ist, sei für den Kanton nicht tätig.

Bruder weiss jedoch von Gemeinden, welche die Betreuung ausgelagert haben. In Möhlin beispielsweise sei ist das die ABS Betreuungsservice AG aus Pratteln, in Brugg die Asyl-Organisation Zürich (AOZ). Zur Kritik an den Dienstleistungen von Fremdanbietern im Asylbereich will sich der Kommunikationschef nicht weiter äussern. Er gibt aber zu bedenken, dass die Erfüllung der Aufgabe für alle Beteiligten alles andere als einfach sei.

«Auch wir machen nicht alles richtig»

«Es ist ein schwieriger Job. Auch wir im Aargau machen nicht immer alles richtig», gibt Bruder offen zu. Zurzeit sei das oberste Ziel, für alle Asylsuchenden, die dem Aargau täglich zugewiesen würden, ein Dach über dem Kopf zu finden. «Bei einer Auslastung von 80 Prozent der Unterkünfte sei die Unterbringung an sich, aber auch die Art und Weise viel einfacher, als wenn sie wie jetzt bei 115 Prozent liege», sagt Bruder. Da bleibe für die Erfüllung von Wünschbarem wenig bis gar kein Raum.

Der Aargau, erklärt er weiter, bemühe sich trotz der angespannten Situation insbesondere bei der Unterbringung von Frauen, Kindern und verletzlichen Personen um gute Lösungen. Und er achte darauf, dass ausreisepflichtige Asylbewerber nach Möglichkeit getrennt und nicht gemeinsam mit Personen im Verfahren untergebracht würden.

«Es wäre falsch, von skandalösen Zuständen im Kanton zu sprechen», meint Patrizia Bertschi, die Präsidentin vom Netzwerk Asyl Aargau. Doch die Situation könne und müsse in verschiedenen Bereichen verbessert werden. «Unsere uralte Forderung, dass Asylbewerber nicht nur verwaltet, sondern effektiv auch betreut werden, steht nach wie vor.»

Es gehe nicht an, dass eine einzige Person für 100 Asylbewerber verantwortlich sei. Auch im Bereich der medizinischen Betreuung, bei den Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten liege einiges im Argen. Doch immerhin sei der Kanton daran, die Betreuung insgesamt neu aufzugleisen, sagt Bertschi.