Ein Mann ist zu Recht wegen Freiheitsberaubung bestraft worden, weil er mit seiner Ex-Freundin gegen deren Willen eine kurze Autofahrt unternommen hat. Das Bundesgericht hat einen entsprechenden Entscheid des Aargauer Obergerichts geschützt.

Der Vorfall hatte sich im November 2010 zugetragen. Ein Mann packte seine Ex-Freundin vor deren Wohnung am Handgelenk und zerrte sie in Richtung seines parkierten Autos. Er fordere die Frau auf, sich in sein Auto zu setzen, ansonsten käme es nicht gut für sie.

Aus Angst und in der Meinung, dass sich der Mann durch ein Gespräch beruhige, stieg die Ex-Freundin ein. Der Mann fuhr los und zog sie mehrmals zurück, als sie versuchte, den Wagen zu verlassen. Während der Fahrt in Richtung Aarau schlug er seiner Ex-Freundin mehrmals ins Gesicht.

Nach einer Fahrt von knapp 9 Kilometern hielt der Mann an einer Autobahnraststätte an und forderte die weinende Ex-Freundin auf, auszusteigen. Bereits zuvor hatte er ihrem Mobiltelefon die SIM-Karte entnommen.

Die Frau bat in der Folge, wieder in das Fahrzeug einsteigen zu dürfen, und forderte ihren Ex-Freund auf, sie nach Hause zu fahren. Er fuhr daraufhin wieder los, verliess die Autobahn und hielt in einem Dorf an. Dort liess er seine Ex-Freundin aussteigen, im Bewusstsein, dass diese ohne SIM-Karte niemanden anrufen konnte.

Unbedingte Geldstrafe

Das Obergericht des Kantons Aargau sprach den Ex-Freund der Freiheitsberaubung schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 300 Franken, wobei das Gericht berücksichtigte, dass der Mann bereits früher mehrfach gegen das Gesetz verstossen hatte.

Der Mann wollte die Strafe nicht akzeptieren und rief das Bundesgericht an. Er wehrte sich gegen die Verurteilung wegen Freiheitsberaubung und forderte eine massiv tiefere Geldstrafe in der Höhe von 1800 Franken.

«Gewisse Erheblichkeit»

Eine Freiheitsberaubung begeht, wer jemandem unrechtmässig die Freiheit entzieht, wobei ein kurzfristiges Festhalten für eine Verurteilung nicht ausreicht. Die Freiheitsberaubung muss eine gewisse Erheblichkeit aufweisen.

Im konkreten Fall erachtete das Bundesgericht diese Voraussetzung angesichts der Länge und Dauer der Fahrt als erfüllt. Dass der Lenker nach dem Einbiegen auf die Autobahn nach rund einer Minute Fahrzeit nur noch die Möglichkeit hatte, auf der Autobahn-Raststätte nach neun Kilometern anzuhalten, ist laut Bundesgericht irrelevant.