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Auch die Aargauer Wirtschaft zittert vor der Ecopop-Initiative

Die Unternehmer Hans-Jörg Bertschi und Ernst Werthmüller sprechen sich gegen die Ecopop-Initiative aus.

Die Unternehmer Hans-Jörg Bertschi und Ernst Werthmüller sprechen sich gegen die Ecopop-Initiative aus.

Hiesige Wirtschaftsgrössen haben sich bisher nicht öffentlich zu Ecopop geäussert – was nicht heisst, dass sie sich keine Sorgen machen. Die Unternehmer Hans-Jörg Bertschi und Ernst Werthmüller erklären, warum sie gegen die Initiative sind.

Ex-Astronaut Claude Nicollier, SBB-Präsident Ulrich Gygi und Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sind drei von über 100 Prominenten, die diese Woche unter www.ch-in-europa.ch einen Appell zur Rettung der Bilateralen lanciert haben (die «Schweiz am Sonntag» berichtete). Wichtigster Auslöser für den «Aufruf besorgter Bürgerinnen und Bürger» ist die Ecopop-Abstimmung vom 30. November.

Prominente Aargauer sind auf der Liste keine zu finden, obwohl der Kanton mit seiner starken Exportwirtschaft auf die Bilateralen besonders angewiesen ist und die hiesige Wirtschaft viele Arbeitskräfte im grenznahen Ausland rekrutiert.

Unternehmer Hans-Jörg Bertschi bringt einer irgendwie gearteten Zuwanderungsbeschränkung durchaus Sympathien entgegen. Denn das derzeitige Schweizer Bevölkerungswachstum hält der Verwaltungsratspräsident des Transportunternehmens Bertschi für nicht nachhaltig.

Seine Haltung zu Ecopop ist trotzdem klar: «Die Initiative würde der Wirtschaft massiv schaden, weil sie keinen Spielraum offen lässt.» Die Stossrichtung des Appells unterstütze er deshalb, sagt Bertschi, der auch im bürgerlichen kantonalen Nein-Komitee sitzt. Er habe ihn aber nicht im Detail gelesen und deshalb auch nicht unterzeichnet.

Ernst Werthmüller, CEO des Mischkonzerns Ferrum mit rund 400 Angestellten, wird noch deutlicher. Die Initiative sei «ein absolutes No-go». Ecopop sei «der Turbo auf die Masseneinwanderungsinitiative».

Für den Appell wurde er ebenso wie Bertschi nicht angefragt. Er kann sich aber durchaus vorstellen, ihn noch zu unterzeichnen. Nicht nur im Kanton, sondern schweizweit müsse noch mehr gemacht werden, fordert er: «Man muss jetzt Flagge zeigen.»

Die Konsequenzen eines Ja am 30. November schätzen beide ähnlich ein. «Ferrum ist ein hier verwurzeltes Familienunternehmen», so Werthmüller. Ein Wegzug käme deshalb nicht infrage. Auf Investitionsentscheide würde sich ein Ja zur Ecopop-Initiative aber sicher auswirken.

«Wir würden künftig verstärkt Standorte im Ausland ausbauen.» Auch das Transportunternehmen Bertschi mit seinen 550 Angestellten im Aargau müsste «die Entwicklung im Ausland suchen», so der Patron. Diesem Trend müssen sich Schweizer Unternehmen seiner Ansicht nach allerdings sowieso stellen, «weil viele Schweizer das heutige Wirtschaftswachstum nicht mehr wollen».

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