Die Meldung über den von einem Zug in Schlieren überfahrenen Wolf überrascht Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei im Kanton Aargau, nicht. Stucki: «Jungwölfe sind sehr mobil auf der Suche nach einem Revier und legen weite Distanzen zurück.» Gleichwohl gab es so nah am Aargau bisher noch keine Wolfsmeldung, auch in Fotofallen habe man noch keinen Wolf gesehen. «Im Aargau selbst haben wir bisher keinen Nachweis eines Wolfes. Es ist aber möglich, dass er auch hier auftaucht. Allerdings wird er eher durchziehen. Denn unsere Verkehrsachsen und hohe Siedlungsdichte sind für eine dauerhafte Präsenz des Wolfes nicht förderlich.»

Woher könnte der erste Wolf kommen? Wie der Fall in Schlieren zeigt, ist eine Einwanderung von Südosten her möglich. Stucki kann sich aber auch gut vorstellen, dass ein erster Wolf vom bernischen Emmental über den Kanton Luzern von Süden her oder natürlich über den Jurabogen von Westen her auftaucht. Vor wenigen Tagen kam ja eine erste Meldung über einen Wolf im Kanton Freiburg.

Mit Blick auf eine mögliche baldige Sichtung ist im Kanton Aargau wie im Kanton Zürich eine Handreichung für den Umgang mit dem Wolf in Vorbereitung. Ein Grundsatzkonzept gibt es ja schon vom Bund. Auf kantonaler Ebene wird es laut Stucki deshalb primär um die Kommunikation und den Umgang mit einer Wolfssichtung gehen. Im Grundsatz kenne man die Vorgehensweise schon von anderen Tierarten, etwa dem Luchs.

Ein bis drei Luchse

Stucki betont, dass der Wolf für Menschen keine Bedrohung darstellt. Im Unterschied zu anderen Wildtieren wie etwa dem Fuchs meidet er Siedlungen und den Kontakt zu Menschen. dafür werden im Aargau regelmässig Luchse gesichtet. Laut Stucki sind im Aargau derzeit je nach Jahreszeit ein bis drei Luchse unterwegs.