Es gab keine Wahlempfehlung zu gewinnen, denn eine solche will die Aargauer EVP für die Regierungsratswahlen nicht herausgeben. Dennoch nahmen der Anwärter auf die Nachfolge von FDP-Regierungsrat Peter Beyeler und der Herausforderer für einen zweiten SVP-Sitz die Einladung gerne an, um sich bei einem ersten gemeinsamen Auftritt auf neutralem Terrain zu präsentieren.

Nicht ganz unerwartet unterschieden sich ihre Positionsbezüge dabei in etlichen Fragen eher in Nuancen. Zum Beispiel sind beide enttäuscht über den Staatsvertrag in Sachen Fluglärm und lehnen eine Doppelbelastung des Zurzibiets durch gekröpften Nordanflug und eine neue Surbtal-Abflugroute als indiskutabel ab. Stephan Attiger ist «kein Fan der Atomenergie» und hält einen Ausstieg «langfristig» für machbar. Thomas Burgherr glaubt, dass langfristig im Grunde alle am liebsten aus der Atomenergie aussteigen würden, sieht aber den Zeitplan des Bundesrats dafür als «nicht umsetzbar» an.

Ein Regierungsrat braucht Stimmen aus allen Lagern. Da will man sich zwar nicht verleugnen, aber man drückt sich im Wahlkampf vielleicht etwas diplomatischer aus als in den Parteiparolen. Bemerkenswerte Positionen waren dennoch zu registrieren. So bezeichnete sich Attiger als erklärter «Verfechter der Steuerprogression», während Freisinnige sonst eher mit einer «Flat rate tax», also einem einheitlichen Steuersatz für alle, liebäugeln, wenn es um Visionen geht. Auf die Frage, von EVP-Präsident Roland Bialek, wer ungebührlich vom Staatswesen profitiert, nannte Attiger die Bezüger von astronomisch hohen Millionensalären, die dann oft noch Schlupflöcher nutzen könnten, um sich einer gerechten Besteuerung zu entziehen. Auffallend: Burgherr war bei dieser Frage ganz gleicher Meinung, von Asylbewerbern oder Einwanderern, welche die Sozialwerke in Anspruch nehmen ohne kaum je Beiträge geleistet zu haben, war SVP-untypischerweise keine Rede.