«Bahn 2000 plus»

Attiger lehnt direkte Bahnlinie von Zürich nach Bern ab

Eine direkte  (Symbolbild)

Eine direkte (Symbolbild)

Die Idee einer direkten Zugverbindung Bern–Zürich stösst beim Aargauer Verkehrsdirektor Stephan Attiger auf Ablehnung. Das hat er den Initianten bereits mitgeteilt.

Eine völlig neue Bahnlinie direkt von Bern nach Zürich. Die Vision einer «Diretissima» präsentierte diese Woche die «Neue Zürcher Zeitung»: eine komplette Trennung des schnellen und langsameren Bahnverkehrs im Mittelland. Es handelt sich um einen modifizierten Vorschlag mit dem Titel «Bahn 2000 plus», den die Zeitung und ein ehemaliger Bahn-2000-Spitzenbeamter vor vier Jahren lanciert hatten.

Im Aargau lösen die Pläne keine Begeisterung aus. «Der Kanton hält nichts von einer solchen Trennung des Intercity-Verkehrs vom übrigen Bahnverkehr», sagt Regierungsrat Stephan Attiger auf az-Anfrage.

«Das grosse Wachstum der Bevölkerung findet hauptsächlich in den Agglomerationen des Mittellandes statt», so Attiger. Um der Zersiedlung entgegenzuwirken, will die neue Raumplanung hier verdichtet bauen.

Die starke Nachfrage aus den Kernstädten des Mittellandes könnten die Schnellzüge nicht abdecken. Die Einführung der Bahn 2000 habe auch gezeigt, dass mit kürzerer Reisezeit die Reisedistanz zunehme. Als Folge entstehe eine gesteigerte Mobilität, was «die Zersiedlung weiter fördern kann». Der Aargau, die Hauptstadt inbegriffen, würde vom schnellen IC-Verkehr abgehängt.

Täler müssten gequert werden

Bei geschätzten Baukosten von 4 bis 5 Milliarden Franken wird die Entlastung der Stammlinie als gering eingeschätzt. Zwei Züge stündlich sind es heute, vier beim geplanten Viertelstundentakt. Und für den Anschluss von Basel müsste ein neuer Juradurchstich gebaut werden.

Da stützt sich Verkehrsdirektor Attiger lieber auf die aktuelle Planung mit den Tunnels Eppenberg Olten–Aarau, Chestenberg im Birrfeld und Honeret südlich des Heitersbergs. «Das ergibt immer wieder Verknüpfungen mit der Stammstrecke, die Kernstädte können in den Fernverkehr eingebunden werden», so Attiger.

Klare Worte auch zur Linienwahl der «Diretissima»: «Der Kanton Aargau ist entschieden gegen eine offene Querung des Wiggertals, des Suhrentals, des Wynentals, des Seetals und des Reusstals.» Attiger betont auch, er habe den Initianten bereits mitgeteilt, «dass sich der Aargau eine solche Linienführung nicht vorstellen kann».

Bedenken der Verkehrspolitiker

«Das ist eine schöne Vision, aber das Thema haben wir bisher nicht behandelt», sagt FDP-Grossrätin Renate Gautschy, Präsidentin der Kommission Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumplanung (UBV). Letztlich müsse der Nutzen für die Reisenden stimmen.

Da hat Grossrat Martin Keller (SVP) seine Zweifel: «Das finde ich keine gute Idee, das teure Trassee würde nur viermal stündlich befahren», argumentiert Keller. Zudem würde die Eisenbahn-Drehscheibe Olten abgehängt, die Städte im Aargau sowieso.

Die neue Schnellbahn beschäftigt auch CVP-Politiker Markus Dieth, Präsident von Baden Regio und Wettinger Gemeindeammann. Die Anbindung des Aargaus an Zürich sei für den Ostaargau, aber auch für den ganzen Kanton, von höchster Bedeutung.

Die Regionen Aarau, Lenzburg und Baden seien auf gute öV-Anschlüsse zwingend angewiesen. Selbst bei begeisterten öV-Befürwortern kann die «Diretissima» nur eine Vision bleiben: «In der kleinräumigen Schweiz sind keine solchen Verkehrssysteme nötig, sonst wird der Aargau noch mehr durchfahren», erklärt Grossrat Jürg Caflisch (SP). Er plädiert für mehr Kapazität durch Optimierungen und dichtere Fahrpläne.

Als exzellenter Bahn-Kenner und Kämpfer für mehr Schnellzughalte in Aarau ist Stadtbaumeister Felix Fuchs höchst skeptisch. «Wenn man nur noch auf die Grosszentren Zürich und Bern setzt, werden die Mittel- und Kleinstädte zweitrangig», befürchtet er. Eine direkte Linie widerspreche auch der Siedlungspolitik nach innen, denn damit schleuse man noch mehr Leute in die grossen Zentren. 

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