Sieben mögliche Standorte für Probebohrungen hat die Nagra auf dem Bözberg definiert (siehe Karte). Zu reden gibt in der Region insbesondere «BP4», der Bohrplatz, der in unmittelbarer Nähe der Linde von Linn liegt.

Dort müsse «aufgrund der Geologie» gebohrt werden, war am 24. Juni an der Gemeindeversammlung von Bözberg zu vernehmen. «Daraus ergaben sich für uns zahlreiche Fragen», sagt Hans-Martin Niederer, Präsident des Vereins ProLinn.

Atommüll-Bild

Eine davon lautet: «Ist die Linner Linde mit ihrem hohen Landschafts- und Erholungswert in Gefahr?» Mit einem Flugblatt unter dem Titel «Info-Linn», das auch auf der Website des Vereins und auf Facebook und Twitter verbreitet wurde, versuche man, diese zu klären. «Wir haben der Nagra diverse Fragen zu den geplanten Bohrungen gestellt und möchten die Antworten der Bevölkerung zugänglich machen», so Niederer.

Denkmal: Die Linde von Linn in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 24. Juni 1966.

Denkmal: Die Linde von Linn in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 24. Juni 1966.

Kaum konfliktfreie Standorte

Aus dem Faltblatt geht hervor, dass die genauen Standorte der möglichen Bohrplätze noch nicht definiert sind. Das heisst: Wo innerhalb des roten Kreises der Bohrturm genau platziert wird, ist noch offen.

Erst in den Sondierungsgesuchen, welche die Nagra ungefähr Ende Jahr beim Bund einreichen will, wird dies festgelegt. Zuvor seien kantonale und kommunale Behörden angehört und Grundeigentümer einbezogen worden, hält die Nagra fest. Dennoch zeige die bisherige Erfahrung, «dass gänzlich konfliktfreie Bohrplätze in der Regel sehr schwer zu finden sind».

Info Linn

Doch weshalb kommt ein Bohrplatz bei der jahrhundertealten Linde überhaupt in Betracht? «Für die Platzierung der Bohrungen müssen insbesondere die Anforderungen des Kernenergiegesetzes berücksichtigt werden», schreibt die Nagra.

Einerseits müssten die Bohrungen am vorgesehenen Standort einen Erkenntnisgewinn bringen, andererseits dürfe «die Sicherheit des später zu realisierenden geologischen Tiefenlagers nicht beeinträchtigt werden».

Man sei sich der Situation im Bereich der Linde von Linn sowie des Stellenwerts des Baumes bewusst, ergänzt die Nagra. Dies hätten die Kantons- und Gemeindebehörden auch deutlich unterstrichen. Dass es sich um ein Gebiet mit hohem Landschafts- und Erholungswert handelt, werde «bei der Platzierung der Bohrung im Bereich BP-4 gebührend berücksichtigt», verspricht die Nagra.

So funktionieren seismische Messungen: Mitarbeitende der Nagra informieren sich im Raum Fisibach vor Ort.

So funktionieren seismische Messungen: Mitarbeitende der Nagra informieren sich im Raum Fisibach vor Ort.

Bohrplatz wie ein Fussballfeld

Für einen Bohrplatz wird eine Fläche von 4000 bis 6000 Quadratmeter benötigt, dazu braucht es Platz für eine allfällige Aushub- und Humusdeponie.

Insgesamt entspricht der Landbedarf ungefähr der Grösse eines Fussballfelds. Wie weit entfernt von der Linde eine solche Bohrung möglich wäre, kann Nagra- Sprecherin Jutta Lang heute noch nicht sagen. Tatsache ist aber: Rund um die Linner Linde befindet sich ein Quellgebiet. Der Bau eines Parkplatzes neben dem bekannten Baum wurde vom Kanton aus diesem Grund nicht bewilligt. Dies sei der Nagra bekannt, heisst es im Faltblatt des Vereins ProLinn. Wo der Parkplatz vorgesehen war, wird der Bohrturm sicher nicht zu stehen kommen. «Generell werden keine Bohrungen in Quell- bzw. Grundwasserschutzgebieten geplant», hält die Nagra fest.

Ob bei der Linde überhaupt gebohrt wird, ist heute noch nicht sicher. Zwar will die Nagra sieben Sondierungsgesuche einreichen, «nach heutigem Planungsstand dürften jedoch nicht alle Bohrungen ausgeführt werden», hält Sprecherin Jutta Lang fest. Wo wirklich gebohrt werde, hänge vom Erkenntnisgewinn der 3D-Seismik-Kampagne sowie «von den Ergebnissen aus den hintereinander ausgeführten einzelnen Bohrungen» ab.

Die Linner Linde in Szene gesetzt von Profi-Fotograf Michel Jaussi

Die Linner Linde in Szene gesetzt von Profi-Fotograf Michel Jaussi

Einsprache des Vereins noch offen

Behandelt werden die Sondierungsgesuche vom Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. «Daher sind keine kantonalen oder gemeindebehördlichen Bewilligungen notwendig», heisst es in einer Nagra-Präsentation für Grundeigentümer.

Dennoch gibt es Einsprachemöglichkeiten, dies innerhalb von 30 Tagen, wenn die Gesuche vom Kanton ausgeschrieben werden. Berechtigt dazu sind nicht nur Anwohner, sondern auch Gemeinden und Umweltorganisationen.

Ob der Verein ProLinn selber eine Einsprache machen wird, lässt Hans-Martin Niederer heute offen. «Ich finde, die Nagra hat unsere Fragen gut beantwortet, damit ist nun eine transparente Information der Bevölkerung möglich», sagt der Vereinspräsident.