Heini Glauser, Energieingenieur mit eigenem Büro, ist der standhafteste Schweizer Atomgegner: am 26. April hielt er vor dem Nuklear-Sicherheitsinspektorat in Brugg seine 1000. Mahnwache, um die Stilllegung des AKW Beznau zu fordern. Zu Hause produziert er Strom mit einer Wärme-Kraft-Kopplungsanlage. Quasi: ein erweiterter Automotor. Statt Benzin oder Diesel wird Erdgas verbrannt. Die Kraft daraus, die sonst auf die Räder geht, produziert Strom; mit der Abwärme, die im Auto verpufft, wird geheizt. Der Brennstoff wird zu 90 bis 95 Prozent genutzt – effizienter geht es kaum. Das Ganze ist ans Stromnetz angeschlossen, überschüssige Energie wird zurückgespeist.

Doch die Wärme-Kraft-Kopplung, kurz WKK, hat ein Imageproblem. Ihr Begriff ist sperrig, und wie sie funktioniert, erklärt sich nicht wie bei einer Solaranlage von selbst. Die Technik existiert seit Jahrzehnten, konnte sich in der Schweiz aber nicht durchsetzen. Zu Unrecht, findet Glauser, Präsident des nationalen Fachverbands WKK, der sich morgen in Oberburg BE zum 25-Jahr-Jubiläum trifft: «Das Motorenpotenzial, das pro Jahr mit Neuwagen auf Schweizer Strassen kommt, ist grösser als die Leistung aller Schweizer Kraftwerke. Man müsste nur das gleiche Prinzip in den Keller stellen und hätte viel mehr davon.»

Leider befinde sich die Schweiz seit 40 Jahren in einem energiepolitischen Grabenkrieg, alles habe sich nur um Atom- und Wasserkraft gedreht. Die Diskussion um andere Stromformen sei «komplett ignoriert» worden. Jene um die Energiestrategie nervt ihn erst recht: «Die Idee, man könnte zu wenig Strom haben, ist Schwachsinn.» Im Jahr 2005 sei der weltweite Verbrauch gleich hoch gewesen wie die Solarstrahlung, die in einem Jahr auf die Schweiz und Österreich falle. «Und die zwei Länder machen einen Viertausendstel der Weltoberfläche aus und liegen erst noch in der nördlichen Hemisphäre.»

Mehr Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen wären für Glauser ein grosser Schritt zur Energiewende. Sie lieferten dann Strom, wenn man ihn am meisten brauche, ergänzten Solaranlagen ideal, seien bezahlbar («gleich teuer wie eine vergleichbare Wärmepumpe oder Pelletheizung, die keinen Strom liefern, sondern viel verbrauchen») und die Voraussetzungen für die Installation meistenorts gegeben. Glauser gesteht auch einen Nachteil ein: In Windisch erhält er 4 Rappen pro eingespeister Kilowattstunde, das eingekaufte Gas kostet ihn das Doppelte. Für ihn zählt das aber nicht: «Beim Hausbau achtet man überall auf Qualität und Nachhaltigkeit. Nur bei der Energie geht es nur um die Rendite. Das ist eine total einseitige Betrachtungsweise.» Der Gewinn sei ideeller Natur. «Noch», betont Glauser: Er hoffe, bald auf eingekauftes Erdgas verzichten und auf erneuerbares Gas setzen zu können. An Geduld dürfte es ihm nicht fehlen.