Nagra-Entscheid
Atomgegner auf dem Bözberg: «Standort für Endlager ungeeignet»

Der Verein «KAIB – Kein Atommüll im Bözberg» kritisiert den Entscheid der Nagra scharf, in der Region Jura Ost ein Endlager zu errichten. Ein Tiefenlager in dieser wasserreichen Region berge Risiken und stehe im Konflikt zum Jurapark Aargau.

Fabian Hägler
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Leser P. Weber hat den Wegweiser passend zum Nagra-Entscheid digital angepasst.

Leser P. Weber hat den Wegweiser passend zum Nagra-Entscheid digital angepasst.

Leserfoto/P. Weber

In Wirklichkeit ist der Wegweiser mitten in der Gemeinde Bözberg weiss – az-Leser P. Weber hat ihn digital umgestaltet: Nun weist das gelbe Schild mit dem Radioaktivitäts-Symbol auf ein mögliches Atomendlager im Bözberg hin.

Nicht nur für P. Weber, sondern auch für den Verein KAIB ist ein Tiefenlager im Bözberg eine Schreckensvision. KAIB – der Verein wurde 2010 gegründet und hat heute rund 600 Mitglieder – befürchtet ebenfalls einen Image-Schaden durch ein Atommüll-Endlager.

«Über die Köpfe der Direktbetroffenen hinweg soll der Region ein Atommüll-Endlager aufgedrängt werden. Und dies trotz bekannten geologischen Risiken und klaren Nachteilen für Natur und Umwelt», hält der Verein in einer Stellungnahme fest. SP-Nationalrat Max Chopard und SP-Grossrätin Elisabeth Burgener, die gemeinsam den Verein präsidieren, wehren sich «mit Nachdruck» gegen die Pläne der Nagra.

Für sie ist klar: «Der Nagra-Entscheid betreffend einem Atommüll-Endlager in der Bözbergregion ist übereilt.» KAIB zweifelt an der Seriosität des Entscheides, da gewichtige geologische Risiken im Untergrund des Bözberges bekannt seien. «Dies ist umso störender, da es sich bei einem Atommüll-Endlager aufgrund der langen Strahlungsdauer der Abfälle um eine Risikoanlage für Jahrtausende handelt.»

Diese Gemeinden wären von einem Endlager im Bözberg betroffen.

Diese Gemeinden wären von einem Endlager im Bözberg betroffen.

AZ

Der Bözberg befinde sich in einer Region, wo der höchste geothermische Wärmefluss der Schweiz registriert wurde, hält KAIB fest. Dieser hohe Wärmefluss zeigt sich in den Mineral- und Thermalquellen, welche in der Umgebung auftreten. «Dazu kommen grosse Grundwasservorkommen und die Oberflächengewässer im Einzugsgebiet des Bözbergs.» Dazu kämen weitere geologische Risiken – «auch die Nagra selbst beurteilte einst im technischen Bericht 94-10 den Bözberg aufgrund bekannter geologischer Probleme nur als Reserveoption», argumentiert die KAIB-Führung.

Konflikt mit Natur- und Umwelt

Laut dem Verein KAIB würde ein Endlager im Bözberg auch zu erheblichen Konflikten im Bereich des Natur- und Umweltschutzes führen. Beispielsweise würde ein Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung, welcher nördlich der allfälligen Oberflächenanlage Villigen verläuft, negativ betroffen. «Und während der mehrjährigen Bauphase und danach müsste mit Mehrverkehr in der ganzen Region gerechnet werden», schreiben Chopard und Burgener.