Energie-Politik

Atomenergie oder lieber Kernenergie?

AKW KKW Kernkraftwerk Atomkraftwerk Gösgen - Drohnenbild mit Blick in Richtung Däniken.

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik. Heute: Die Zukunft der Atomenergie.

Letztes Mal gratulierte ich in dieser Spalte dem Atomreaktor Beznau 1 zum 50. Geburtstag. Ich wandte mich gegen das unbegrenzte Weiterlaufen der alten Reaktoren, aber auch gegen ein Denkverbot für neue Technologien. Wie aufgeladen das Thema immer noch ist, zeigten mehrere Reaktionen. Alt Nationalrat Ulrich Fischer schrieb in einem Leserbrief, ich argumentiere widersprüchlich, wenn ich einerseits keine Renaissance der Atomenergie und anderseits kein Denkverbot wolle.

Nun, Forschungsfreiheit ist ein unantastbares Gut. Aber persönlich glaube ich nicht daran, dass die Energiegewinnung aus der Kernspaltung (oder Kernfusion) je absolut sicher und rentabel betrieben werden kann. Recht hat Fischer natürlich, wenn er schreibt: Ist diese Energieform im Gesetz mit einem Verbot belegt, sinkt der Anreiz, daran zu forschen, dramatisch.

Ein Ingenieur stiess sich an meinem Satz, nach der Entdeckung von Rissen im Druckbehälter von Beznau 1 hätten «Diagnose und Sanierung» fast drei Jahre gedauert. «Sanieren kann man einen Reaktordruckbehälter nicht! Man kann die Befunde banalisieren, aber ändern kann man an dem Zustand nichts! Man kann den Reaktor nur noch abstellen.» Okay, nehme ich zur Kenntnis.

Ein Physiker nannte mich einen «Desinformations-Journalisten», weil ich von Atomkraftwerk und Atomenergie geschrieben habe. Korrekt sei Kernkraftwerk und Kernenergie. «Die in den Atomhüllen umgesetzten Energiebeträge sind im Bereich von einigen Elektron-Volt angesiedelt. Im Falle der einzelnen Kernumwandlungen werden aber Energiebeträge von der Grössenordnung einiger Millionen Elektron-Volt umgesetzt!» Okay, nehme ich zur Kenntnis.

Bei dieser physikalischen Begründung des etymologischen Unterschieds stiegen in mir die politischen Debatten hoch, die wir in den 80er-Jahren auf der Redaktion geführt haben. Rechte sagen Kernkraft, Linke sagen Atomkraft. Rechte sind Befürworter, Linke sind Gegner. Rechte wollen verharmlosen, Linke wollen dramatisieren.

Atom macht Angst, erinnert an Atombombe. Früher war das noch anders. 1955 wurde Franz Josef Strauss Bundesminister für Atomfragen. Politik ist ein Kampf um Worte. Item. Ich wohne in der 20-Kilometer-Zone von Beznau und Leibstadt (= Kernzone 2). Bin ich links, wenn mich ab und an ein mulmiges Gefühl plagt?

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