Postversand

Atomausstieg: 6000 Briefe der Jungfreisinnigen sind verschwunden – Spurensuche vor der Abstimmung

Ausriss aus dem Schreiben, das die Jungfreisinnigen Aargau an tausende Personen verschickt haben.

Ausriss aus dem Schreiben, das die Jungfreisinnigen Aargau an tausende Personen verschickt haben.

Tausende Couverts hat die junge FDP verschickt, um ihre Empfehlung zur Atomausstiegsabstimmung vom Wochenende abzugeben. Doch die Massensendung kommt lange nicht an. Wo sind sie geblieben? Eine Spurensuche.

Der Brief der Jungfreisinnigen beginnt mit einem Satz, der schon veraltet sein könnte, wenn ihn die Empfänger lesen. «Hoffentlich scheitert am 27. November 2016 die Atomausstiegs-Initiative der Grünen an der Urne. Die Jungfreisinnigen Aargau empfehlen ein Nein», steht dort.

An rund sechstausend Mitglieder und Sympathisanten wurde das Schreiben verschickt, zusammen mit einem Referendumsbogen gegen die Energiestrategie 2050. Doch die Post ist tagelang nicht angekommen – zum Ärger der Jungfreisinnigen.

Auf Facebook schrieb die JFDP Aargau am Donnerstag: «Zuletzt gesehen wurde die Post am letzten Freitag mit vielen tausend Briefen der Jungfreisinnigen Aargau. Bis heute ist sie nicht mit den Briefen am Ziel angekommen.» Präsident Stefan Ammann sagt, der Massenversand sei am letzten Freitag im Briefzentrum Härkingen aufgegeben und seither nicht mehr gesehen worden.

Die Zeit wird knapp

Eine Nachfrage bei der Post brachte nicht die gewünschte Lösung des Rätsels. «Man konnte uns nicht sagen, wo unsere Briefe sind. Die Sendung sei nicht erfasst worden, bekam ich zur Antwort», sagt Ammann. «Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die Couverts irgendwo auf einem Haufen liegen.»

Dabei wäre es der Jungpartei ein Anliegen gewesen, ihren Massenversand noch vor dem Abstimmungssonntag unter die Leute zu bringen. Schliesslich wollten sie damit auch zum Nein-Stimmen bei der Atomausstiegs- Initiative aufrufen. Dafür drohte es nun plötzlich knapp zu werden.

Auf einem Faktenblatt der Post steht, die Zustellung erfolge spätestens am sechsten Arbeitstag. Im Fall der Jungpolitiker wäre das am Montag. Stefan Ammann sagt, er sei sich bewusst, dass sie die Briefe relativ spät aufgegeben hätten.

Doch er übt auch Kritik an der langen Versanddauer: «Das erschwert politisches Handeln.» Ein Couvert, von denen die Jungfreisinnigen mehrere tausend verschickt haben, kostet 53 Rappen. Deshalb sagt Stefan Ammann: «Wir bezahlen ein teures Lehrgeld.»

18 Millionen Briefe pro Tag

Nun scheint die Aktion doch noch ein Happy End zu finden. Auf Anfrage teilt Post-Mediensprecherin Jacqueline Bühlmann mit, die Sendungen seien am Mittwoch verarbeitet worden. Was danach damit passiert ist, lässt sich nicht genau sagen.

Der Grund: «Sobald die Sendungen in die Verarbeitung gehen, kann nicht mehr nachvollzogen werden, wo sie sind.» Inzwischen müssten die Briefe zugestellt worden sein, sagt Bühlmann. Bei den B-Postmassensendungen habe die schnelle Zustellung «nicht oberste Priorität». Die Dauer hänge von der Auslastung der Briefverarbeitungszentren ab, die dadurch gesteuert werden könne.

Im Durchschnitt versendet die Post schweizweit 18 Millionen Briefe pro Tag. Jacqueline Bühlmann: «98,9 Prozent der B-Post-Briefe erreichen ihre Empfänger rechtzeitig.» Und tatsächlich, Stefan Ammann gibt am Freitagnachmittag per SMS Entwarnung: «Ein grosser Teil der Briefe scheint heute angekommen zu sein.»

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