Atomendlager
Atomaufsichts-Behörde fragt die Nagra: Wie tief soll der Atommüll denn liegen?

Die seismische Untersuchungen für ein Atomendlager finden auch im Nördlichen Lägern statt, obschon die Nagra sich gegen das Gebiet entschieden hatte. Das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, das die Vorschläge prüft, stellt diesen Entscheid nun aber infrage.

Fabian Hägler
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Seismik-Messungen (V2)
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Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Seismische Messungen am Bözberg im November 2015 Messpunkt um Messpunkt arbeiten sich die Vibrationsfahrzeuge systematisch durch die 20 Gemeinden rund um den Bözberg, hier im Wald bei Remigen.
An der Aarauerstrasse in Brugg werden Kabel mit Geofonen für die seismische Messung durch die Nagra verlegt.
Messpunkte, sogenannte Geophone Geofone, liegen auf dem Waldboden.
Mitarbeiter aus Georgien und Polen führen Messungen mit Fallgewichten durch.
Marek aus Polen führt Messungen mit Fallgewichten durch.
Mitarbeiter aus Georgien und Polen führen Messungen mit Fallgewichten durch.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Ein Vibrations-Fahrzeug, mithilfe dessen die Tiefe der Gesteinsschichten gemessen wird.
Ein Vibrations-Fahrzeug, mit dessen Hilfe die Tiefe der Gesteinsschichten gemessen wird.

Seismik-Messungen (V2)

Sandra Ardizzone

Die seismischen Untersuchungen der Nagra, die momentan in der Bözberg-Region laufen, sollen Grundlagen für den Entscheid liefern, ob das Gebiet für ein Atomendlager geeignet ist. Daneben werden die Vibrationsfahrzeuge Anfang 2016 auch im Zürcher Weinland auffahren. Dies sind die beiden Gebiete, welche von der Nagra im Januar als mögliche Standorte für ein künftiges Tiefenlager benannt wurden.

Allenfalls kommen die Vibrationsfahrzeuge auch im Gebiet Nördlich Lägern noch zum Einsatz. In dieser Region liegen mit Fisibach, Schneisingen und Siglistorf auch drei Aargauer Gemeinden. Zwar hatte sich die Nagra im Januar gegen Nördlich Lägern als Lagerstandort entschieden.

Das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, das die Vorschläge der Nagra prüft, stellt diesen Entscheid nun aber infrage. In einer Mitteilung schreibt die Atomaufsicht, dass «gewisse Daten der Nagra nicht belastbar und gewisse Argumente nicht nachvollziehbar» seien. Konkret geht es darum, wie tief unter der Erdoberfläche ein Atomendlager geplant werden soll, damit es bautechnisch noch machbar ist.

«Nachweis infrage gestellt»

Diese Frage hat laut Atomaufsicht auch Einfluss auf die Lage und den Platz, der zur Verfügung steht, also den Lagerperimeter. «Konsequenterweise können deshalb auch weitere Indikatoren, die sich an Grösse und Lage des Lagerperimeters orientieren, nicht oder nur mit Abstrichen bewertet werden», hält die Atomaufsichtsbehörde fest. Mit Blick auf Nördlich Lägern sagt Michael Wieser, Leiter des Bereichs Entsorgung: «Der Nachweis eindeutiger Nachteile für Standortgebiete ist bezüglich dieses Indikators infrage gestellt.»

Deshalb fordert das Nuklearsicherheitsinspektorat nun weitere Informationen von der Nagra. Diese muss aufzeigen, welche alternativen Lagerkonzepte betrachtet wurden und nachvollziehbar begründen, weshalb sie diese verworfen hat. Sie muss die geotechnischen Bedingungen in den Standortgebieten beurteilen und die Gesteins-Veränderungen mit Blick auf die Tiefenlage des Lagers berücksichtigen.

Die Nagra muss für Bau- und Betriebsphase auch sogenannte Gefährdungsbilder erstellen (zum Beispiel Niederbrüche). Dazu soll sie aufzeigen, wie sie mit diesen Gefährdungen umzugehen gedenkt. Und die Nagra muss Auswirkungen der tiefenabhängigen Ausbaukonzepte auf die Langzeitsicherheit des Atommülllagers bewerten.

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