Atomabfälle
Atom-Zwilag erst zu einem Viertel gefüllt – wird es bald als Endlager betrieben?

Die Anlage des Zwischenlagers für Atomabfälle in Würenlingen könnte rein technisch auch als Endlager betrieben werden. Trotzdem soll es ein Tiefenlager nicht ersetzen. Momentan wird eine Halle zur Stilllegung des AKW Mühleberg vorbereitet.

Fabian Hägler
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«Lagerkapazitäten für Jahrzehnte» – dieser Slogan steht auf der Website des Zwischenlagers für Atomabfälle in Würenlingen (Zwilag). Doch wie lange reicht der Platz im Zwilag aus, um die Abfälle aus den fünf Schweizer Atomkraftwerken einzulagern?

Diese Frage stellt sich, weil auch die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) heute nicht weiss, wann das erste Atomendlager in der Schweiz seinen Betrieb aufnehmen wird.

«Eine Jahreszahl für den Baubeginn kann ich nicht nennen», sagte Nagra-Geschäftsleiter Thomas Ernst am Donnerstag vor den Medien.

Zwilag auch langfristig nutzbar

Andrea Portmann, Mediensprecherin des Zwilag, hält auf Anfrage fest: «Für uns spielt es grundsätzlich keine Rolle, wie lange es dauert, bis ein Tiefenlager in Betrieb geht.» Portmann erklärt, das Zwilag sei projektiert und gebaut worden, «um sämtliche Abfälle aus dem Betrieb und der Stilllegung der Schweizer Atomkraftwerke aufzunehmen».

Rein technisch wäre es möglich, Atomabfälle im Zwilag mehrere hundert Jahre lang zu lagern. «Das heisst aber nicht, dass das Zwilag ein Tiefenlager ersetzt», hält Portmann fest.

Mit der Anlage in Würenlingen habe man aber die Möglichkeit, Verzögerungen von einigen Jahren aufzufangen, bis ein definitives Tiefenlager betriebsbereit sei. «Deshalb bereitet uns die Aussage des Nagra-Chefs kein Bauchweh», betont Portmann.

Derzeit ist das Zwilag zu rund einem Viertel gefüllt: In der Halle für abgebrannte Brennelemente und hochradioaktive Abfälle stehen 40 Behälter, bis Ende 2014 dürften es
45 sein. Bei voller Belegung finden in dieser Halle rund 200 Behälter stehend Platz.

«2018 erwarten wir die letzten Lieferungen aus der Wiederaufbereitung, danach wird nur noch Abfall aus dem laufenden Betrieb der Schweizer Kraftwerke angeliefert», erklärt die Mediensprecherin.

Schon im vergangenen Jahr hat die Zahl der verarbeiteten Rohabfall-Fässer stark abgenommen: 2013 waren es 637 Fässer, im Vergleich zu 2012 mit 1486 Fässern ein markanter Rückgang.

Portmann erklärt: «In den ersten Jahren war die Plasma-Anlage, wo Abfälle eingeschmolzen und verglast werden, nicht sehr effizient. Deshalb wurden Rohabfälle im Zwilag gelagert und erst später verarbeitet.» Inzwischen sind alle Lager-bestände verglast, deshalb wird pro Jahr auch nur noch eine Kampagne mit dem Plasma-Ofen gefahren.

Platz für Mühleberg-Abfälle

Das Lagergebäude für schwach- und mittelaktive Abfälle ist derzeit zu 24 Prozent belegt, wie Portmann ausführt. Eine dritte Halle dient im Moment als Lager für konventionelle Materialien.

Im Hinblick auf die Stilllegung des AKW Mühleberg im Jahr 2019 wird sie für eine Nutzung als Lager für radioaktive Abfälle vorbereitet. «Diese Halle ist gross genug, um sämtliche Abfälle aufzunehmen, die bei der Stilllegung der Schweizer Kernkraftwerke anfallen», hält Portmann fest.

Ausserdem sei ein grosser Teil des Abfalls, der in Mühleberg entstehe, gar nicht radioaktiv.