Asylwesen
Asylunterkünfte zu 98 Prozent belegt: Können Container Abhilfe schaffen?

Zuweisungen steigen stark: Heute müssen im Kanton Aargau 1560 Asylbewerber untergebracht werden. Damit ist die Auslastung von 98 Prozent erreicht – vor allem Eritreer werden im Kanton einquartiert.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Bringen Wohncontainer die Lösung für die Platznot an Asylunterkünften?

Bringen Wohncontainer die Lösung für die Platznot an Asylunterkünften?

Keystone

7,7 Prozent der Flüchtlinge, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen, muss der Kanton Aargau aufnehmen. Dies ergibt sich aus der Bevölkerungszahl im Vergleich mit anderen Kantonen. «Wir werden vom Bund täglich per Mail über die aktuelle Zuweisung informiert», sagt Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales (DGS).

In den letzten Tagen sind die Zahlen, die beim Amt für Migration und Integration und beim kantonalen Sozialdienst eingingen, deutlich angestiegen. Bis gestern Donnerstag wurden dem Aargau im laufenden Monat bereits 58 Asylbewerber zugewiesen – davon stammen 39 aus Eritrea. Geht diese Entwicklung weiter, müssten im Juli mindestens 180 Flüchtlinge einquartiert werden.

Dies wäre die höchste Zahl seit Jahresbeginn und würde die Platznot in den kantonalen Asylunterkünften weiter verschärfen. Heute müssen 1560 Asylbewerber untergebracht werden, dafür stehen 1587 Plätze zur Verfügung, die Auslastung beträgt 98 Prozent.

Die Herkunftsländer der Asylbewerber im Aargau

Die Herkunftsländer der Asylbewerber im Aargau

Kanton Aargau

Aufnahmezentrum in Buchs

Bis ein Asylbewerber seinen definitiven Platz in einer Unterkunft hat, kann es laut Bruder zwischen zwei Wochen und zwei Monaten dauern. Er erläutert den Ablauf für Flüchtlinge, die vom Bund dem Aargau zugewiesen werden. «Die Asylsuchenden bekommen an der Empfangsstelle des Bundes ein Billett für die Reise und melden sich dann beim Amt für Migration und Integration, ehe sie ins Erstaufnahmezentrum Torfeld in Buchs kommen.» Dort sind rund 100 Personen untergebracht, die von Leuten des kantonalen Sozialdienstes und des Fachbereichs Unterbringung und Betreuung betreut werden. Diese Experten entscheiden auch über die Zuweisung der Asylsuchenden auf die einzelnen Unterkünfte. «Die Zuweisung ist bei voll ausgelasteten Unterkünften schwierig, insbesondere in Bezug auf die Unterbringung von Grossfamilien und Angehörigen unterschiedlicher Ethnien», räumt Bruder ein.

Bestand kaum gesunken

Vor Probleme stellen den Kanton nicht nur die neuen Flüchtlinge, wie ein Blick in die Statistik zeigt. So gingen die Zuweisungen des Bundes an den Aargau 2013 im Vergleich zu 2012 um 525 zurück, der Gesamtbestand von Asyl-bewerbern nahm aber lediglich um 44 Personen ab. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits dauern die Verfahren lang und es ist schwierig, abgewiesene Asylbewerber in ihr Herkunftsland auszuschaffen. «Es kann auch lange dauern, bis wir Asylsuchende mit positivem Entscheid, die aber keine Wohnungen finden, nicht mehr unterbringen und betreuen müssen», erklärt Bruder.

Wenn nun die Zuweisungszahlen wieder steigen, dürften die Asylunterkünfte im Aargau bald voll belegt sein. Könnte der Kanton mit zusätzlichen Betten oder Matratzen für mehr Platz sorgen, oder verbieten dies die Brandschutzvorschriften? DGS-Sprecher Bruder sagt: «Die Unterkünfte haben ihre Kapazitätsgrenzen, die eingehalten werden.»

Container für Asylbewerber?

Eine andere Möglichkeit, zusätzliche Plätze zu schaffen, hat Grossrat Daniel Wehrli (SVP, Küttigen) letzte Woche im «Blick» ins Spiel gebracht. Er schlug vor, in Industriegebieten günstige Siedlungen aus Occasions-Containern aufzustellen. «Diese Lösung ist doch viel besser, als die Asylsuchenden in Luftschutzbunkern oder Wohnquartieren unterzubringen», argumentierte Wehrli. Auf diesen Vorschlag angesprochen, erwidert Balz Bruder: «Der Kanton verfügt über Container, die für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden können.» Dafür müssten sich allerdings Areale finden lassen, auf denen dies «eigentumsrechtlich möglich sowie bau- und zonenplanrechtlich zulässig ist», schränkt Bruder ein.