Aarau
Asylunterkunft neben Kantonsspital Aarau: Sogar die SVP ist dafür

Die Aussicht auf 70 Asylbewerber auf der anderen Strassenseite ist für den CEO des Kantonsspitals Aarau nicht schlimm. Auch die Ortsparteien scheinen sich damit abzufinden.

Thomas Röthlin
Merken
Drucken
Teilen
Die Gemeinde Suhr hat die Bewilligung für bauliche Anpassungen für eine Asylunterkunft bis 70 Plätze im ehemaligen Schwesternhaus an der Südallee 22 in Aarau erteilt.

Die Gemeinde Suhr hat die Bewilligung für bauliche Anpassungen für eine Asylunterkunft bis 70 Plätze im ehemaligen Schwesternhaus an der Südallee 22 in Aarau erteilt.

Patricia Schoch / az

Der am Dienstagmorgen publik gewordene Plan, im leerstehenden «Schwesternhaus» der Pflege-Fachschule 60 bis 70 Asylbewerber unterzubringen, sorgt bei den Lesern der Aargauer Zeitung für wenig Freude. «Goht’s no – die armen Patienten im Kantonsspital!!!!!!!» lautet ein Kommentar auf www.aargauerzeitung.ch.

Die Höhere Fachschule Gesundheit und Soziales liegt unmittelbar neben dem Kantonsspital Aarau (KSA) an der Südallee 22 auf Suhrer Boden. Doch für den CEO des KSA, Hans Leuenberger, ist die «Situation relativ unkritisch», wie er auf Anfrage mitteilt. Bei den Personen, die gleich nebenan einziehen würden, handle es sich ja hauptsächlich um Frauen und Kinder. Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales sprach am Dienstag auch von Jugendlichen im Ausbildungsalter und «verletzlichen» Personen, die von der Nähe zum KSA profitieren könnten.

Irgendwo müssten Asylsuchende ja untergebracht werden, gibt Leuenberger zu bedenken: «Das Sankt-Florians-Prinzip bringt doch nichts.» Ausserdem habe das Spital einen Sicherheitsdienst, der sich mit jenem des Kantons absprechen werde.

Leuenberger ist froh, dass das Notfallszenario vom Tisch ist, die Geschützte Operationsstelle (Gops) auf dem KSA-Gelände für Asylbewerber zu öffnen. Die Gops wäre für eine solche Klientel «nicht zumutbar» gewesen, was geheissen hätte, dass im Bunker alleinreisende junge Männer Unterschlupf gefunden hätten. «Grösste Bedenken» hätte er deshalb gehabt, sagt Leuenberger.

Erste Reaktionen der Ortsparteien sind ebenfalls positiv. Christoph Schmid, Präsident der SP Aarau, schreibt: «Die vorgesehenen Abklärungen erscheinen uns als richtig, und es wird sich zeigen, ob diese Zwischennutzung wirklich in diesem Wohnhaus möglich ist.» Auch die Grünliberalen Aarau «begrüssen die Bemühungen, die leerstehende kantonseigene Immobilie der Pflegeschule vor der Sanierung vorübergehend einer zweckhaften Nutzung zuzuführen», lässt Vorstandsmitglied Alexander Umbricht ausrichten. Und Sonja Eisenring, Präsidentin der CVP Aarau: «Wir unterstützen diese Zwischennutzung. Entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung wird die Umsetzung gemäss den heutigen Versprechungen sein (keine alleinstehenden Männer, Begleitmassnahmen, temporäre Nutzung).»

Selbst der Suhrer SVP-Präsident Daniel Kopp ist persönlich zuversichtlich: «Die Baute steht zur Verfügung, man kann die Asylbewerber gut im Auge behalten.» Es gelte aber zu vermeiden, «dass der nahegelegene Spitalpark quasi zum Tummelfeld von dubiosen Asylbewerbern verkommt».