Flüchtlinge

Asyl-Jobs-Idee findet bei Aargauer Firmen Akzeptanz: «Wieso nicht?»

Hans-Peter Dreier, CEO der international tätigen Dreier AG in Suhr, steht der Idee von Asyl-Jobs offen gegenüber.

Hans-Peter Dreier, CEO der international tätigen Dreier AG in Suhr, steht der Idee von Asyl-Jobs offen gegenüber.

Das Möbelhaus Ikea und der Transporteur Planzer wollen Asylsuchende beschäftigen. Eine Umfrage bei Unternehmen im Aargau zeigt: Die Idee findet Akzeptanz, wie bei Dreier AG in Suhr. Sie hat aber auch klare Gegner, wie beim Transporteur Ulrich Giezendanner.

Die Ikea will im nächsten halben Jahr Praktika für Flüchtlinge anbieten. Und Nils Planzer, Verwaltungsratspräsident des Dietiker Transport- und Logistikunternehmens Planzer, sagte gegenüber der az, er könne sich «sehr gut vorstellen», den Bedarf an Arbeitskräften auch mit Asylsuchenden zu decken. Wie kommt die Idee bei Aargauer Unternehmen an, die Waren transportieren und grosse Lager führen?

Hans-Peter Dreier, CEO der international tätigen Dreier AG in Suhr, steht ihr offen gegenüber. Er habe sich auch schon gefragt: «Wieso eigentlich nicht?» Natürlich dürfe man damit keine Wirtschaftsflüchtlinge fördern. «Aber wieso sollten wir einem Flüchtling, der in der Schweiz bleiben darf, keine Chance geben?»

Praktikumsplätze für Flüchtlinge: Das schwedische Möbelhaus IKEA und das Transportunternehmen Planzer wollen bald Flüchtlinge einstellen.

Praktikumsplätze für Flüchtlinge: Das schwedische Möbelhaus IKEA und das Transportunternehmen Planzer wollen bald Flüchtlinge einstellen.

Der Chef des Logistikunternehmens beantwortet seine Frage gleich selbst: «Da spricht für mich nichts dagegen. So könnten die Sozialwerke der Gemeinden entlastet werden.» Es gebe viele Leute, die eigentlich arbeiten könnten, aber nicht wollten. «Statt uns mit solchen Bewerbern abzumühen, nehmen wir lieber jemanden, der vielleicht nicht 100 Prozent Schweizerdeutsch spricht, dafür aber will und kann.»

Gerade unter Chauffeuren und Lageristen sei man es sich wegen der vielen Nationalitäten im internationalen Transport ohnehin gewohnt, «sich teilweise mit Händen und Füssen zu verständigen». Die Sprache sei deshalb nicht immer so wichtig. «Vielleicht gibt es in unserer Branche dafür mehr Verständnis als in anderen», hofft Dreier. Ein konkretes Projekt, um Asylsuchende zu beschäftigen, hat die Dreier AG nicht geplant – vor allem, weil sich der Arbeitsmarkt «derzeit eher wieder entspannt», wie der CEO erklärt. Er behalte die Idee aber auf jeden Fall im Hinterkopf.

Handelskammer: «Nicht klug»

Ganz anderer Meinung als Dreier ist Ulrich Giezendanner. Der Transportunternehmer und SVP-Nationalrat aus Rothrist sagte zu Tele M1: «Solche Signale dürfen wir nicht ins Ausland senden. Die Leute rufen dann zu Hause an und erzählen, wie gut sie es hier haben.» Auch der aargauische Handelskammer-Präsident Daniel Knecht zeigt sich skeptisch: «Wir haben bereits heute teilweise Probleme, Leute mit nicht so guten Qualifikationen zu integrieren. Jetzt einfach die Tür aufzumachen, wäre nicht klug», sagte er zum Regionalfernsehen.

Beispiel aus dem Pilotprojekt des Bauernverbands: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach in Füllinsdorf. Der Gemüsebauer aus dem Baselbiet ist einer der zehn am Projekt beteiligten Landwirte.

Beispiel aus dem Pilotprojekt des Bauernverbands: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach in Füllinsdorf. Der Gemüsebauer aus dem Baselbiet ist einer der zehn am Projekt beteiligten Landwirte.

Wie sieht es bei den Grossverteilern aus, die im Aargau wichtige Logistikzentren betreiben? Denner führt ein Zentrallager in Mägenwil. Sprecher Thomas Kaderli sagt: «Derzeit kennt Denner kein derartiges Programm.» Aktuell beschäftige man aber allein in der Logistik Mitarbeitende aus mehr als 35 Nationen. Kaderli: «Eine gültige Arbeitsbewilligung wird vorausgesetzt. Bei uns erhalten alle Bewerber die gleiche Chance. Sollten Asylsuchende über die nötigen Bewilligungen verfügen, könnten sie sich nach dem üblichen Vorgehen bewerben und bei Bedarf und erforderlicher Qualifikation rekrutiert werden.»

Bei Coop mit seinem grossen Logistikzentrum in Schafisheim werden «die meisten vakanten Stellen mit unseren Grundbildungsabgängern besetzt», wie Sprecher Urs Meier erklärt. Die Wahl des geeigneten Kandidaten für eine freie Stelle liege in der Hoheit der einzelnen Verkaufsregionen. «Es steht den Verkaufsregionen frei, vorläufig Aufgenommene zu engagieren. Bewerbungen werden grundsätzlich gleichwertig behandelt.» Massgebend sei die Erfüllung der jeweiligen Anforderungen für die Funktion, etwa die entsprechende Sprachkompetenz bei Mitarbeitenden mit direktem Kundenkontakt.

Mehrere Aargauer Transporteure waren gestern nicht erreichbar – oder wollten sich auf Anfrage explizit nicht zum Thema äussern.

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