Debatte
Ärzte und Apotheker streiten sich um Medikamentenabgabe

Ärzte und Apotheker sind nach wie vor uneins in der Frage, ob Ärzte selber Medikamente abgeben dürfen oder nicht. Ein Runder Tisch zur Frage scheiterte. Beide Berufsverbände halten an ihren Volksinitiativen fest. Eine baldige Abstimmung ist das Ziel.

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Eine Schublade mit Medikamenten (Symbolbild)

Eine Schublade mit Medikamenten (Symbolbild)

Keystone

Das Aargauische Gesundheitsdepartement versuchte an einem Runden Tisch mit Vertretern des Aargauischen Apotheker- sowie des Ärzteverbandes eine Lösung zur Regelung der Medikamentenabgabe zu finden.

Die Ärzte fordern mit einer Initiative, dass sie selber Arzneien ausgeben dürfen, die Apotheker fordern mit einer eigenen Initiative genau das Gegenteil, dass nur Apotheken Medikamente abgeben dürfen. Weil keine Einigung erzielt werden konnte, halten beide Berufsverbände an ihrer Initiative fest.

Nun muss sich die Aargauer Regierung zur Frage äussern. Das zuständige Gesundheitsdepartement wird eine entsprechende Stellungnahme ausarbeiten.

Darum geht es:

Die Aargauer Ärzte haben mit 7831 Stimmen die Initiative «Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe» eingereicht. Die Ärzte wünschen, dass im Kanton die bisher verbotene Selbstdispensation (SD) von Medikamenten eingeführt wird, wie etwa in den Nachbarkantonen Luzern und Solothurn. Die Apotheker wehren sich gegen diese «Zusatzverdienst-Initiative». Studien hätten gezeigt, dass für Ärzte ein finanzieller Anreiz bestehe, mit dem Medikamentenverkauf ihr Einkommen aufzubessern, was wiederum das Gesundheitswesen verteure.

Die Aargauer Apotheker setzen auf die Zusammenarbeit mit den Ärzten und haben ihre Initiative «Ja zu Miteinander statt Gegeneinander» mit der Rekordzahl von 47334 Unterschriften für einen Verfassungsartikel eingereicht. Die Apotheker wollen am Prinzip «Wer verschreibt, verkauft nicht» festhalten und weisen auf das niederschwellige Angebot der Apotheke als erste Anlaufstelle, auf die langen Öffnungszeiten und den Notfalldienst hin. Die Schweiz ist in Europa das einzige Land, wo in 13 Kantonen die SD durch Ärzte erlaubt ist. (psi)