Guido Künzler tanzt aus der Reihe. Er ist mit seinen 44 Jahren mit Abstand das jüngste Mitglied der Schwyzerörgeli-Musig Mutschellen, kurz SöMM. Und der Einzige des Quartetts, der nicht im Aargau wohnt, sondern im zugerischen Menzingen. 

Der musikalische Leiter Tristan Gremper (69) lebt ebenso in Berikon wie SöMM-Senior Heinz Duttweiler (79). Kontrabassist Rolf Marti (58) reist jeweils aus Brittnau zu den wöchentlichen Proben auf den Mutschellen ins Berikerhus.

Dennoch ist Künzler nach Tristan Gremper, der die Formation 1985 gegründet hat, schon seit 1992 dabei. Heinz Duttweiler sitzt seit 1999 in dieser Formation am Örgeli, Rolf Marti ist 10 Jahre später als Kontrabassist dazu gestossen.

SöMM ist nicht nur etwas ungewöhnlich zusammengesetzt, SöMM tönt auch so. «Wir bevorzugen eine eigenständige Interpretation der alpenländischen Volksweisen und nehmen nicht den Anspruch, die traditionelle Volksmusik identisch zu spielen», ist auf der Homepage (www.sömm.ch) nachzulesen. Was heisst das? «Wir spielen nicht unbedingt anders als die andern, aber wir legen die Volksweisen etwas anders aus», erklärt Tristan Gremper den speziellen Sound des Quartetts.

Gute Arrangements sind wichtig

«Wenn ein Örgeler, eine Geigerin und ein Gitarrist in einer Formation zusammen spielen, heben sich die einzelnen Instrumente schon von Natur aus voneinander ab. Wir hingegen spielen mit drei Örgeli und müssen Wege suchen, damit sich der identische Klang der drei Instrumente nicht zu einem musikalischen Brei vermengt», fährt der musikalische Leiter weiter. Die SöMMer legen grossen Wert auf gute Arrangements: «Einer spielt die erste Stimme, einer die zweite und der Dritte, nebst Rhythmik und Akzentuierung, wenn möglich und passend noch eine weitere Stimme dazu».

Fertige Arrangements gibt es in diesem Genre praktisch nicht. Sie werden in den intensiven Proben, zu der sich die Formation wöchentlich einmal trifft, erarbeitet.
«In der Regel habe ich Noten für die erste Stimme, der Rest entsteht nach und nach», sagt Tristan Gremper.

 «Es ist sicher so, dass ich eine gewisse Vorarbeit leiste. Meine Kollegen wirken jedoch an der Entwicklung der Arrangements immer mit und lassen ihre Ideen in die Gestaltung des jeweiligen Stücks einfliessen. Wir verstehen uns mittlerweile so gut, dass wir in den Proben rasch den gemeinsamen Nenner finden.»

Wichtigste Nebenbeschäftigung

Das liegt wohl auch daran, dass sich in der SöMM vier Männer gefunden haben, die alle über eine solide musikalische Grundausbildung verfügen, mehrere Instrumente beherrschen und auch in verschiedenen Musikstilen zu Hause sind.

Tristan Gremper, der Ex-Finanzchef der Gemeinde Berikon, ist in Aesch BL aufgewachsen und hat sich im Alter von sieben Jahren erstmals hinter ein Klavier gesetzt, fleissig geübt und später vom Konservatorium geträumt.

Sein Vater war dagegen und so wurde Musik für ihn nicht zum Beruf, aber zur wichtigsten Nebenbeschäftigung. «In den wilden Sechzigern bin ich vom klassischen zum rockigen Klavierspieler geworden und habe in den 80er-Jahren die Volksmusik wieder entdeckt, mit der ich im Elternhaus aufgewachsen bin.» Gremper hat sich autodidaktisch das Örgelen beigebracht und danach die Urformation von SöMM gegründet.

Crashkurs in Volkstanz vor dem Eidgenössischen Volksmusikfest Aarau.

Crashkurs in Volkstanz vor dem Eidgenössischen Volksmusikfest Aarau.

Heinz Duttweiler ist in Zürich aufgewachsen und ist ausgebildeter Handharmonika-Lehrer, spielt aber auch Klavier, Rolf Marti hat Blockflöte gelernt und, weil man damit kaum Led Zeppelin interpretieren kann, sich das Gitarrenspiel selber beigebracht und später im Lehrerseminar Aarau Querflöten-Unterricht genommen.

«Gezwungenermassen, weil man dort nicht Gitarre lernen konnte», wie er heute sagt. Mittlerweile ist er auf den Kontrabass umgestiegen und spielt neben SöMM auch in einer Klezmer-Formation.

Guido Künzler ist im Zugerland mit der Volksmusik aufgewachsen, hat die Musikausbildung im Lehrerseminar mit Klavier und Gitarre abgeschlossen, sich dann aber dem Schwyzerörgeli verschrieben.

«Seine musikalische Intuition zusammen mit seiner rhythmischen Begabung und seiner Spielweise auf den Knurrbässen sind Guidos Markenzeichen und eine der Charakteristiken des SöMM-Sounds», kann man seinem Porträt auf der Homepage entnehmen.

Regelmässig an «Eidgenössischen»

Von der Schwyzerörgeli-Musig Mutschellen gibt es bisher vier Tonträger, die aktuellste CD «händisch» ist vor fünf Jahren aufgenommen worden. Die Formation war auch schon in Radio und TV SRF zu Gast und ist an Eidgenössischen Musikfesten seit 1991 regelmässig vertreten.

In Aarau ist SöMM am 12. September um 13.12 Uhr in der Tuchlaube zu hören. Wie bereitet man sich auf einen solchen Anlass vor? «Ein Musikfest ist jedes Mal ein Erlebnis. Man kann sich einem grossen Publikum zeigen und – wenn man will – von Juroren bewerten lassen», erklärt Tristan Gremper, der an grossen Volksmusikanlässen auch schon selber als Experte tätig gewesen ist.

Noten gibt es in Aarau keine und auch keine Rangliste: «Wer sich bewerten lässt», erläutert Gremper, «bekommt eine Urkunde, auf der Lob und aufbauende Kritik festgehalten sind. Die Kritik soll nicht tadeln, sondern helfen, auf dem musikalischen Weg weiterzukommen.»

SöMM spielt in Aarau zwei Kompositionen, die im Laufe des Jahres neu arrangiert worden sind. Speziell nervös sind die vier Musiker nicht, doch: «Selbstverständlich nehmen wir den Anlass ernst und haben uns entsprechend vorbereitet.

Das Volksmusikfest werden wir nicht nur als Musiker geniessen, sondern auch gesellschaftlich.» Die Mitglieder von SöMM, erklärt der Gründer abschliessend, pflegten nicht nur die Volksmusik, sondern ebenso eine freundschaftliche Beziehung untereinander. «Wir sind über die Jahre eine richtige Familie geworden.»

Uraufführung der Festkomposition «Z Aarau esch de Adler los»

Uraufführung der Festkomposition «Z Aarau esch de Adler los»