Es ist der Albtraum von Spitalpatient Andreas Meier: Am gleichen Tag, an dem ihm der Blinddarm entfernt werden soll, ist Patient Armin Meyer im Nebenzimmer mit seinem Leistenbruch dran – und prompt werden die beiden verwechselt.

So etwas sei wirklich sehr selten und in den letzten Jahren nicht vorgekommen, wird vom Kantonsspital Aarau versichert.

Trotzdem soll dort nun das Patientenidentifikationsband (PIB) eingeführt werden, um Verwechslungsgefahren vor Eingriffen zu reduzieren.

Vorerst nur Personalien

Was wir aus amerikanischen Fernseh-Serien kennen, werde seinen Siegeszug durch die Schweizer Spitäler fortsetzen, gibt man sich in Aarau überzeugt.

Auf dem Patientenarmband sind Name, Vorname und Geburtsdatum des Patienten sowie das Spitallogo und ein Barcode aufgedruckt.

Das System wurde bereits an der Kinderklinik des KSA erprobt. «Wenn sich die jungen Patienten nicht äussern können, verschafft so ein Band mit seinen Informationen Klarheit», wird Thomas Holler, Leiter Medizincontrolling und Qualitätsmanagement, im KSA-Magazin zitiert.

Ab Frühjahr 2015 werden nun alle Patienten mit den Armbändern ausgestattet. Bei der Einführung geht es vor allem darum, dass verwirrte, fremdsprachige oder nicht ansprechbare Patienten schneller, einfacher und sicherer identifiziert werden können.

Dass Verwechslungen vorkommen können, zeigte ein Fall, der zum Glück zwar keine fatalen Folgen hatte, letztes Jahr aber für Schlagzeilen sorgte: Eine gebürtige Türkin wurde im Spital Langenthal BE am falschen Finger operiert.

Der Fehler blieb längere Zeit unentdeckt, schliesslich liess sich die Frau dann im Kantonsspital Aarau einen sogenannten Anker im richtigen Finger einsetzen.

Auf dem Patientenarmband, das in Aarau künftig verwendet wird, könnten anhand des Barcodes auch weitere Daten als bloss die Personalien in die Spitalsysteme eingelesen werden.

Darauf werde aber «zunächst» verzichtet, wie das KSA auf Nachfrage mitteilte. Das gilt auch für das Kantonsspital Baden, wo die Patientenarmbänder nächstes Jahr ebenfalls eingeführt werden sollen, wie Sprecher Marco Bellafiore erklärt.

Die Option für die Speicherung medizinischer Daten auf den Armbändern sei da, ob und wann man von dieser Möglichkeit Gebrauch machen will, sei aber noch völlig offen.

Patienten anfänglich skeptisch

Grosse Investitionen bedingt die Neuerung nicht. Der Aufwand sei sehr überschaubar, so KSA-Sprecherin Andrea Hopmann.

Das Beschreiben der Armbänder erfolge über handelsübliche Drucker, die im Spital bereits vorhanden sind. Stellt sich eigentlich nur die Frage: Warum wird ein solches System nicht schon längst angewendet, wenn es doch auf einfache Art einen «zusätzlichen Beitrag zur Patientensicherheit gewährleisten soll», wie das KSA in seinem Magazin schreibt?

Die Akzeptanz sei heute grösser als früher. Die anfängliche Skepsis, die manche Patienten zum Ausdruck brachten, habe man im Gespräch überwinden können, so Thomas Holler.

Inzwischen stosse das Patientenidentifikationsband fast durchgängig auf Zustimmung. Die Skepsis soll übrigens weniger Bedenken bezüglich Datenschutz betroffen haben, sondern eher die Befürchtung, als Patient zur anonymen Nummer zu werden.