Mellingen

Arina half nach Taifun auf eigene Faust in Philippinen – nun erhält sie Rotkreuz-Preis

Arina Ajina half den Kindern, die Flutkatastrophe zu verarbeiten.

Arina Ajina half den Kindern, die Flutkatastrophe zu verarbeiten.

Arina Ajina (27) reiste auf eigene Faust ins Taifun-Gebiet. Sie half im Katastrophengebiet, versorgte etwa Menschen mit Essen und Medizin. Jetzt erhielt sie den Aargauer Rotkreuz-Preis.

November 2013. Der Gedanke traf sie wie ein Schlag. «Das mach ich. Dort kann ich helfen.» Arina Ajina blickte auf den kleinen Infoscreen im Bus: «Supersturm wütet auf den Philippinen». Eineinhalb Monate später flog die 27-jährige Mellingerin in die vom Taifun zerstörte Region. Auf eigene Faust half sie einen Monat lang den Menschen in Not und baute eine Dorfkirche wieder auf.

Das Schweizerische Rote Kreuz Aargau (SRK) honorierte ihr Engagement gestern mit dem Rotkreuz-Preis 2014, der mit 10 000 Franken dotiert ist und in einen karitativen Zweck investiert werden soll. Für das SRK sei es ein zentrales Anliegen, junge Menschen zu motivieren, sich für benachteilige Menschen einzusetzen, sagte Vorstandsmitglied Chantale Bürli. «Arina Ajina hat bewiesen, dass eine junge, engagierte Frau etwas erreichen kann.»

«Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann mach ich es», sagt Arina Ajina. Sie höre immer auf ihren Bauch. Ihren Job hatte die Hospitality-Managerin bereits per Ende 2013 gekündigt, noch im Unklaren, was sie eigentlich tun wollte. Dann kam der Taifun.

Arina Ajjna bot Hilfswerken ihre Dienste an, Geld hatte sie keines – ohne Erfolg. Beim Schweizer Regisseur Michael Steiner, der Spenden für die zerstörte Schule seiner Schwiegereltern in der Stadt Tacloban sammelte, stiess sie auf offene Ohren. Mit gesammelten 8000 Franken flog sie am 2. Januar 2014 in die Hauptstadt Manila, um Steiner später in Tacloban zu treffen.

Ins Katastrophengebiet ging Arina Ajina auf eigene Faust, da der Kontakt zum Regisseur vorerst abbrach. In einem Bergdorf, abgeschnitten von Hilfsgütern, bot sie mit zwei französischen Volontären Hilfe an. Die Dorfkirche sei zerstört, hiess es. Also bauten sie – ohne Strom und Wasser – gemeinsam den «sicheren Ort und das Zentrum des Dorfes» wieder auf. Zudem versorgten sie die Menschen mit Essen und Medizin. «Wichtig war, dass sich jemand wirklich für sie interessierte», sagt Ajina. Sie habe wirklich etwas verändern können.

Übermannt von der Katastrophe

Nach zweieinhalb Wochen verliess sie das Dorf und ging nach Tacloban. «Nach dem Hoch kam das Tief», sagt Ajina, schliesst die Augen. In der Stadt wurde sie von der Grösse der Katastrophe übermannt. «Wem helfe ich, wem nicht? Wer bin ich, dass ich das entscheiden kann?» Sie wurde wütend auf sich selbst, wenn die Emotionen sie überkamen. «Ich wollte Hoffnung, nicht Mitleid spenden.»

In der Schule hätte Ajina unterrichten sollen, doch es gab keine Bücher mehr. «Alles weggeschwemmt, hiess es», sagt sie. Bereits vor Ort begann sie via Skype Schulbücher aus der Schweiz zu organisieren, was sie seit ihrer Heimkehr weitermacht. Mittlerweile ist der Container voll mit Hilfsgütern.

Da Unterrichten nicht möglich war, half Arina Ajina den Kindern, das Erlebte zu verarbeiten. «Sie zeichneten mit Kreide, wie die riesige Welle gekommen war.» Ajina sprach auch mit vielen Eltern und sicherte finanzielle Unterstützung zu, damit sie ihre Kinder wieder in die Schule schickten. Michael Steiners Schwiegereltern hatten dafür einen Fonds eingerichtet, in welchen auch Ajinas letzte 3000 Franken flossen.

Nach zwei Wochen bei einer Freundin in Australien kehrte sie heim. «Ich musste erst verarbeiten», sagt Arina Ajina, sie sei noch nicht bereit gewesen, zu erzählen. Nach wie vor spricht sie nicht gern darüber. «Worte werden dem Erlebten nicht gerecht, sie sind nicht präzise genug.»

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