«Für mich sind die Besucher jedes Jahr das Highlight.» Roland Baumgartners Stimme klingt zufrieden, wenn er über das «Argovia Fäscht» spricht. Stolz. Seit 15 Jahren arbeitet er als Geschäftsführer bei Radio Argovia. Dabei ist er allerdings schon viel länger. Er hat die Veranstaltung mit aufgebaut. Schon damals, als die Bezeichnung «Argovia Fäscht» noch in dreijähriger Ferne stand.

Damals war 1993. Das Jahr, in dem sich die 80er-Kultband a-ha auflöste, die Ärzte Wiedervereinigung feierten und Mariah Carey mit «Music Box» das erfolgreichste Album des Jahres herausbrachte. Es war auch das Jahr, in dem Radio Argovia seine Hörer anlässlich des dritten Geburtstages des Radiosenders zu einem Tag der offenen Tür einlud. Sie sollten nicht nur einen Einblick hinter die Kulissen der Radiowelt, sondern auch ein Dankeschön für ihre Treue erhalten. Der Andrang war gross: Etwa 1500 bis 2000 Personen wollten gemeinsam mit Radio Argovia feiern – ein Erfolg, der sich fortsetzte. Vervielfachte.

Jedes Jahr strömten mehr Besucher auf den Steiger-Parkplatz. Wo anfänglich ein Getränkestand und ein Grill standen, drängten sich fünf, bald zehn Beizli. Auf der kleinen Bühne standen Toni Vescoli oder regionale Künstler wie Claudia Piani. 1996 folgte die Umbenennung. Das Jahr, in dem Coldplay gegründet und Los Del Rio ihren Nummer 1-Hit «Macarena» landeten. Der Geburtstag von Radio Argovia wurde neu unter dem Namen «Argovia Fäscht» gefeiert.

Toni Vescoli - De Berg

Toni Vescoli - De Berg

Toni Vescoli live in Rubigen, Switzerland 2008.

Zu viele Besucher, zu wenig Platz

Irgendwann musste die gesamte Strasse für das «Fäscht» gesperrt werden. Doch die Belastung inmitten des Brugger Wohnquartiers voller Einfamilienhäuser wurde zu gross: Am letzten «Argovia Fäscht» im Steiger zählten die Veranstalter 8000 bis 10‘000 Besucher. «Das Publikum hat in der Masse gewohnt», beschreibt Baumgartner die Szenen. Und diese Masse kümmerte sich wenig darum, durch welchen Vorgarten sie stapften oder auf welchem privaten Grundstück sie sich erleichterten. Für die Veranstalter wurde klar: Der Steiger hatte seine Kapazität erreicht, ein neuer Platz musste her.

Fündig wurde das Team im Schachen, ebenfalls in Brugg. Wir schreiben das Jahr 2000, als sich Britney Spears und Rapper Eminem um die Chartspitze stritten und Pink ihre erste CD veröffentlichte. Hier fand das erste «grosse Argovia Fäscht» statt. Auf die Bühne wurden mit Florian Ast oder Marc Sway immer aktuellere Schweizer Sänger und Bands geladen. Doch die Schwierigkeiten des Standortes Steiger wurden bald auch im Schachen – eingegrenzt zwischen Pferderennbahn und Aare – Realität: Aus 10'000 Besuchern wurden 50'000, die die Organisatoren vor schier unlösbare Platz-, Verkehrs- und Sicherheitsprobleme stellten. Die Anfahrt von der Stadt in den Schachen dauerte zu Spitzenzeiten bis zu zwei Stunden. 

Als Baschi 2006 mit «Chum bring en hei» die Schweizer Charts erstürmte, zügelte das «Argovia Fäscht» aufs Birrfeld, wo es bis heute noch stattfindet. Mittlerweile sorgen 70 Beizli und Stände für kulinarisches Angebot. Vom Cervelat bis zur Frühlingsrolle. Vom einfachen Getränkestand bis hin zur Festhütte. Über 60 Prozent der Vereine, die die Stände führen, stammen laut Baumgartner aus der Region.

Im Zentrum stehen die Besucher

Während die Vereine ihren regionalen Charakter beibehalten, werden die Acts auf der Bühne immer internationaler. 2013 trat Megastar Sean Paul auf. Kommenden Samstag werden Top-Acts wie Hurts und Lukas Graham auf der Bühne stehen. Ein richtiges Open-Air will das «Argovia Fäscht» aber nicht sein. Zu teuer. Zu viel Konkurrenz. Das Risiko ist zu hoch. «Wenn wir anfangen, uns mit der Konkurrenz zu messen, müssten wir viel mehr Geld in die Hand nehmen.» Das würde sich in den Eintrittspreisen auswirken, die jetzt lediglich einen Unkostenbeitrag darstellen. Ausserdem wollen die Organisatoren auch «diesen charmanten Volksfest-Charakter» nicht verlieren, für welchen Aargauer wie ausserkantonale Besucher jedes Jahr aufs Birrfeld strömen.

Im Zentrum steht das Publikum – das war schon immer so. «Man spürt die Verbundenheit mit den Hörern. Egal, ob wir im kleinen Rahmen im Steiger oder jetzt gross auf dem Birrfeld feiern. Unsere Hörer fühlen sich als Argovianer», sagt Baumgartner. Und eines hätten die Besucher gemeinsam, egal, ob Dachdecker oder Aargauer Regierungsrat: «Sie alle kommen, um Spass am Anlass zu haben.» An diesem Geburtstagsfest, an der Aargauer #partyvomjahr.

Baschi im Delirium und die Fans im Freudentaumel: Die besten Momente des «Argovia Fäscht» 2016

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