Es sei ihm schwergefallen, den Unfall zu verarbeiten, sagt der Baggerführer aus der Innerschweiz und holt tief Luft. Zwei Bauarbeiter sind schwer verletzt worden, als der Bagger beim Schwenken eines mit Beton beladenen Kübels im Mai 2013 umkippte. Einer der Arbeiter trug eine Rissquetschwunde an der Stirn und einen Nasenbeinbruch davon.

Ausserdem brach er eine Hand, einen Fuss, mehrere Rippen und Dornfortsätze der Lendenwirbelsäule. Er stellte Strafantrag. Der andere Bauarbeiter verzichtete darauf. Gespräche mit seiner Frau hätten ihm geholfen, den Unfall zu verarbeiten, sagt der Baggerführer weiter vor Gericht aus. Dann ringt er nach Worten, stockt. Nach einer Pause fügt er an: «Ich kann nicht verstehen, warum ein Mitarbeiter aus der gleichen Firma mich nun verklagt.»

Zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 100 Franken ist der Baggerführer im November 2013 vom Staatsanwalt verurteilt worden, sowie zu einer Busse über 600 Franken und Kosten von 1887 Franken. Ausserdem wurde das Urteil im Strafregister eingetragen.

«Warum haben Sie gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben?», will Einzelrichterin Kathrin Jacober wissen. In erster Linie wegen des Eintrags ins Strafregister, sagt der Baggerführer. Und: Weil er nicht fahrlässig gehandelt habe. «Mir wird vorgeworfen, dass der Betonkübel die zulässige Nutzlast des Baggers um 75 Kilogramm überschritten habe. Das stimmt so aber nicht.» In der Folge tauchte die Einzelrichterin zusammen mit dem Angeklagten in eine Diskussion über Überlastsicherungen und zulässige Belastungen ein.

Der Baggerführer erklärte, dass er den Betonkübel nie mehr als 50 Zentimeter über den Boden gehoben habe. Die Nutzlast von 2300 Kilogramm, die laut Strafbefehl überschritten wurde, gelte aber für eine Höhe von 6 Meter. Erfolge der Betrieb auf geringerer Höhe, steige die Nutzlast entsprechend an. Ausserdem habe die Überlastsicherung des Baggers weder optisch noch akustisch angesprochen.

Seit einem halben Jahr arbeitete der Baggerführer mit dem Gefährt, als der Unfall passierte. Vom Polier habe er nur eine grobe Einweisung und keine Informationen über die maximale Nutzlast erhalten. Mit der Zeit habe er festgestellt, dass der Kübel nur etwa zur Hälfte gefüllt werden dürfe, damit der Bagger ihn noch ohne Probleme heben könne. Ob der fatale Kübel auch nur zur Hälfte gefüllt war, bleibt offen. Abgemacht mit dem Chauffeur, der den Beton angeliefert hatte, war es jedenfalls so. Doch der Baggerführer konnte dies von seinem Platz aus nicht überprüfen.

Der Anwalt des Baggerführers betonte in seinem Plädoyer, dass zu viele Punkte ungeklärt seien: So sei beispielsweise der Chauffeur nicht befragt worden und das Ladegewicht des Kübels sei im Nachhinein schwierig zu rekonstruieren. Nach einer kurzen Beratungszeit sprach die Einzelrichterin den Baggerführer frei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Er habe ihr glaubhaft versichert, dass er die Überlastsicherung nicht ignoriert habe. Ausserdem könnten die fehlenden Erhebungen im Rahmen der Untersuchung ihm nicht zur Last gelegt werden.