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Arbeitsplätze neben Daten-Bunker: So wird Lupfig zum «Silicon Valley»

Der Innovation Tower von Green.ch soll zum Herzstück eines «Silicon Valley des Aargaus» werden. Das neue Bürogebäude im Lupfiger Industriegebiet mit 300 Arbeitsplätzen ist grösstenteils vermietet und wird im Herbst 2016 bezugsbereit sein.

Peter Brühwiler
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Visualisierung des Innovation Towers: Im Herbst 2016 soll er bezugsbereit sein. zvg

Visualisierung des Innovation Towers: Im Herbst 2016 soll er bezugsbereit sein. zvg

Im Frühling sind die ersten Bagger aufgefahren. Nun, kurz vor Jahresende, steht der Rohbau des sechsstöckigen Innovation Towers im Lupfiger Industriegebiet West. Oder müsste man das Areal bereits mit «Silicon Valley des Aargaus» titulieren?

Gemeindeammann Richard Plüss winkt schmunzelnd ab. Dies sei ein Werbespruch von Franz Grüter und seiner Green.ch. Plüss bevorzugt den heute in seiner Gemeinde vorherrschenden breiten Branchenmix. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wirke dieser stabilisierend. Gegen die Sogwirkung, die der Rechenzentren-Betreiber und fünftgrösste Internetprovider der Schweiz entfaltet, hat er aber natürlich trotzdem nichts einzuwenden.

«Green.ch in Lupfig ist zum Symbol für Rechenzentren in der Schweiz geworden», sagte Grüter vor gut drei Jahren zur az. Damit sei ein erster Schritt in den Aufbau einer IT-Konzentration im ehemaligen Bauerndorf gemacht. Der nächste Schritt – der damals angekündigte Innovation Tower mit 300 Arbeitsplätzen – liess dann noch etwas auf sich warten. «Wir haben immer gesagt, dass wir erst bauen, wenn fünf Stockwerke vermietet sind», erklärt Grüter auf Anfrage.

HP und AppRiver

Anfang Jahr war dieser Punkt erreicht. Und im Herbst 2016 soll das Gebäude bezugsbereit sein. Hewlett-Packard gehört zu den Mietern. Oder die auf Virenschutz und Verschlüsselungsdienste spezialisierte Firma AppRiver aus Florida. Den Europa-Hauptsitz hat sie bereits 2012 in Lupfig angesiedelt, provisorisch bei der Antalis AG unweit des Innovation Towers

300 Arbeitsplätze

Das neue Bürogebäude im Lupfiger Industriegebiet mit 300 Arbeitsplätzen soll gemäss Green.ch zum Herzstück eines Clusters innovativer ICT-Firmen im Aargau werden. Etwa ein Viertel der verfügbaren 4200 Quadratmeter Bürofläche werden die Mitarbeiter von Green.ch nutzen. Der Innovation Tower erfülle hohe Ansprüche an Betriebssicherheit sowie Kommunikations- und Strominfrastrukturen, wirbt der Aargauer Internetprovider auf seiner Website. 450 Quadratmeter Bürofläche sind zurzeit noch frei, im Erdgeschoss und in der ersten Etage werden ein Restaurant und ein Fitnesscenter einziehen.

Den Daten folgen nun also Menschen. Darüber freut sich auch der Lupfiger Gemeindeammann. Der Innovation Tower bringe «Bewegung und Leben ins Ganze», sagt Plüss. «Server-Bunker wirken nach aussen ja eher abgeschirmt und tot.»

Innen sind sie dagegen vor allem eins: gefragt. Nachdem der Europäische Gerichtshof das Safe-Harbor-Abkommen mit den USA für ungültig erklärt hat, erwartet Grüter ein noch grösseres Interesse. «Immer mehr europäische Kunden verlangen von US-Unternehmen, dass die Kundendaten innerhalb des Kontinents gespeichert werden», sagt er. Und die Schweiz spiele in diesem Geschäft eine wichtige Rolle: «Bereits heute wird 20 Prozent des europäischen Datenvolumens hier gespeichert.» Nachdem Green in Lupfig in den letzten Jahren zwei Rechenzentren für je 50 Millionen Franken gebaut hat, könnte also bald Modul Nummer 3 folgen. «Wir haben Anfragen von sehr grossen Kunden», sagt Grüter. «Falls diese kommen, können wir den Ausbau in vielleicht zwei Jahren in Angriff nehmen.» Und nicht nur Green will bauen: «Wir erhalten viele Anfragen bezüglich Rechenzentren», sagt Monika Ulrich von der kantonalen Standortförderung Aargau Services. Ganz allgemein habe der Kanton ein grosses Potenzial im IT-Bereich, ist sie überzeugt.

IT braucht Zuwanderung

Ein möglicher Bremsklotz: der Fachkräftemangel. «Klar, ohne Zuwanderung wird es in der IT-Branche nicht gehen», sagt Grüter. Als neu gewählter Luzerner SVP-Nationalrat darf er die anstehende Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative aus nächster Nähe miterleben. «Wir werden das hinkriegen», ist er überzeugt. Eine starre Abschottung wolle ja auch seine Partei nicht. Die am vergangenen Freitag vom Bundesrat präsentierte Schutzklausel bezeichnet er allerdings als Alibi-Vorschlag. Er nehme «weder zum Inländervorrang noch zur eigenständigen Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung konkret Stellung».

Der Luzerner wünscht sich einen Inländervorrang à la Silicon Valley, wo er beruflich häufig unterwegs ist: «Firmen müssen dort allein für den Antrag, einen Ausländer anstellen zu dürfen, 6500 Dollar zahlen» – als Anstoss, sich zuerst nach inländischen Fachkräften umzusehen. Eine Fachkraft sucht er übrigens gerade auch: Wegen der Wahl ins Parlament will Grüter die operative Führung von Green.ch abgeben und sich auf das VR-Präsidium konzentrieren. «Die Gespräche laufen», sagt er. Mit dem Innovation Tower, den nächstes Jahr auch die 100 Green-Mitarbeiter beziehen, hat er für die Verhandlungen schon mal ein Ass im Ärmel.

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