FC Aarau
«Arbeitslose» Fussballer beim FC Aarau: Zwei Spieler beziehen vom RAV

Fussballer und Vereinspräsidenten in der Challenge League haben wegen ihrer Zweitklassigkeit finanzielle Probleme. Oft bleibt als einziger Ausweg, den Kickern einen Teilzeitjob zu bieten. Das Salär kann mit Arbeitslosengeld aufgestockt werden.

Peter Rombach
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Am Sonntag waren auf dem Brügglifeld in Aarau wegen Schnee alle FCA-Spieler arbeitslos – nicht nur die zwei, die stempeln

Am Sonntag waren auf dem Brügglifeld in Aarau wegen Schnee alle FCA-Spieler arbeitslos – nicht nur die zwei, die stempeln

Keystone

Fussballer und Vereinspräsidenten in der Challenge League haben wegen ihrer Zweitklassigkeit finanzielle Probleme. Jetzt mischte der «Sonntagsblick» die Szene mit der Behauptung auf, Klubs würden die Arbeitslosenkasse plündern, wenn sie allzu teuere Spieler als Teilzeitprofis beschäftigen. Das Blatt zitiert FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid: «Ich bin der Meinung, dass auch ein Fussballer das Recht hat zum Stempeln.»

Gestern sagte FCA-Geschäftsführer Robert Kamer gegenüber Aargauer Zeitung und Tele M1, sein Klub sei keineswegs in dubiose Finanzierungstricks verwickelt, um seine Spielerkader überhaupt finanzieren zu können.

«Wir stehen spielerisch wie finanziell gut da. Den Vorwurf der Abzocke können wir nicht akzeptieren», unterstreicht Kamer – und verweist gleichzeitig auf ein Prämiensystem beim FC Aarau. Es sei das gute Recht von Fussballern, Leistungen des RAV (regionales Arbeitsvermittlungszentrum) zu beziehen. Davon profitiere übrigens der Spieler und nicht der Verein. Kamer spricht, ohne Namen zu nennen, von zwei Spielern. Diese seien auf die neue Saison hin ohne Vertrag da gestanden. «Damit haben sie die Möglichkeit, sich zu präsentieren und auch schneller wieder einen Arbeitgeber zu finden.»

Das Modell funktioniert so, dass ein ehemaliger Spieler der Super League offiziell als Teilzeitprofi gilt und etwa 5000 Franken monatlich erhält. Der Sportler meldet sich beim RAV. Weil er gut verdiente, verlangt er nun die monatliche MaximalEntschädigung von 7350 Franken. Konkrete Zahlen über die Einkommenssituation in der Challenge League will Geschäftsführer Kamer nicht nennen, beschreibt aber eine Bandbreite zwischen 3000 bis 6000 Franken. In der höchsten Spielklasse dürfe man «locker vom Doppelten» ausgehen.

Ob angesichts der Trainings- und Spielverpflichtungen, der Reisen oder der repräsentativen Aufgaben noch ausreichend Zeit bleiben würde, einem zusätzlichen Broterwerb nachzugehen, will der FCAGeschäftsführer nicht beurteilen.

Anders sieht dies Thomas Buchmann, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, kommt es in erster Linie auf die «Vermittlungsfähigkeit» an. Der Klient müsse eine echte Chance haben, sich für einen neuen Job vermitteln zu lassen, damit er Arbeitslosengeld bekommt. «Es kommt immer auf den Einzelfall an, ob der Betreffende willens und in der Lage ist, die Stelle anzunehmen», so Buchmann. Betrügereien seien nie auszuschliessen. Clevere Klubmanager hingegen nutzten eventuell einfach gesetzliche Lücken. Durch die öffentliche Diskussion seien die Fussballvereine nun sicherlich sensibilisiert, meint Thomas Buchmann. Spezielle Kontrollen zieht deshalb er nicht in Erwägung.

Beim FC Wohlen, der ebenfalls in der Challenge League spielt, sind alle Spieler zu 100 Prozent angestellt. RAV-Gelder seien deshalb kein Thema, lässt der Verein ausrichten.

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