Folientunnel

Aprikosenstreit: Umweltverbände und Bauern kritisieren Gemeinden

Im Falle der Seetaler Folientunnels kritisieren Umweltverbände und Bauern die Gemeinden.

Im Falle der Seetaler Folientunnels kritisieren Umweltverbände und Bauern die Gemeinden.

Nach einer Aussprache zu den Seetaler Folientunnel fordern die Betroffenen eine korrekte Ausschreibung von Bauprojekten im Amtsbaltt und bessere Kontrolle durch den Kanton.

Zuletzt hatten sich Bauern und Naturschützer im Seetaler Aprikosenstreit gegenseitig heftige Vorwürfe gemacht. Die Aussage von Pro Natura, dass Aprikosen im Aargau nur unter Folientunnels wachsen könnten, sei falsch, sagte Ralf Bucher vom Bauernverband. Pro-Natura- Geschäftsführer Johannes Jenny entgegnete, die Bauern könnten wohl nicht damit leben, dass der Regierungsrat auf die Einhaltung der Vorschriften in der Landschaftsschutzzone poche.

Ob die Folientunnels von zwei Aprikosenbauern in Seengen und Egliswil stehen bleiben dürfen oder abgerissen werden müssen, wird das Verwaltungsgericht entscheiden. Dabei stehen sich die Interessen von Pro Natura, die sich gegen «Plastik-Landschaften in geschützten Gebieten» wehrt, und den Bauern, die dank den Tunnels auf Pestizide verzichten können, diametral gegenüber.

Konstruktiver Austausch und klarer Lösungsansatz

Zumindest in der Konferenz Aargauischer Natur und Umweltschutz Organisationen (Kanuso) sind sich Bauern und Naturschützer aber einig: Die Schuld liegt nicht bei ihnen. In der Konferenz treffen sich nebst lokalen und kantonalen Natur- und Umweltschutzorganisationen die Vereine und Verbände von Jagd und Fischerei sowie die IG Natur & Landwirtschaft und der Bauernverband Aargau. Am Donnerstag habe die Konferenz «das Debakel um die Aprikosentunnels in Egliswil und Seengen thematisiert», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung von Pro Natura, Birdlife Aargau und Bauernverband.

Der Austausch sei konstruktiv gewesen – und der Lösungsansatz, um ähnliche Fälle zu verhindern, klar: Die Gemeinden müssen Bauprojekte ausserhalb der Bauzone ab sofort korrekt im Amtsblatt ausschreiben. Weil dies im aktuellen Fall nicht passierte, erhielten die Aprikosenbauern die Baubewilligung und erstellten ihre Folientunnel. Erst später erfuhr Pro Natura davon, reichte eine Beschwerde ein und erhielt vom Regierungsrat Recht. So kam es zur Situation, dass die erstellten Folientunnels wieder entfernt werden müssen.

Gemeinden und Kantone werden in die Pflicht genommen

Die in der Konferenz vertretenen Experten der Natur- und Umweltschutzverbände waren sich gemäss Mitteilung einig, «dass die Verantwortung für das Debakel mit den Aprikosentunnels weder den betroffenen Landwirten noch Birdlife oder Pro Natura Aargau anzulasten ist, sondern der fehlenden Ausschreibung der Gemeinden».

Viele der 210 Gemeinden im Aargau würden Bauten ausserhalb der Bauzonen korrekt im Amtsblatt ausschreiben. Doch trotz klarer Rechtslage und Hinweisen der kantonalen Abteilung für Baubewilligungen gehe dieser wichtige Schritt vielerorts auch immer wieder vergessen. Bauern- und Umweltverbände nehmen aber nicht nur die lokalen Behörden, sondern auch den Kanton in die Pflicht.
«Baugesuche ausserhalb der Bauzonen laufen über diverse Schreibtische im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) und im Departement Finanzen und Ressourcen (DFR)», halten die Vertreter der Konferenz in ihrer Mitteilung fest.

Sie fordern das Baudepartement daher auf, «künftig mit einem standardmässigen Hinweis bei allen Eingängen für Gesuche für Bauten ausserhalb der Bauzonen oder mit einer anderen geeigneten Massnahme sicherzustellen, dass sämtliche Gemeinden ihrer Pflicht nachkommen.»

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