Darauf hatten die Eltern die Lehrerin wegen Tätlichkeit gegen ihren Sohn angezeigt. Vor zwei Wochen hat die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aargau das Verfahren nun eingestellt. Die Begründung: Die Lehrerin habe nicht vorsätzlich gehandelt, dem Schüler also keine Schmerzen zufügen wollen.

Laut der Einstellungsverfügung, welche der az vorliegt, habe die Lehrerin den Jungen lediglich aufgerichtet, um ein Abzeichnen zu verhindern. Dies ist laut der Staatsanwaltschaft nicht als Tätlichkeit, sondern als erzieherische Massnahme zu werten, um den Schüler vom «Betrügen» abzuhalten.

Damit ist der Fall aber nicht abgeschlossen: Willy Bolliger, der Rechtsanwalt der Eltern, hat die Einstellung des Verfahrens beim Obergericht angefochten. Für Bolliger ist der Entscheid der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehbar, wie er in der Beschwerde schreibt: «Die Beschuldigte gibt ja selber zu, dass sie den Jungen von hinten gepackt hat. Auch sagte sie aus, dass es möglich sei, dass dieser Schmerz empfunden habe. Sie habe dies aber nicht gewollt.»

Anwalt sieht Eventualvorsatz

Für den Anwalt ist klar: «Wer so zupackt, nimmt Tätlichkeiten in Kauf.» Das Verhalten der Lehrkraft beinhaltete diesen (Eventual-)Vorsatz. Die Lehrerin hätte laut Bolliger auch andere Möglichkeiten gehabt, um den Schüler auf einen «allfälligen Fehler» aufmerksam zu machen (ansprechen, zurufen, anstupfen etc.). «Ein hartes Zupacken war komplett unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt.»

Die Entscheidung, ob der Fall letztlich vor Gericht kommt, mit einem Strafbefehl für die Lehrerin ausgeht oder tatsächlich eingestellt wird, liegt nun beim Aargauer Obergericht. Willy Bolliger rechnet damit, dass rund drei Monate vergehen werden, bis über seine Beschwerde entschieden ist. (fh)