Hightechzentrum

Anton Lauber: «Man kann in der Startphase keine Wunder erwarten»

Anton Lauber an seiner jetzigen Wirkungsstätte: Zu Besuch bei einer Firma im Technopark Windisch.Chris Iseli

Anton Lauber an seiner jetzigen Wirkungsstätte: Zu Besuch bei einer Firma im Technopark Windisch.Chris Iseli

Von 30000 Unternehmen im Kanton Aargau seien rund 3000 im Bereich der höhreren Technologien engagiert, sagt Anton Lauber. Er baut das Hightechzentrum Aargau auf.

Der Aargau als Hightech-Kanton: Wo steht er heute auf einer Skala von 1 bis 10?

Anton Lauber: Wir stehen gesamtschweizerisch nicht an der Spitze, aber so auf Stufe 6 oder 7 würde ich den Aargau schon einordnen. Wir schätzen, dass von den rund 30000 Unternehmen im Kanton etwa 3000 im Bereich höherer Technologie engagiert sind. Wir haben eine ABB und eine Alstom mit eigenen Forschungs- und Entwicklungszentren. Wir haben das Paul-Scherrer-Institut als ganz wichtige Forschungsquelle. Der Kanton hat mit der Beteiligung am Swiss Nanoscience Institute (SNI) der Universität Basel eine wichtige Initiative ergriffen. Das hat Pioniercharakter. Das Umfeld für eine erfolgreiche Vorwärtsstrategie ist sicher sehr gut.

Die Hightech-Strategie ist vorerst auf den Zeitraum bis 2017 ausgerichtet. Wenn wir heute auf Stufe 6 oder 7 stehen: Wohin schaffen wir es bis dann?

Es ist schwierig, sich da festzulegen. Die messbaren Ziele der Strategie werden in der Ansiedlung neuer Firmen, die im Hightech-Bereich tätig sind, und in einer möglichst hohen Zahl von Arbeitsplätzen und vor allem umgesetzten Innovationen mit möglichst hoher Wertschöpfung liegen. In einer ersten Phase wird es darum gehen, das Hightechzentrum überhaupt als Partner und Supporter der Wirtschaft als professioneller Innovationsförderer bekannt zu machen und die Firmen dabei zu unterstützen, die vorhandenen Möglichkeiten noch besser und schneller auszuschöpfen. Zum Beispiel auch beim Beantragen von Förderbeiträgen der Förderagentur KTI des Bundes für wissenschaftsbasierte Innovation.

Sie sind als Verwaltungsratspräsident des Hightechzentrums gewissermassen der Aargauer Mister Hightech. Wie muss man sich diese Funktion vorstellen, was ist Ihre Aufgabe?

Zunächst geht es jetzt darum, die Institution auf die Beine zu stellen. Wir sind daran, einen Geschäftsführer für das Hightechzentrum zu suchen, es haben sich übrigens bereits über 100 Personen für den Posten beworben. Wichtig ist, dass die Institution auch wirklich KMU-freundlich wird. Man kann in der Startphase keine Wunder erwarten. Bis Mitte Jahr wollen wir aber so weit sein, dass man uns wirklich wahrnimmt. Wir wollen auch aktiv auf die KMU zugehen und ihnen die Innovationsförderungs- und Betreuungsangebote aufzeigen.

Wissens- und Technologietransfer, Innovationsberatung: Das klingt alles fantastisch, aber auch ein bisschen abstrakt. Was macht das Hightechzentrum?

Wir sind die Brücke für Technologie-, Forschungs- und Entwicklungssupport zu den KMU. Die KMU, das sind unsere Kunden, unser Markt. Jetzt gibt es eine Projektidee, die eine kleine KMU ohne spezialisiertes Wissen nicht in die Tat umsetzen kann. Dafür haben wir die Zulieferer. Das kann die Fachhochschule Nordwestschweiz sein, das Paul-Scherrer-Institut, es kann auch die Empa oder das Fraunhofer-Institut in Deutschland sein. Beim Hightechzentrum werden Fachexperten beschäftigt sein, die einerseits die Kontakte zu diesen Institutionen herstellen und selber Projekte führen können und auch in die Realisierung von Projekten in den Betrieben eingebunden sein werden.

Bis 2017 investiert der Kanton 38 Millionen in diese Strategie, wovon etwa 26 Millionen auf das Hightechzentrum entfallen. Reicht das aus, um eine breite Wirkung zu entfalten?

Es muss ausreichen, um die Sache aufzubauen und zum Laufen zu bringen, und das tut es meines Erachtens auch. Das Konzept sieht ja vor, dass wir eigene Leistungen erbringen. Langfristig sollte das Hightechzentrum die Eigenständigkeit erreichen. Es darf keine Selbstzweck-Organisation sein, sondern wir müssen uns an Bedarf und Wirkung in der Wirtschaft orientieren.

Ganz unbestritten ist dieser Bedarf nicht. Was ist Ihre Haltung als Mann der Wirtschaft zu ordnungspolitischen Bedenken, dass der Staat sich in unternehmerische Entwicklungen einmischt und sich finanziell engagiert?

Ich kenne die Diskussion und verstehe diese Bedenken. Zugegeben: Von einer skeptischen Warte betrachtet, könnte man von Subventionen sprechen, und dann ist das Ganze im Moment auch noch etwas abstrakt. Auf der anderen Seite ist der Transfer der mit öffentlichen Geldern finanzierten Forschungs- und Entwicklungsleistungen zur produzierenden Wirtschaft von allgemeinem Interesse. Die Kräfte dafür in einer Organisation wie dem Hightechzentrum zu bündeln, das wir jetzt als Drehscheibe aufbauen, macht absolut Sinn. Wir wollen in dieser Organisation Fachkräfte mit Praxisbezug haben, die die Sprache der Unternehmer verstehen und einen echten Support leisten können. So wird ein Mehrwert für die Aargauer Technologie-Unternehmen entstehen.

Sie haben es eingangs erwähnt: Wir haben im Aargau ja die Nähe zur Fachhochschule oder zu einem PSI und damit beste Voraussetzungen. Ist es nicht merkwürdig, dass es Sie da überhaupt braucht?

Als Technologie-Hebamme, meinen Sie? Doch, schon, denn es sind nicht alle Institutionen gleich marktorientiert und professionell aufgestellt. Der Hauptauftrag einer Fachhochschule zum Beispiel ist ganz klar die Ausbildung. An zweiter Stelle kommt die Weiterbildung und die angewandte Forschung und Entwicklung an dritter Stelle. Das heisst nicht, die Fachhochschulen würden in diesem Bereich zu wenig leisten, aber es stellt sich dann noch die Frage, wie bringen sie ihre Leistung an den Mann. Hier sind wir auch in der Rolle wie eine Helpline oder wie eine Marketingorganisation für die Bildungs- und Forschungsinstitutionen. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es aus Sicht der Wirtschaft existenziell, sehr schnell an relevante Informationen über technologische Entwicklungen zu kommen und sie umzusetzen. Ich bin überzeugt, dass wir hier eine wichtige Drehscheibenrolle anbieten können, die die Existenzberechtigung des Hightechzentrums beweisen wird.

Die Kantonalbank hat einen 10-Millionen-Fonds zur Förderung von Start-ups. Er ist noch voll, im Aargau wurde erst in eine einzige Firma investiert. Sind überhaupt erfolgversprechende Projekte da, die Sie unterstützen können?

Daran zweifle ich nicht. Die Risikobereitschaft auf Investorenseite hat selbstverständlich Grenzen, und bei Neugründungen ist die Floprate relativ hoch. Wenn es eine professionelle Begleitung und ein Coaching gibt, lässt sich die Erfolgsrate ganz markant steigern. Wir sind hier im Technopark Aargau in Windisch, wo ich seit einem Jahr Geschäftsführer bin, inzwischen bei einer Erfolgsquote von knapp 70 Prozent und damit noch nicht ganz dort, wo wir hin wollen.

Bleiben Sie Geschäftsführer des Technoparks und Präsident des Hightechzentrums in Personalunion?

Nein, das könnte zu Interessenkonflikten führen. Im Rahmen von HighTech Aargau mit dem Hightechzentrum als zentralem Element wird es eine Zusammenarbeit, aber auch eine klare Arbeitsteilung zwischen der Förderstiftung Technopark Aargau und dem Hightechzentrum geben: Bereitstellung der Infrastruktur für Jungunternehmen im Technopark, Beratung und Technologieunterstützung der Aargauer KMU durch das Hightechzentrum.

Ist das Hightechzentrum mit staatlicher Finanzierung eigentlich als Daueraufgabe gedacht oder ist das nur als Anstossimpuls für die Zeit bis 2017 zu sehen und zieht sich der Staat dann wieder zurück?

Endgültig festgelegt ist das noch nicht, aber die Leistungsvereinbarung sieht schon klar vor, dass wir uns Richtung starke Eigenständigkeit zu entwickeln haben. Das ist auch gut so. In der Startphase sind wir natürlich auf die staatlichen Mittel angewiesen. Aber das Hightechzentrum soll für seine Leistungen für die Aargauer Unternehmen letztlich marktkonform entschädigt werden. Hingegen ist es vorgesehen, dass Erstberatungen zum Nulltarif angeboten werden. Dass ein hoher Grad an Eigenständigkeit angestrebt wird, zeigt sich auch in der Organisationsform als Aktiengesellschaft. Der Kanton hat im Rahmen der Hightech-Strategie sicher ein Interesse, Hauptaktionär zu bleiben. Aber es ist durchaus denkbar, dass sich zum Beispiel auch die Wirtschaftsverbände beteiligen. Diese Partnerschaft ist uns als Impulsgeber wichtig. Im Moment ist die Einstellung auf dieser Seite vielleicht noch etwas kritisch, aber das erachte ich als durchaus positiv. Denn es fordert uns heraus, das Hightechzentrum mit ausweisbaren Leistungen zum Erfolg zu führen. Der fünfköpfige Verwaltungsrat, der mit Unternehmerpersönlichkeiten besetzt ist, will dies auch.

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