Rothrist
Anonyme Angriffe auf Kandidatin und Pfarrerin Koenig – jetzt spricht der Kirchenpräsident Klartext

Gegen die anstehende Wahl von Christina Koenig zur neuen reformierten Pfarrerin der Kirchgemeinde Rothrist gibt es Widerstand. Ein anonymes Komitee fordert sogar, dass die Wahl verschoben werde. Davon will der Kirchenpflegepräsident Roland Woodtli nichts wissen.

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Kampagne gegen Kandidatin Christina Koenig.

Kampagne gegen Kandidatin Christina Koenig.

Tele M1

Die reformierte Kirchenpflege von Rothrist will Christina Koenig am kommenden Sonntag zur neuen Pfarrerin wählen lassen. Dagegen regt sich seit einigen Tagen Widerstand. Eine Gruppe von Unzufriedenen versteckt sich in der Anonymität und macht seit Anfang Monat Stimmung gegen die Pfarrerin.

Der Grund für dieses Verhalten: Christina Koenig sei in Umiken nicht wiedergewählt worden. Das war im September 2014. Damals hiess Christina Koenig noch Christina Winkler.

Am letzten Samstag setzte das Komitee zum neusten Schlag gegen die Wahl Koenigs an. In einem offenen Brief an die Kirchenpflege forderten anonyme Kirchenmitglieder, dass die bevorstehende Wahl vom 17. Juli verschoben werde, wie Tele M1 am Sonntag berichtete.

Von der az am Montag auf eine Verschiebung angesprochen, sagte Kirchgemeindepräsident Roland Woodtli unmissverständlich: "Die Wahl findet selbstverständlich statt. Ohne Wenn und Aber." Im Klartext: Weder der Präsident noch die Kirchenpflege wollen auf die Forderungen eingehen.

Sachliche und faire Meinungsäusserungen gefordert

Die Vorwürfe und Ereignisse in anderen Kirchgemeinden seien der reformierten Krichgemeinde Rothrist durchaus bekannt. Doch bereits früher wollten Kritiker Anwürfe an Koenig nicht begründen und liessen sie im Raum stehen. Roland Woodtli erklärt, dass in Gesprächen mit Koenig offen und ehrlich über die Vergangeneheit gesprochen worden sei.

Die Kirchenpflege von Rothrist sehe deshalb keinen Grund an ihrer einstimmigen Wahlempfehlung zu zweifeln. "Kontroverse Diskussionen sind aus Sicht der Kirchenpflege ein wichtiger Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Die Kirchenpflege bittet die Beteiligten aber ausdrücklich um sachliche und menschlich faire Meinungsäusserungen", betont Woodtli.

Das ist aber offenbar nicht Sache der anonymen Kritiker, die für ihre Haltung nicht öffentlich hinstehen mögen.

Entgegen den Forderungen des anonymen Komitees, schlagen die Pfarrwahlkommission und die Kirchenpflege Pfarrerin Christina Koenig einstimmig zur Wahl als Pfarrerin in der Kirchgemeinde Rothrist am 17. Juli 2016 vor, schrieb Roland Woodtli auf der Internetseite der Kirchgemeinde bereits letzte Woche. Dennoch tauchte erneut ein Flugblatt gegen die Kandidatin auf.

Krichgemeindler sollen sich selbst ein Bild machen

Die Pfarrwahlkommission ist von Christina Koenig überzeugt. Sie habe aus einem Dutzend Bewerbungen auswählen können und sich aufgrund mehrerer, intensiver Gespräche für Christina Koenig entschieden, so Woodtli. Er lädt deshalb die Rothrister Kirchgemeindler ein, sich beim Gottesdienst, den Koenig am 17. Juli halten wird, selbst ein Bild von ihr zu machen und an der Wahl an der Kirchgemeindeversammlung teilzunehmen.

Pfarrerin Christina Koenig stellt sich zur Wahl. ZVG

Pfarrerin Christina Koenig stellt sich zur Wahl. ZVG

Pfarrerin Christina Koenig wollte sich bisher nicht zu der neuen Hetzkampagne äussern. In einer Beilage der Juli-Ausgabe der Zeitung reformiert stellt sich die Pfarrerin den Rothrister Kirchenmitglieder vor.

Sie sei gespannt auf die vielen Begegnungen in der Kirchgemeinde. "Pfarrerin zu sein bedeutet für mich, mit den Kirchgemeindlern gemeinsam unterwegs im Leben zu sein und dass der christliche Glaube uns dabei Stütze und Kraft ist. In diesem Sinne können wir miteinander ein Stück Weg teilen", schrieb Koenig.

Bevor sie im Herbst ihr 90-Prozent-Pensum als Pfarrerin für die verbleibende Amtsperiode bis Ende 2018 aufnehmen werde, plane sie im Sommer einen Fachkurs in spirituellem Coaching, sowie eine zweite Ausbildung in der Spitalseelsorge zu absolvieren.