Corona-Regeln

Anlässe mit mehr als 15 Personen verboten: Kanton präzisiert Massnahmen des Bundes – aber noch ist nicht alles klar

Der Bund hat in seiner am Montagabend publizierten Verordnung vieles undefiniert gelassen. Entsprechend verzeichnete die Infoline des Kantons am Dienstag «mehrere hundert Anfragen».

Der Bund hat in seiner am Montagabend publizierten Verordnung vieles undefiniert gelassen. Entsprechend verzeichnete die Infoline des Kantons am Dienstag «mehrere hundert Anfragen».

Der Kanton verzeichnete an Tag 1 des nationalen und kantonalen Notstands mehrere hundert Anfragen. Am Dienstag präzisierte er die Regelungen des Bundes zu Läden, privaten und öffentlichen Veranstaltungen – doch noch ist nicht alles geklärt.

Das Gärtnerei- und Gemüsebauunternehmen Vogel in Schafisheim hat mehrfach Pech: Es darf sein Gemüse nicht mehr auf dem Wochenmarkt verkaufen, der Bundesrat hat diese verboten. Auch der Verkaufsbetrieb vor Ort in der Gärtnerei musste eingestellt werden. Das ist besonders bitter, weil die Landi im Nachbardorf weiterhin offen sein darf – und am Dienstagmorgen noch Erde, Gartenzubehör und Setzlinge verkauft hatte.

Ihrem Ärger über diese scheinbare Ungleichbehandlung hat die Familie auf Facebook Luft gemacht und viel Mitgefühl geerntet. Mittlerweile ist der Facebook-Post wieder gelöscht. Dienstagabend verkaufte die Landi plötzlich keine Gärtnereiartikel mehr. Man habe am Mittag erfahren, dass dies nun nicht mehr erlaubt sei, heisst es dort.

Kanton verzeichnete mehrere hundert Anfragen

Solche Geschichten gab es am Dienstag im Aargau zuhauf. Der Bund hat in seiner am Montagabend publizierten Verordnung vieles undefiniert gelassen. Entsprechend verzeichnete die Infoline des Kantons am Dienstag «mehrere hundert Anfragen», wie Dieter Wicki, Chef des kantonalen Führungsstabs, an der gestrigen Medienkonferenz sagte.

Regierungssprecher Peter Buri betonte, man sei froh, dass der Bund mittlerweile Erläuterungen zu seiner Verordnung publiziert habe. Nun sind einige Fragen geklärt – aber viele noch offen. Die Unternehmen sind in ihrer Not nämlich kreativ. Die Gärtnerei beispielsweise ist nun dazu übergegangen, Setzlinge und Gemüse per Lieferdienst anzubieten.

Der Städtlicoiffeur in Klingnau bringt Haarfärbemittel auf Bestellung direkt vor die Haustüre. Ennet der Aare, bei Blumen Vogel in Kleindöttingen, kann man Blumengestecke in Selbstbedienung kaufen. Das Papeterie- und Spielwarengeschäft Pauli in Wildegg wiederum schrieb der Kundschaft: «Auf Wunsch können wir auch via Face-Time durch den Laden laufen, damit sie etwas Passendes finden.» Ein «geschützter Hauslieferdienst» bringe die Ware dann später vorbei.

Der Kanton prüft nun nach und nach, welche dieser aus der Verzweiflung geborenen Absatzkanäle unter den Bestimmungen des Bundes erlaubt sind. «Dazu gehört zum Beispiel auch die Frage, ob einzelne Marktstände von Landwirten erlaubt sind oder nicht», sagt Regierungssprecher Buri. Auch das ist eine Grauzone. Während Lebensmittelmärkte eindeutig verboten wurden, bleiben Take-away- Betriebe erlaubt. Für die Beurteilungen, ob etwas noch legal ist oder nicht, haben die Behörden die Ziele der Massnahmen vor Augen: «Es geht darum, Menschenansammlungen und Körperkontakte zu verhindern», so Kantonsärztin Yvonne Hummel.

Eine weitere Frage, die die Aargauer offenbar umgetrieben hat: Wenn Coiffeurbetriebe auf Grund des engen Körperkontakts verboten sind, gilt das dann auch für Hundecoiffeure? Hier hat der Regierungssprecher eine Antwort: «In den Erläuterungen sind Hundecoiffeure zwar nicht explizit erwähnt, sie fallen aber auch unter die Körperkontakt- Bestimmungen.» Hundehütedienste sind hingegen erlaubt.

Die Grenze liegt bei etwa 15 Personen

Was geht aus den am Dienstag publizierten Erläuterungen sonst noch hervor? Neu sind auch Fahrschulen und Solarien explizit als «Dienstleistungen mit engem Körperkontakt» definiert und deshalb verboten, nicht aber Taxiunternehmen oder «reine Beratungsdienstleistungen wie Versicherungen ohne Kundenkontakt», so der Kanton. Velo- und Autowerkstätten dürfen offen bleiben, ebenso Baustellen und Handwerksbetriebe ohne Verkaufsflächen. Genauer definiert ist mittlerweile auch, dass Baumärkte nur noch für Handwerker, nicht aber für Private offen sind.

Am Montagabend war auch noch unklar, ab wann ein Treffen unter Freunden oder in der Familie bereits als «Veranstaltung» angesehen und deshalb neu verboten ist. Die kritische Grenze liegt laut Kantonsärztin Yvonne Hummel bei ungefähr 15 Personen. Eine grosse Abdankungsfeier, ein Quartierfest, Fahrschulkurse oder ein Grümpelturnier sind also illegal.

Erlaubt, wenn auch nicht empfohlen, wären hingegen ein privater Fondue-Abend, eine Beerdigung im kleinen Kreis oder ein Geburtstagsessen mit wenigen Teilnehmern. Was die Kinder angeht, die derzeit ihre Gspähnli vermissen: Der Kanton empfiehlt, dass sich nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig an einem Ort aufhalten.

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